Volleyball

Das bewegte Leben der Livia Zaugg

Meisterschaft, Europacup, Nationalmannschaft – dazu das Studium: Die bald 23-jährige Adliswilerin Livia Zaugg tanzt derzeit auf vielen Hochzeiten.

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Vieles, aber nicht alles dreht sich bei Livia Zaugg um Volleyball. In der vergangenen Woche hatte sie die letzten Prüfungen im ersten Semester ihres Studiums «Be­triebs­ökonomie». Am Wochenende absolvierte die Nationalspielerin mit ihrem Club Aesch-Pfeffingen zwei NLA-Spiele, wobei­ es einen Sieg und eine Nieder­lage absetzte.

Nun geht es Schlag auf Schlag weiter: Am Mittwoch erfolgt die Auslosung der EM-Gruppen, für die sich die Schweizerinnen erstmals auf sportlichem Weg qualifiziert haben. Zeit, sich gross damit auseinanderzusetzen, hat Livia Zaugg aber gar nicht. Denn am Mittwoch reist die Adliswilerin mit Aesch-Pfeffingen nach Ungarn, wo morgen Donnerstag ein Europacup­spiel gegen Swietelsky Békéscsaba im CEV-Cup auf dem Programm steht.

Zwei Träume erfüllt

Im August 2009 erschien im «Tages-Anzei­ger» ein Porträt von Livia Zaugg mit dem Titel «Sie träumt von der Nationalmannschaft». Damals war sie zarte 13 Jahre alt. Dieser Wunsch ist unter­dessen in Erfüllung gegangen. Seit Mai 2018 gehört die Adliswile­rin zum Stamm der Natio­nalmannschaft. Zuvor war sie stets in Junioren-Auswahlen.

«Wir wollen nicht einfach nur dabei sein. Wir haben Lust auf mehr und wollen das Maximum herausholen.»Livia Zaugg

Mit der Qualifikation für die Europameisterschaft ist für Zaugg, die nächste Woche ihren 23. Geburtstag feiert, ein weiterer Traum in Erfüllung gegangen. «Die Emotionen waren unglaublich, als wir es geschafft haben», schaut sie zurück, «es war immer ein Traum, eine EM spielen zu können.» Sie hatte als Stammkraft einen nicht unwesentlichen Anteil am Erfolg.

Gross vorausschauen mag ­Livia Zaugg auf die EM, die im August beginnt, noch nicht. «Der Fokus auf die EM beginnt im Mai», sagt sie, «für Zielsetzungen ist es jetzt noch zu früh.» Es wird sich zeigen müssen, mit welchem Kader die Schweiz antritt und wer die Gegnerinnen sind. Aber eines ist für die Aussenangreiferin klar: «Wir wollen nicht einfach nur dabei sein, sondern etwas erreichen. Wir haben Lust auf mehr und wollen das Maximum herausholen.»

Chance auf den Meistertitel

Vorerst aber fokussiert sich Zaugg auf die Meisterschaft. Nachdem sich Volero Zürich, das überragende Frauenteam der letzten Jahre, nach Frankreich verabschiedet hat, ist es im Kampf um die Schweizer Meisterschaft spannender geworden. Vor einem Jahr drang Aesch-Pfeffingen unerwartet in den Final­ vor, wo die Baselbieterinnen aber Volero unterlagen.

«Dieses Jahr ist der Titel möglich.»Livia Zaugg

Die Chancen auf eine erneute Finalqualifikation stehen für Aesch-Pfeffingen ausgezeichnet. In der Meisterschaft ging die Leaderposition nach einem 0:3 im Spit­zenkampf zwar an Düdingen verloren, geht es jedoch nach der «Papierform», müssten sich die beiden Teams im April im Playoff-Final wieder sehen, führen sie die Tabelle doch mit beträcht­lichem Vorsprung an. «Wir sind trotz der klaren Niederlage auf Augenhöhe mit Düdingen», sagt Zaugg. «Dieses Jahr ist der Titel möglich.» Mit dem Gewinn der Meisterschaft ginge für sie ein weiterer Traum in Erfüllung.

Zukunft noch nicht geregelt

Livia Zaugg ist weit gereist. Schon als 17-Jährige verliess sie ihr Elternhaus in Adliswil und zog nach Schaffhausen, wo sie von 2013 bis 2016 in der Nationalliga A spielte. Nach einem Jahr in Deutschland ist sie nun seit 2017 im Baselbiet zuhause, wo es ihr sehr gut gefällt. Allerdings ist ihre Zukunft noch ungewiss. Der Verein steht nach dem Rückzug seines Mentors Werner Schmid vor einem Umbruch. Die bald 23-Jährige würde gerne in der Region Basel bleiben, «weil Aesch-Pfeffingen eine sehr gute Adresse ist». Zudem sei sie unterdessen auch als Zürcherin akzeptiert, «obschon ich mir zu Beginn ­einige Sprüche anhören musste», sagt sie mit einem Lächeln.

Es spielen jedoch noch wei­tere Faktoren eine Rolle. Wer wird neuer Trainer, wer Passeuse, wie geht es mit ihrem Studium weiter? Da ihr das Wirtschaftsstudium nicht sehr zusagt, überlegt sich Zaugg, in eine andere (so­ziale­)­ Richtung zu gehen. So kommt auch ein Fernstudium infrage. Derzeit laufen Abklärungen, wie es weitergeht. «Allerdings», betont sie, «ist die Meisterschaft derzeit das Wichtigste.»

Adliswil als Rückzugsort

Trainieren, lernen, trainieren, ler­nen – der Spagat mit Spitzensport und Studium ist nicht immer einfach. Viel Freizeit bleibt für die junge Frau oft nicht, dennoch gefällt ihr dieses Leben. «Ich will nicht erst mit 28 ein Studium beginnen», betont sie, und mit dem Hobby Geld zu verdienen, sei grossartig. «Du hast es schön, sagt mir jeweils mein Bruder, der jeden Tag früh aufstehen muss», erklärt Livia Zaugg. Aber er habe nicht unrecht mit dieser Aus­sage.

«Ich bin oft umgezogen, Adliswil ist immer geblieben.»Livia Zaugg

Dennoch ist nicht immer alles so einfach. Jährlich stehen Veränderungen an, jedes Jahr gibt es eine neue Ausrichtung. «Und man muss auch sehen: Der Leistungsdruck ist gross.» Gerade in einer Sportart, «die zu 100 Prozent Kopfsache ist». So sei die mentale Herausforderung beträchtlich, vor allem, wenn es einmal­ nicht so gut laufe oder bei Verletzungen.

Für Zaugg hat deshalb das Umfeld eine grosse Bedeutung. Obschon sie in ganz Europa Freundschaften pflegt, fährt sie so oft wie möglich zu ihrer Familie nach Adlis­wil. «Es ist für mich der ideale Rückzugsort.» Da sie so früh ausgezogen ist, habe sie in all den Jahren gemerkt, wie wichtig «ein Nest» sei. «Ich bin oft umgezogen, Adliswil ist immer geblieben.» Ein erneuter Wechsel ins Ausland sei für sie kein Thema mehr, auch wenn man dort mehr Geld verdienen könne. «So, wie mein Leben jetzt ist, passt es ganz gut.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.01.2019, 14:51 Uhr

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