Kanu

«Das muss ich zuerst verdauen»

Der Rapperswiler Fabio Wyss schliesst sein Olympiadebüt im Kajak-Einer über 1000 m als Letzter ab.

Enttäuschung pur: Kanute Fabio Wyss scheitert klar.

Enttäuschung pur: Kanute Fabio Wyss scheitert klar. Bild: Keystone

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Die Szenerie an der Lagoa Rodrigo de Freitas war herrlich: Der ruhige See, Sonne, aus dem leichten Dunst überragte in der Ferne der Corcovado. «Am Morgen den Sonnenaufgang und einen spiegelglatten See zu sehen, gibt ­jedem Kanufahrer ein warmes Herz», bemerkte Fabio Wyss. Auch ihm. Aber dem ehemaligen Wildwasserfahrer wären rauere Bedingungen lieber gewesen. Dann hätte er sich grössere Chancen ausrechnen können. «Das Wetter hat mir nicht in die Karten gespielt», sagte der Rapperswiler deshalb.

Was ihm nach dem Vorlauf im Kajak-Einer über 1000 m blieb, war dies: die schlechteste Zeit ­aller 22 Startenden. Er verpasste die Top 5 seines sehr stark besetzten Verlaufs ebenso deutlich wie die Möglichkeit, sich als Sechstschnellster für den Halbfinal der Top 16 zu qualifizieren.

Erstmals im Vorlauf out

«Miserabel, es tut unglaublich weh, wenn mal als Letzter durchs Ziel fährt», erklärte der 27-Jährige, der Dreizehnte der WM 2015. «Ich bin noch nie in einem Vorlauf rausgefallen.» Jetzt sei es ausgerechnet «an dem Event passiert, auf den ich ein Leben lang hingearbeitet habe. Das ist nicht schön. Eine Ohrfeige, die ich zuerst verdauen muss. Doch es ist geschehen, man muss es akzeptieren und damit leben.»

Schwere Fehler habe er nicht gemacht, erinnerte er sich. «Der Start war nicht schlecht. Aber ich konnte diesmal im Endspurt nicht zulegen. Ich brachte keine Kraft mehr aufs Blatt. Ich habe alles versucht.» Vielleicht hänge es mit dem Trainingswechsel über Winter, den er in Australien verbrachte, zusammen. Sein Körper sei es offenbar nicht gewohnt, eine Saison auf zwei Höhepunkte hin vorzubereiten. An der europäischen Olympiaqualifikation im Mai war er gesundheitlich angeschlagen, «und jetzt ist nichts mehr gegangen».

«Stolz hier zu sein»

Als die erste «Enttäuschungswelle» etwas gewichen war, sagte er über sein Olympiadebüt aber auch: «Es ist keine Schande.» Ein Olympionike bleibt er ein Leben lang, das kann ihm niemand nehmen. «Als ich am Morgen im Bus zum Rennen fuhr, dachte ich mir: Ich bin so stolz hier zu sein. Nur die Besten der Welt sind da, ein auserwählter Kreis.»

Wenig später kam der Dämpfer: «Ich hätte mir nicht vorgestellt, nur für dreieinhalb Minuten Paddeln an die Olympischen Spiele zu reisen. Man wird nicht gern zum Olympiatouristen», bedauerte er. Als Erstes traf er seine Freundin, den Bruder und den besten Kumpanen auf der Tribüne. Am 19. August fliegt er heim.

Zukunft bleibt offen

Zuerst will er Abstand gewinnen. «Dieses Rennen sehe ich mir nicht so bald wieder an. Das braucht seine Zeit», betonte er – und ergänzte umgehend: «Aber wenn ich irgendwann später auf Rio zurückschaue, werde ich wahrscheinlich sagen können: Es hat viele schöne Momente gegeben. Die letzten paar Wochen waren grossartig, da ist viel zurückgekommen.» Wie seine Karriere weiter geht, weiss er nicht. Am19. September beginnt sein Journalistikstudium an der ZHAWin Winterthur. Das wird seine nächste Zeit prägen.

Wyss schliesst einen weiteren olympischen Zyklus nicht aus: «So will ich eigentlich nicht aufhören», gab er sich gestern kämpferisch, meinte aber auch: «Für Olympia braucht es extrem viel Aufwand. Ich muss die Buchhaltung machen: Lohnt es sich oder nicht?» Ein Wechsel in ein Teamboot könnte ihm «eine neue Motivation geben». Allerdings ist die Auswahl an möglichen Gefährten in der Schweiz limitiert. Klar ist: «Kanufahren ist etwas vom Schönsten, das es gibt. Ich möchte es so lange wie möglich machen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.08.2016, 08:16 Uhr

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