Rad

«Bern ist unser Leuchtturm geworden»

Vor dem letzten Lauf der EKZ Crosstour am Berchtoldstag in Meilen fordert Christian Rocha, der Vater der Rennserie, strukturelle Veränderungen, um den Quersport in der Schweiz voran zu bringen.

Die Abfahrt verspricht in Meilen viel Spektakel. Mountainbikerin Jolanda Neff bewältigte sie vor Jahresfrist geschickt.

Die Abfahrt verspricht in Meilen viel Spektakel. Mountainbikerin Jolanda Neff bewältigte sie vor Jahresfrist geschickt. Bild: Patrick Gutenberg

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Das Jahr neigt sich seinem Ende entgegen. Auch in der EKZ Crosstour steht nur noch der Abschlussevent am 2. Januar in Meilen an. Wie lautet die Bilanz der fünften Saison der von Ihnen präsidierten Serie?
Christian Rocha: Sie fällt durchwegs positiv aus. Mit der Lancierung des Weltcups in Bern haben wir einen weiteren grossen, vielleicht sogar den grössten Schritt gemacht.

Mit dem Event im Oktober im Freibad Weyermannshaus gelangte erstmals seit acht Jahren wieder ein Weltcup-Rennen in der Schweiz zur Austragung. Hat sich der Aufwand gelohnt?
Absolut. Die Resonanz in den Medien war riesig. Der zweitägige Anlass wurde zum Leuchtturm der EKZ Crosstour. Das war aber nur möglich, weil wir in den vier Jahren zuvor gute Vorarbeit geleistet haben. Bei den Athleten und Teams haben wir uns als Organisator einen Namen gemacht.

Für die Elite-Fahrer in der EKZ Crosstour gab es wegen des Weltcups allerdings einen Wertungslauf weniger, ein Nachteil?
Nein. Vor zwei Jahren waren es auch deren fünf. Angefangen hatten wir sogar nur mit vier. Sechs Rennen wie letzten Winter sind sowieso oberstes Limit.

Es zeichnet sich ab, dass die Gesamtsieger heuer keine Einheimischen sein werden. Haben Sie bei der Verpflichtung der Fahrer ihre Strategie geändert?
Die vergangenen beiden Jahre mit den Gesamtsiegen von Marcel Wildhaber waren fast etwas kitschig. Jetzt lief es anders. Der Titelverteidiger kam nicht mehr an seine Leistungen heran. Nicola Rorbach fiel mit einem Schlüsselbeinbruch aus, Simon Zahner hatte seine guten Rennen nicht an der Crosstour. Aber mit Lars Forster haben wir noch ein heisses Eisen im Feuer. Bei den Frauen fehlt Jasmin Egger-Achermann wegen ihrer Mutterschaft. Jolanda Neff gibt erst in Meilen ihr Debüt und Sina Frei fällt wegen einer Verletzung die ganze Crossaison aus. Daneben hat sich Nicole Koller, die ohne Weltranglisten-Punkte in die Saison gestartet war, super entwickelt.

Aber nochmals, haben Sie als Veranstalter auch Ihren Anteil daran?
Die EKZ Crosstour ist auch für Ausländer attraktiv, weil lukrativ. Wir bezahlen schöne Preisgelder und anständige Startgagen. Zudem sind alles C1-Rennen, die viele UCI-Punkte abwerfen. Weshalb ein David van der Poel oder Quinten Hermans den Weg zu uns gefunden haben. Uns spielt in die Karten, dass die Fahrer gemerkt haben, dass sie in der Quer-Hochburg Belgien nicht sämtliche grossen Rennen bestreiten können ohne auszubrennen. Etliche konzentrieren sich dort nur noch auf eine der beiden wichtigen Serien.

