Leichtathletik

Bevor ihr die anderen davonrennen

Nach zwei Jahrzehnten Spitzensport tritt Pascale Gränicher kürzer. Die Vorzeigeathletin der LG Küsnacht-Erlenbach blickt mit Genugtuung auf ihre Karriere zurück.

Als 400-m-Spezialistin lief Pascale Gränicher an der nationalen Spitze und liess viele Konkurrentinnen – wie hier 2017 am Obersee-Meeting in Jona – stehen, nun schaltet sie einen Gang zurück.

Als 400-m-Spezialistin lief Pascale Gränicher an der nationalen Spitze und liess viele Konkurrentinnen – wie hier 2017 am Obersee-Meeting in Jona – stehen, nun schaltet sie einen Gang zurück. Bild: Michael Trost

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Eigentlich wollte sie schon Ende der Saison 2017 zurücktreten, doch Pascale Gränicher entschied sich anders. Denn Swiss Athletics pushte die nationale 4×400-m-Staffel. Damit stellte der Verband der in Zollikerberg aufgewachsenen Läuferin eine Teilnahme an der EM 2018 in Amsterdam in Aussicht. «Ich wollte die gute Form nutzen», begründet die Schweizer Meisterin über 400 m von 2015, weshalb sie trotzdem eine weitere Saison anhängte.

Aber gleich zum Auftakt erlitt Gränicher einen Rückschlag. Im Mai verletzte sie sich im ersten Rennen der Saison und musste sechs Wochen pausieren. «Leider schaffte ich es nicht mehr, die Form innerhalb der EM-Qualifikationsperiode zurückzugewinnen», blickt sie wehmütig zurück. In der Folge beschloss die 31-Jährige, auf einen Start im Final an den nationalen Meisterschaften zu verzichten, und läutete ihre «Spass-Saison» zum Ausklang ihrer Karriere kurzerhand früher als geplant ein.

Absprungmoment gefunden

Statt auf der Tartanbahn legte Gränicher allerdings in ihrer Herzensdisziplin eine Ehrenrunde ein. Als Jugendliche hatte sie ihrem Vater Paul nachgeeifert und auf Hochsprung gesetzt. «Ich begann erst relativ spät im Kreis zu rennen», hält die Vorzeigeathletin der LG Küsnacht-Erlenbach fest. Auch im Dreisprung setzte sie Akzente und zum Abschluss ihrer über 20-jährigen Laufbahn ein Ausrufezeichen. Mit ihren Clubkolleginnen Nora Frey und Ladina Schlumpf triumphierte die Zürcherin an den Schweizer Team-Meisterschaften in dieser Disziplin. Das Trio landete mit einer Durchschnittsweite von 11,76 m vor dem klar favorisierten LC Zürich (11,65 m).

Gränicher ergeht es wie allen Sportlern, die kürzer- oder gar ganz zurücktreten: «Den richtigen Zeitpunkt zu treffen und trotzdem das Gefühl zu haben, das Maximum herausgeholt zu haben, ist nicht einfach.» Eines war ihr aber immer klar: «Dass ich aufhören möchte, bevor ich allen hinterherrenne.»

Fast immer nationale Spitze

Nun lässt sie ihre Karriere Revue passieren. «Die Disziplin für Training und Erholung, die Vorbereitung und der Fokus auf den einen wichtigen Moment, der Umgang mit Niederlagen, Verletzungen, schlechtem Wetter oder Keine-Lust-auf-Training-Laune sowie der Biss für die harten Läufe» – all das hat ihr Leben geprägt. Die Leichtathletik sei zwar für sie stets Hobby gewesen, Gränicher hat nebenbei Vollzeit gearbeitet und studiert. Dennoch räumte sie dem Sport immer einen grossen Stellenwert ein.

«Ich bin stolz, dass ich mich über all die Jahre in meiner Altersklasse fast durchgehend zur nationalen Spitze zählen durfte», hebt Gränicher hervor. Den Schweizer-Meister-Titel über 400 m nennt sie als Höhepunkt ihrer Laufbahn. «Nicht nur wegen des Titels, sondern auch, weil das Rennen im Flow verlief», ergänzt sie. Doch auch im Hochsprung habe sie, etwa mit der Teilnahme am Dreiländerkampf, viel erreicht. Da war für Gränicher jedes einzelne Sprungtraining ein Highlight – «wegen des Gefühls zu schweben», wie sie anfügt. «Daneben empfand ich auch Team-Einsätze als besonders lässig.» Gemeinsam ein Ziel zu verfolgen und dann zusammen auf dem Treppchen zu stehen, sei toll.

Zeit, um Neues zu entdecken

Sportlich will Gränicher künftig ein- bis zweimal pro Woche mit ihrer LGKE-Trainingsgruppe trainieren und so den Kontakt zu ihren Gspändli sowie den langjährigen Trainern Vreny und Christian Müller aufrechterhalten. Und daneben Neues, anderes ausprobieren, «zum Beispiel Barre oder Parkour». Im Kraftraum sei sie jedenfalls weiterhin anzutreffen, «dafür nun weniger auf der Finnenbahn».

Beruflich ist Gränicher, die letztes Jahr geheiratet hat, ausgelastet. «Mit meiner eigenen Firma Science2practice, als Sportphysiotherapeutin bei der Therapie Kreuzplatz, als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Sportamt der Stadt Zürich und als Projektmitarbeiterin Forschung am Universitären Zentrum für Prävention und Sportmedizin der Universitätsklinik Balgrist», zählt sie auf. Langweilig wird es ihr ohne Spitzensport auf keinen Fall.

Erstellt: 04.10.2019, 10:04 Uhr

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