Squash

Der kleine Unterschied

Grosser Auftritt, aber kein Wettkampfglück: Nicolas Müller unterliegt am Mittwoch am GC-Cup in der Oerliker Eventhalle 622 dem Franzosen Grégory Gaultier, der Nummer 2 der Welt.Trotzdem ist er nur ein wenig enttäuscht.

Zu schnell, zu präzis: Nicolas Müller (rechts) hat gegen den Franzosen Grégory Gaultier auch im neunten Duell das Nachsehen.

Zu schnell, zu präzis: Nicolas Müller (rechts) hat gegen den Franzosen Grégory Gaultier auch im neunten Duell das Nachsehen. Bild: Stefan Kleiser

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Einmal gegen den Besten der Welt im Squash-Court stehen. Für viele ist es ein Traum, für Nicolas Müller ist es der Alltag. Nach dem Abschluss des Gymnasiums hat der Hirzler Squash zu seinem Beruf gemacht. Seither jagt er an fast allen Ecken der Erde der Kautschukkugel hinterher. Da ist es schon eher ein unverhofftes Glück, wenn der elf­fache Schweizer Einzelmeister einmal zu Hause antreten darf – mit Eltern und Freunden auf der Tribüne, mit einem Publikum im Rücken, das ihn bedingungslos anfeuert. So wie am Mittwoch in Oerlikon.

Der 28-Jährige ist der Lokalheld am Grasshopper-Cup. Die Besetzung des Events ist Extraklasse: Dank 100 000 Dollar Preisgeld haben sich sieben Squasher eingeschrieben, die in den Top Ten der Weltrangliste geführt werden. Müller trifft in der ersten Runde auf Grégory Gaultier, den «Squash-General», die Weltnummer zwei. Die Rollen sind klar verteilt. Wer bei Live Bet auf Müller setzt, bekommt den achtfachen Einsatz zurück. Bei Einsatz auf Gaultier liegt die Gewinnmarge im Prozentbereich.

Gleich gut und doch nicht

Auch Nicolas Müllers Erwartungen sind gering. «Wenn du gegen die Nummer zwei der Welt spielst, erwartest du nicht, den Grasshopper-Cup zu gewinnen», sagt er. «Ich will aber mein bestes Spiel zeigen.» Das letzte Mal hat er im August an der Einzel-Europameisterschaft gegen Gaultier gespielt. Wie es ausging? «Ich bekam 0:3 auf die Mütze, wie jedes Mal. Ich hatte keine Chance.» Aber warum sollte ihm nicht ein Exploit gelingen wie im Januar in New York? Dort besiegte Müller Karim Abdel Gawad, die Nummer vier der Welt. Es war sein bisher grösster Erfolg.

Die Stimmung ist hervorragend, die Fans schwenken eifrig die verteilten Schweizer Fahnen, alles ist bereit für die Überraschung. Doch sie bleibt aus. Nach 45 Minuten ist Nicolas Müller ausgeschieden. Ohne Satzgewinn. «Er spielte zu schnell, zu präzis», lobt Müller nach der Partie den Gegner. «Eigentlich hatte ich ihn gut im Griff. Ich fühlte mich gut und habe gut gespielt. Aber bei den wichtigen Punkten habe ich zwei, drei Fehler begangen. Ich habe zwei-, dreimal den Kopf verloren.»

Und so liess Müller im zweiten Satz einen 9:8-Vorsprung ungenutzt. «Greg ist halt ein Routinier und nimmt sich in den entscheidenden Momenten ein bisschen mehr Raum. Wenn deine Leistung zwei Prozent runtergeht, dann hat er dich sofort.» Und Gaultier ist nicht Gawad: Sein Spiel liegt Müller nicht. Was wäre gewesen, wenn der zweite Satz nicht an Grégory Gaultier, sondern an Müller gegangen wäre? «Dann kann es anders ausgehen», erklärt der Verlierer.

Trotzdem ist der Hirzler zufrieden. Einigermassen. So wie man es halt sein kann nach einer Niederlage. «Ich hätte gegen Gaultier auch in zehn Minuten rausgeschossen werden können, das ist mir gegen ihn auch schon passiert», sagt er. Dann wartet bereits die nächste Pflicht: das Platzinterview. Danach auslaufen, dehnen, relaxen. Und nach vorne schauen. Denn: «In den nächsten Monaten habe ich praktisch keine Punkte zu verteidigen.» Und so geht es in den nächsten Monaten in World Ranking wohl weiter nach oben, auf einen Rang, wie ihn Müller noch nie belegt hat. Position 17 ist seine bisher beste Platzierung.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.03.2018, 10:01 Uhr

Viel los im April und Mai

Die Saison war schon lang, doch Nicolas Müller hat noch keine Verschnaufpause. In den nächsten Wochen gilt der Fokus des Hirzlers jedoch nicht internationalen Start, sondern Wettkämpfen in der Schweiz. Am 6. und 7. April stehen in Uster die Nationalliga-A-Playoffs an, eine Woche später werden dort auch die Schweizer Einzelmeister ermittelt. Ebenfalls im April reist Müller nach El Gouna ans Rote Meer, um ein Event der World Series zu bestreiten, bevor er die Schweiz in Polen an der Team-EM vertritt. Und Mitte Mai möchte die Nummer 18 der Welt am British Open in Hull (ebenfalls ein Turnier der World Series) Punkte für das weitere Vorankommen im World Ranking sammeln.(skl)

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