Und die Schweizer sollen am Konkurrenzkampf wachsen?
So wie sich die Startfelder heuer präsentieren, kann es gut sein, dass kein Einheimischer auf dem Podest steht. Wächst einer über sich hinaus, wie Lars Forster in Eschenbach, kann er dennoch gewinnen. Und Timon Rüegg hat in einigen Rennen die Lücke schon fast schliessen können. Es bräuchte aber zehn Fahrer wie ihn. Die starken Nachwuchsfahrer Gino Mäder, Marc Hirschi oder Patrick und Reto Müller bestritten früher alle Quers, ehe sie im Juniorenprogramm Bahn statt Quer als Zweitdisziplin gefördert wurden. Heute haben sie in Profi-Teams Unterschlupf gefunden.

Was würde den Quersport in der Schweiz denn voran bringen?
In den nächsten zwei, drei Jahren muss strukturell etwas gehen – beim Verband und bezüglich spezialisierter Teams, die es einem Fahrer erlauben würden, voll auf den Quersport zu setzen. Solche gibt es hierzulande – im Gegensatz zu Belgien etwa – aktuell keines. Bei der Zweidisziplinigkeit, wie sie Lars Forster betreibt, geht es nicht ohne Pause im Herbst, deshalb bestreitet der Mountainbike-Europameister im Quer nur die zweite Saisonhälfte.

Wie präsentiert sich die Situation bei den Frauen?
Die jungen Bikerinnen Sina Frei und Nicole Koller haben sicher Potential, legen ihren Fokus aber wie Forster auf das Biken.

Entsprechend ist die Gesamtwertung der Crosstour schon praktisch zu Gunsten von Denise Betsema entschieden.
Dass wir sie bei uns haben, ist ein Glücksfall. Die Holländerin ist eine der besten Fahrerinnen weltweit, obwohl sie erst seit eineinhalb Jahren Quers bestreitet. Deshalb hatte sie auch kaum jemand auf der Rechnung. Startete sie doch als Nummer 80 in die Saison und ist nun auf Platz 12 vorgestossen.

Ist die Zukunft der EKZ Crosstour gesichert?
Die Verträge sind noch nicht unter Dach und Fach, aber mit den lokalen Veranstaltern und Sponsoren haben wir die Basis gelegt, dass es in einem ähnlichen Rahmen weiter geht. Wir hoffen, im Januar Nägel mit Köpfen machen zu können.

In welche Richtung wollen Sie die Serie weiterentwickeln?
Die EKZ Crosstour muss sich nicht neu erfinden, sondern etablieren. Die Qualität der einzelnen Events hat sich auch dank den lokalen OKs stetig verbessert. Seit fünf Jahren machen wir eine nie dagewesene Arbeit im Quersport. Der Swiss Cup der Mountainbiker legt seit 25 Jahren extrem erfolgreich die Basis für seinen Sport und verändert sich auch nicht stark.

Dennoch gilt es, sich den Entwicklungen im Radquer anzupassen.
Das ist klar. Kleine Veränderungen und Optimierungen gibt es immer. So zum Beispiel im Bereich «Gravel». Im Rahmen des zweitägigen Events in Bern konnten wir mit dem Gravel Ride & Race eine Premiere hierzulande im Breitensport lancieren.

Was braucht es, dass Sie am Berchtoldstag in Meilen beim Eindunkeln zufrieden sind?
Gutes Wetter und eine entsprechende Stimmung, tollen Sport. Die Rennen versprechen ja viel Spannung. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.12.2018, 16:45 Uhr

«Die Rennen versprechen viel Spannung»: Christian Rocha.

Programm

EKZ Crosstour Meilen

2. Januar. 9.00 Uhr: Cross für alle und Parcours U-13/ U-15. – 9.50 Uhr: U-17. – 10.45: U-13/U-15. – 11.25 Uhr: U-19/Amateure/Master. ­– 13.00 Uhr: Kids-Cross. – 13.45 Uhr: Frauen Elite. – 15.00 Uhr: Männer Elite. – 17.00 Uhr: Gesamtsiegerehrung.

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