Zum Hauptinhalt springen

«Bin allem gegenüber positiv»

Seit 2015 ist Yves Baeriswyl Captain des Joner Faustball-Fanionteams und gehört zudem neu dem erweiterten Kader der Nationalmannschaft an. Der 24-Jährige aus Jona startet am Samstag mit seiner Equipe in die Feldsaison.

Noch lieber als Kaffee trinkt der naturverbundene Joner Yves Baeriswyl Tee, den er aus im eigenen Schrebergarten angebauten Kräutern braut.
Noch lieber als Kaffee trinkt der naturverbundene Joner Yves Baeriswyl Tee, den er aus im eigenen Schrebergarten angebauten Kräutern braut.
Dominic Duss

Sie haben einen Café crème bestellt. Was mögen Sie daran?Yves Baeriswyl:Sein intensives Aroma und nach einem anstrengenden Tag ist er wohltuend.

Ist das auch Ihr Lieblingsgetränk?Nein, das ist Tee mit Zutaten aus eigenem Anbau oder solchen, die die ich selber gesammelt habe. Aktuell ist Verbene, bekannt als Eisenkraut, mein Favorit.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?Am liebsten Gemüse aus dem eigenen Schrebergarten oder regionale, nachhaltige Produkte, hinter denen ich stehen kann. Für mich ist Essen keine Nebensache.

Dann können Sie bestimmt alles selbst zubereiten?Definitiv und ich habe Freude am Kochen.

Inwiefern achten Sie als Sportler auf die Ernährung?Vor acht Jahren habe ich sie komplett umgestellt. Seither esse ich nicht nur viel ausgewogener, sondern auch bewusster. Das wirkte sich sehr positiv auf mein Wohlbefinden und Gewicht aus – ich nahm rasch wesentlich ab. So schaffte ich dann 2013 auch den Sprung in die 1. Mannschaft.

Womit bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt?An der ZHAW in Wädenswil studiere ich Umweltingenieurwesen mit Schwerpunkt biologische Landwirtschaft und Hortikultur. Darum lebe ich von Stipendien und Erspartem. Um nebenbei etwas zu verdienen, arbeite ich sporadisch bei der CH-Solar AG und installiere Fotovoltaikanlagen.

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?Die Fussball-WM 2002 in Japan und Südkorea. Da habe ich erstmals Panini-Bildli gesammelt. Als Bub war das ein Highlight.

Wie sind Sie zum Faustball gekommen?Durch einen Ferienpass-Schnuppertag, der mir sehr gefallen hat. «Komm doch am Dienstag ins Training», sagten die Verantwortlichen zum Abschluss. So bin ich reingerutscht und bald einmal formierte sich mein Freundeskreis im TSV Jona.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?Einerseits der Sieg mit der regionalen U14-Auswahl am Arge-Alp- Cup (Jugend-Europacup; Red.) in Seekirchen. Das ist zwar schon elf Jahre her. (schmunzelt) Andererseits die Silbermedaille, welche wir mit der U21-Nationalmannschaft an der EM 2013 in Tschechien gewannen.

Und welches war die grösste Enttäuschung?Als ich es mit 17 nicht in die U18-Nati geschafft habe. Und der Abstieg mit Jona in der vergangenen Hallensaison aus der NLA.

Wie haben Sie diesen verdaut?Inzwischen kann ich damit leben. Wir hätten sicher die Qualität, noch in der NLA spielen zu können, aber im Winter fehlten uns verletzungsbedingt wichtige Akteure. Nun streben wir in der nächsten Saison den direkten Wiederaufstieg an.

Welche Auswirkungen hatte der Gang in die NLB auf das Team?Allen ist bewusst geworden, dass von nichts nichts kommt. Oftmals sind wir uns auch selber im Weg gestanden. Obwohl wir keine typische Hallenmannschaft sind, dürfen wir uns nicht so abschiessen lassen.

