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«Bei mir gibts keine halben Sachen»

Der 36-jährige Adrian Oertig ist der Teamsenior im Schwingerverband Rapperswil und Umgebung, hat bereits 39 Kränze gewonnen. Das 103. St. Galler Kantonalschwingfest vom Sonntag in Rapperswil-Jona sieht er als letztes grosses Highlight seiner Karriere.

Adrian Oertig trinkt seinen Kaffee gerne in seiner ­– von Gaben und Erinnerungsstücken gesäumten – Schwingerstube zu Hause in Goldingen, von wo er eine herrliche Aussicht geniesst.
Adrian Oertig trinkt seinen Kaffee gerne in seiner ­– von Gaben und Erinnerungsstücken gesäumten – Schwingerstube zu Hause in Goldingen, von wo er eine herrliche Aussicht geniesst.
Silvano Umberg

Sie trinken einen Café crème. Was mögen Sie daran?Adrian Oertig: Er macht mich munter. (schmunzelt) Ich muss jeweils schon kurz nach 5 Uhr aus den Federn und zur Arbeit. Richtig frühstücken mag ich da noch nicht. Ein Kaffee und ein Riegel genügen fürs Erste. Ein zweiter Kaffee folgt zum Znüni, ein dritter nach dem Mittagessen, manchmal noch einer abends.

Was trinken Sie am liebsten?Rivella oder Milch.

Was essen Sie gerne?Cordon bleu mit Pommes frites und Gemüse.

Können Sie das auch selbstzubereiten?Ja, das habe ich auch schon gekocht. Aber lieber backe ich.

Was sind Ihre Spezialitäten?Zopf, Gugelhopf oder Schwarzwäldertorte.

Inwiefern achten Sie als Sportler auf die Ernährung?Ich glaube, ich werde vor allem schauen müssen, wenn ich einmal aufgehört habe zu schwingen. (lacht und deutet auf den Bauch) Jetzt versuche ich einfach, mich ausgewogen und gesund zu ernähren. Und in derWoche vor einem Wettkampf verzichte ich auf Wurstwaren – weil diese relativ schwer aufliegen.

Womit bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt?Ich arbeite seit 20 Jahren bei der Post, bin Teamleader in Uznach.

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?Das Eidgenössische 1989 in Stans. Nachdem ich kurz vorher meinen ersten Jungschwingertag bestritten hatte, war mein Interesse so richtig geweckt. Zudem war das Fest turbulent mit dem überraschenden Sieg von Adrian Käser über Favorit Geni Hasler.

Wie sind Sie zum Schwingsport gekommen?Durch meinen Vater Arnold und meinen Onkel Hans (Vater von Kranzschwinger Dominik Oertig; Red.). Ich begleitete sie oft ins Training. Irgendwann begannen wir Knaben im Ort mittwochnachmittags zu schwingen – bei einem Kollegen, der im Stall einen Ring eingerichtet hatte. 1997 in Uznach absolvierte ich mein erstes St. Galler Kantonalschwingfest. Es war zugleich das letzte Fest meines Vaters.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?Die sechs Eidgenössischen bleiben natürlich unvergesslich, ebenso das Unspunnenfest 2006, mein erster Kranzgewinn 1999 am NOS in Hinwil oder mein Sieg am Rapperswiler Verbandsschwingfest 2008 in Schänis.

Und welches war die grösste Enttäuschung?2015 fand unser Verbandsschwingfest in meinem Wohnort Goldingen statt. Ausgerechnet da riss ich mir das Kreuzband. Es passierte im Kampf gegen den späteren Sieger Daniel Bösch. Ich war gut drauf, wurde dann zu frech und verdrehte mir nach einem Konter das Knie. Das war bitter, zumal ich mich schon im Aufbau für Estavayer befand und dann fast ein Jahr pausieren musste. Da stellte ich mir ernsthaft die Frage, ob ich zurücktreten soll.

Wieso machten Sie weiter?Weil ich nicht so aufhören wollte. Aber ich bin seither nicht mehr ganz derselbe. In gewissen Situationen bin ich irgendwie gehemmt. Vielleicht liegt das aber auch am Alter. (schmunzelt)

«Seit dem Kreuzbandriss bin ich nicht mehr ganz derselbe.»

Adrian Oertig

Sie sind nun 36-jährig. Ist der Rücktritt erneut ein Thema?Nach der langen Verletzungspause setzte ich mir drei Ziele: das NOS 2016 in Wattwil, Estavayer und das nun anstehende St. Galler Kantonalschwingfest in unserem Verbandsgebiet. Letzteres wird das letzte grosse Highlight meiner Karriere sein.

Mit welchen Erwartungen nehmen Sie das St. Galler Kantonalschwingfest in der Eishalle in Rapperswil-Jona in Angriff?Nochmals einen Kranz zu gewinnen, wäre schön (dieser bleibt den besten 15 bis 18 Prozent der gut 200 Teilnehmer vorbehalten). Vor allem aber möchte ich dieses Fest geniessen.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?Nicht lange. Ich will nicht noch früher aufstehen müssen. (lacht)

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?Mit einem Olympiateilnehmer – um den Einmarsch an der Eröffnungsfeier erleben zu dürfen.

Welche Person bewundern Sie?Roger Federer. Er blieb trotz aller Erfolge stets auf dem Boden.

Wie sieht für Sie ein perfektes Wochenende aus?Vor zehn Jahren hätte ein Kranzgewinn oberste Priorität gehabt, heute ist es die Familie. Wir sind sehr aktiv, gerne in der Natur. Also sage ich: ausschlafen, mit der Familie wandern oder Velo fahren gehen und zum Abschluss ein gemütlicher Grillabend.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?Wir haben geplant, im Sommer mit den Velos rund um den Bodensee zu fahren.

Ihr Lieblingssong?Ich mag verschiedenste Musik, höre meist Radio.

Ihr Lieblingsfilm?Filme schaue ich eher selten. Ich favorisiere Sportübertragungen.

Ihr Lieblingsbuch?Ich lese meist nur Sachen, die mit Schwingen zu tun haben – die Schwingerzeitung, den Schlussgang oder das Schwingerlehrbuch.

Ihr Lebensmotto?Nie aufgeben!

Was ist Ihr grösstes Laster?Ich esse zu viel Süsses. Öffne ich eine Schokoladentafel, bleibt es selten bei einer Reihe.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?Ich bin genau. Bei mir gibt es keine halben Sachen.

Was macht Sie glücklich?Meine Familie.

Was ärgert Sie?Wenn ich mit Leuten zu tun habe, die es nicht so genau nehmen. (schmunzelt)

Was ist Ihnen wichtig im Leben?Gesundheit und Zufriedenheit.

Was machen Sie in zehn Jahren?Ich werde immer noch bei der Post arbeiten und mich sicher auch im Schwingsport engagieren.

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