Squash

Befreit, beflügelt, belastet

Ab Donnerstag bestreiten Andreas Dietzsch, Nicolas Müller und Dimitri Steinmann in Uster die Schweizer Einzel-Meisterschaft. Die drei Sihltaler wollen ganz verschiedene Dinge erreichen.

Vor dem wichtigsten nationalen Turnier: Der Langnauer Andreas Dietzsch, hier an den Playoffs gegen Yannick Wilhelmi.

Vor dem wichtigsten nationalen Turnier: Der Langnauer Andreas Dietzsch, hier an den Playoffs gegen Yannick Wilhelmi. Bild: skl

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Die Schulzeit ist zu Ende. Endlich. Am vergangenen Donnerstag war Andreas Dietzsch für die letzten mündlichen Maturaprüfungen aufgeboten. Ab sofort kann sich der 21-Jährige aus Langnau ganz dem Squashspielen widmen. «Jetzt gebe ich ein halbes Jahr Vollgas», freut er sich. «Ich habe nun Zeit, mehrmals am Tag zu trainieren und mich auszupowern. Und dann weiss ich, wozu mein Körper fähig ist.» Ein positives Prüfungsergebnis vorausgesetzt, ist das Schnuppern auf der Tour der Profis geplant.

Allerdings hat Andreas Dietzsch bislang erst 58 Weltranglistenpunkte auf seinem Konto. Als Nummer 346 der Welt ist es jedoch unmöglich, an internationalen Turnieren ins Teilnehmerfeld zu gelangen. Am letzten Wochenende wäre der Langnauer zu weiteren Zählern gekommen. Doch das Squash!t in Uster, ein Event der Kategorie Closed Satellite, fiel wegen zu wenig angemeldeter Spieler, die eine PSA-Lizenz gelöst haben, aus.

Die Setzung übertreffen

Bereits während der ganzen Saison musste der NLA-Spieler aus dem Squash-Club Sihltal Kompromisse eingehen. «Ich habe wenig Spiele bestritten und hauptsächlich gelernt», berichtet Dietzsch. Er musste Trainings absagen. Nach den schriftlichen Prüfungen vom Februar sei er allerdings wieder öfter im Court gestanden. «Ich bin jetzt so fit wie noch nie diese Saison.» Das kommt gerade recht: Denn mit der Schweizer Einzel-Meisterschaft steht ein Zielwettkampf an. «Es ist der grösste Event. An ihm messen sich alle Topspieler.»

«Ich bin jetzt so fit wie noch nie diese Saison.»Andreas Dietzsch

Andreas Dietzsch ist an Position 10 gesetzt. Sein Ziel: am Donnerstag mit einem Sieg über den Krienser Beni Fischer in die Viertelfinals vorstossen. Und dort sein Bestergebnis (den siebten Rang von 2018) übertreffen. In die Halbfinals zu kommen, das wird schwierig. Denn in der Runde der besten acht träfe er auf seinen an Nummer zwei gesetzten Clubkollegen Dimitri Steinmann. Gegen ihn hat er schon zweimal gewonnen – aber das letzte Mal liegt bereits acht Jahre zurück ...

Steinmanns neues Mindset

Dimitri Steinmann liebäugelt mit dem Titel. Seine Saison ist bislang fast optimal verlaufen, im World Ranking ist er auf Platz 70 vorgestossen. An der WM unterlag er zwar ebenfalls in der ersten Runde – aber gegen den Inder Saurav Ghosal, die Nummer 12 der Welt, ist das keine Schande. «Ich habe nicht schlecht gespielt. Aber ich bin auf dem Boden der Realität zurück», sagt die Nummer zwei aus dem Sihltal. Die Erkenntnis: «Ich brauche mehr Spiele gegen Top-20-Spieler.» Es gehe um die Intensität, darum, «dass du, wenn du einen Ball nicht so gut spielst, gleich unter Druck bist».

«Ich brauche mehr Spiele gegen Top-20-Spieler.»Dimitri Steinmann

Also reiste Steinmann von Chicago nach Paderborn weiter, um dort mit Simon Rösner und Raphael Kandra zu trainieren. Die Deutschen werden in der Weltrangliste auf den Positionen 5 und 16 geführt. An der Schweizer Einzel-Meisterschaft will der 21-Jährige wie im Vorjahr das Endspiel erreichen. Und dort Nicolas Müller ärgern. Dimitri Steinmann will aber nicht erst am Sonntag, sondern schon ab Donnerstag richtig loslegen. «Ich nehme jeden Match genau gleich. Das ist mein neues Mindset: dass ich nicht mehr herumplämple. Nur so bringen mir auch die frühen Spiele etwas.»

Mehr Zeit für Pancakes

Erster Titelfavorit ist aber Nicolas Müller. Der Spitzenspieler aus dem Squash-Club Sihltal hat die SEM zuletzt immer für sich entschieden: zwölfmal in Serie. Doch der ewige Sieger ist angeschlagen. Im Kopf. «Die letzten Monate haben nicht wirklich gepasst», sagt er. «Mir fehlte der Biss. Und wenn ich nicht 100 Prozent parat bin, dann verliere ich.» Nach dem frühen Aus an der WM Ende Februar «habe ich zuerst einmal fünf Tage gar nichts gemacht, mir Zeit für mich genommen, am Morgen Pancakes gegessen». Das habe ihm gutgetan. Auch im Sommer will er eine längere Pause einschalten.

Die Woche vor der Schweizer Meisterschaft verbrachte er bei den Eltern im Hirzel. Er ging sogar mit ihnen spazieren. «Das habe ich schon ewig nicht mehr gemacht», meint er. «Nach 10 oder 15 Jahren als Profi kannst du nicht immer gleich motiviert sein», sinniert der 29-Jährige. Und wenn man erfolgreich sei, kämen auch keine üblen Gedanken auf. «Aber das Reden mit anderen hat mir gutgetan.» Inzwischen gehe es ihm besser. «Vor zwei Wochen hätte es anders getönt.» Inzwischen sei er wieder motivierter am Üben. Also bereit für den nächsten Titel.

Erstellt: 12.03.2019, 15:01 Uhr

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