Jetzt liegt der Fokus auf der morgen beginnenden Feldsaison 2017. Mit welchen Erwartungen nehmen Sie diese in Angriff?Mit positiven, da wir gut trainiert und in Vorbereitungsturnieren gezeigt haben, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Jedem ist klar, dass er mehr machen muss, damit wir gemeinsam unser Ziel erreichen. Wir starten mit Elan und Wille zum Sieg in die erste Runde.

«Unseren Teamgeist müssen wir noch zusätzlich stärken.»

Yves Baeriswyl

Letztes Jahr hat Jona die Finalrunde verpasst. 2015 ging erst das Spiel um Bronze verloren. Was braucht es, um mindestens wieder so weit zu kommen?Eine saubere, konstante Leistung. Wir müssen an uns arbeiten, um den Gegnern das Leben schwermachen zu können. Wichtig ist auch, dass wir aus Fehlern lernen und uns nicht selber im Weg stehen. Nur so können wir uns im Verlauf der Saison stetig steigern.

Was könnt ihr vom enorm erfolgreichen Joner Frauenteam (Serienmeister auf dem Feld und in der Halle) lernen?Mit Celina Traxler haben sie die beste Angreiferin der Schweiz in ihren Reihen und sind nur schon daher sehr stark. Zudem ist ihr Teamzusammenhalt beachtlich, während wir unseren noch zusätzlich stärken müssen.

Und wie lange dauert es dann, bis der sechste Feld-Meistertitel – der letzte liegt 16 Jahre (2001) zurück – gefeiert werden kann?(schmunzelt und überlegt) Es wäre eine grosse Überraschung, wenn uns dieser Triumph schon in diesem Herbst gelingen würde. In den nächsten drei bis vier Jahren wollen wir aber sicher um den Titel mitspielen.

Apropos lange: Wie viel Zeit brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?Keine, da ich gar nicht erst hineinschaue. (lacht) Die Zähne putze ich jeweils unter der Dusche.

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?Mit niemandem, denn ich habe mein Leben in eigenen Händen und im Griff. Ich bin glücklich und zufrieden, deshalb ist es für mich nicht erstrebenswert, in die Haut eines anderen zu schlüpfen.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?In der Sommerpause bei einem Weinbauern in der Romandie. Auf seinem Gut helfe ich jeweils aus, wenn ich freie Zeit habe.

Ihr Lieblingssong?Meist höre ich Lieder so lange, bis sie mir aus den Ohren hängen. Momentan ist «Riders on the Storm» von The Doors dran.

Ihr Lieblingsfilm?«Pulp Fiction» von Quentin Tarantino. Seine Filme sind stark und treffen meinen Humor.

Ihr Lieblingsbuch?Uff, es gibt enorm viele gute Bücher, aber leider fehlt mir die Zeit, um sie alle zu lesen. «Der Gotteswahn» hat mich geprägt (Autor Richard Dawkins stellt darin die These auf, dass jeder Glaube an Gott in all seinen Formen irrational ist und dieser schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Gesellschaft hat; Red.).

Ihr Lebensmotto?Lebe mit und nicht gegen die Natur, von der wir alle Teil sind, und koste jeden Moment aus.

Was ist Ihr grösstes Laster?Manchmal mache ich mir zu sehr Gedanken um Sachen, die absolut irrelevant sind, und hinterfrage zu vieles.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?Dass ich umgänglich und freundlich bin und niemandem Schlechtes will. Ich bin allem gegenüber positiv eingestellt.

Was macht Sie glücklich?Vieles, oft auch kleine Dinge in meinem Garten. Vor allem aber, wenn ich sehe, dass sich auch andere am Leben erfreuen. Und wenn ich Zeit zum Verweilen habe.

Was ärgert Sie?Engstirnige Leute, die nicht mit sich reden lassen und keine andere Meinung akzeptieren.

Was machen Sie in zehn Jahren?Dann habe ich einen eigenen Hof, lebe autark, arbeite hart und geniesse zwischendurch ruhige Momente.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch