Tennis

«Der Abstand ist nicht so gross»

Marc-Andrea Hüsler ist auf der grossen ­Bühne angekommen. An den Swiss Indoors in Basel eliminierte der Rüeschliker­ zusammen mit Sem Verbeek in der 1. Runde der Doppel-Konkurrenz die topgesetzten Wimbledon-Finalisten.

Fühlt sich auf den Centre Court immer wohler: Der Rüeschliker Marc-Andrea Hüsler steht in Basel im Doppel in der 2. Runde.

Fühlt sich auf den Centre Court immer wohler: Der Rüeschliker Marc-Andrea Hüsler steht in Basel im Doppel in der 2. Runde. Bild: Keystone

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Aufnahme im 16 Duos umfassenden Hauptfeld hatten Hüsler/Verbeek nur dank einer Wildcard gefunden. Die vom Veranstalter offerierte Chance nutzten der22-jährige Schweizer und sein zwei Jahre älterer Partner vor zunächst praktisch leeren Rängen resolut – auch wenn sie am Ende des zweiten Satzes ins Straucheln gerieten. Ein Doppelfehler Ver­beeks eröffnete den Favoriten zwei Satzbälle; den ersten wehrte Hüsler am Netz souverän ab. Beim zweiten sprang ein Volley des Rüesch­likers via Netzkante knapp ins Aus. Mit 7:5 schafften Klaasen/Venus den Satzausgleich.

Wer nun den Durchmarsch der Doppel-Weltnummern 12 und 18 erwartete, wurde überrascht. Hüsler (ATP-Doppel 176) und Ver­beek (180) waren im Match-Tiebreak sogleich hellwach. Vielmehr war es Michael Venus, der Nerven zeigte. Mit einem Doppelfehler schenkte der 31-jährige Neuseeländer den Aussenseitern den ersten Punkt. Dank Hüslers starker Serviceleistung stand es wenig später 3:0. Und weil der See­bub am Netz mehrfach brillierte und auch noch ein Ass schlug, war die kleine Sensation nach eineinhalb Stunden mit 7:5, 5:7, 10:5 perfekt.

Unterschiedliche Charaktere

Sem Ver­beek ballte gleich beide Fäuste und schrie seine Freude in die inzwischen besser gefüllte St.-Jakobs-Halle. Es folgte eine Umarmung mit Hüsler, dessen emotionalste Regung ein breites Grinsen war. «Ja, wir sind zwei verschiedene Charaktere, die sich aber gut ergänzen», bestätigte der zweitbeste Schweizer in der Doppel-Weltrangliste hinter Luca Margaroli, der in Basel im Einzel in der 1. Runde der Qualifikation gescheitert war.

Die beiden grossgewach­senen Linkshänder hatten erst in diesem Sommer zusammen­gefunden. Es passte sofort. Das erste gemeinsame Turnier, ein mit 25 000 Dollar dotiertes Fu­ture in Winston-Salem (USA), gewannen sie im Juni sogleich. Im Juli folgte im kanadischen Saskatoon der zweite gemeinsame Titel auf gleicher Stufe, der mit 27 ATP-Punkten belohnt wurde. In der Woche darauf triumphierten die beiden Europäer auch am Challenger in Winnipeg, wo Hüsler seinen Kompagnon in der Qua­lifikation der Einzel-Konkurrenz eliminierte.

Verbleib in den Top 200

Der wertvollste gemeinsame Erfolg warf 80 Punkte für die Weltrangliste ab. Der gestrige Sieg ersetzt bei Hüsler jene 90 Zähler, welche er 2017 in Basel an der Seite des serbischen Altmeisters Nenad Zimonjic («von ihm habe ich viel gelernt») für den Vorstoss in die 2. Runde gesammelt hatte. Entsprechend gross war die Erleichterung des Rüeschlikers, der damit seine Position in den Top 200 verteidigte. Im Einzel belegt er Position 391.

«Es sind die Punkte fürs Ranking, die zählen.»Marc-Andrea Hüsler

«Es sind die Punkte fürs Ranking, die zählen», sagt Marc-Andrea Hüsler. Dass er sich in Basel mit dem Holländer nun mindestens 16 230 Euro Preisgeld teilen kann, sei ein angenehmer Nebeneffekt. Bisher hatte der Rüeschliker für seine bereits sechs Doppel-Turniersiege in diesem Jahr 10 958 Dollar kassiert – ziemlich genau die Hälfte, die er im Einzel eingespielt hat. Zum Vergleich: Der 36-jährige Südafrikaner Raven Klaa­sen kommt wie sein Partner Michael Venus auf ein Total von über einer halben Million Dollar – auch dank der Finalteilnahme in Wimbledon.

Heute wieder im Einsatz

«Wir wissen jetzt definitiv, dass der Abstand zu den Topcracks nicht so gross ist», konstatierte Hüsler. War er vor Jahresfrist bei seinem ersten Auftritt auf dem Centre Court noch richtig nervös gewesen, betrat er die St.-Jakobs-Halle gestern vor allem mit grosser Vorfreude. «Es ist in den vergangenen zwölf Monaten bei mir ja auch einiges passiert», erklärt der 22-Jährige diesen Wandel. Neben den Erfolgen an Future- und Challenger-Turnieren debütierte er auch im Davis-Cup.

Dank diesen Erfahrungen gelang­ es Hüsler, den missglückten Volley am Ende des zweiten Satzes wegzustecken. «Im Tennis gibt es immer schlechte Punkte, aber die nächste Chance, es besser zu machen, folgt meist sogleich.» Die Tage in Basel geniesst der aufstrebende Linkshänder auch abseits des Rampenlichts. «Mit Topstars wie Federer oder Zverev trainieren und von ihnen Dinge abschauen zu können, ist ein riesiges Privileg.» Die nächste Möglichkeit, dem Schweizer Publikum sein Können zu präsentieren, erhält der Linkshänder heute Mittag, wenn er mit Sem Ver­beek in der 2. Runde auf Divij Sharan /Artem Sitak trifft. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.10.2018, 09:21 Uhr

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