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Auf der Suche

Kleinere Teams haben mit Existenzproblemen zu kämpfen. Gestandene Equipen müssen sich dank Erfolgen und innovativen Ideen im Marketing weniger Sorgen machen.

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Die Hiobsbotschaft ereilte Luca Schätti vor einem Monat. Sein Wheeler Pro Team wird per Ende Saison aufgelöst. «Der Hauptsponsor bringt kein Geld mehr», nennt der 18-Jährige aus Horgen als Grund. Beim Namensgeber, dem taiwanesischen Radhersteller Wheeler, werde das Marketingbudget anderweitig eingesetzt. Dabei lautet der Leitspruch der Firma: «Der Rennsport ist das härteste Entwicklungslabor, um neue Produkte zu entwickeln, die höchsten Ansprüchen gerecht werden.»

Bis am 31. Dezember wird Schätti noch im schwarz-gelben Dress unterwegs sein. Dabei willer mit guten Resultaten auf sich aufmerksam machen.Die nächste Möglichkeit in Sachen Eigenwerbung bietet sich ihm, der eben an den Schweizer Meisterschaften in Andermatt bei den U19-Junioren die Bronzemedaille gewann, in drei Wochen an den Nachwuchs-Europameisterschaften. Dass diese in Graz ausgetragen werden, sollte ein gutes Omen für Luca Schätti sein. 2016 gewann er in der Steiermark EM-Silber bei den U-17-Junioren. Das zweite Schaufenster bietet sich ihm in der ersten Septemberhälfte an der Heim-WM in Lenzerheide.

30 000 Franken

Die Suche nach einem neuen Team gestaltet sich schwierig. Es sind mehr Fahrer auf dem Markt, als es Plätze in Mannschaften hat. Schätti hat zwar die Fühler ausgestreckt, «aber bei etlichen Equipen fehlt noch die Zusage des Hauptsponsors für die kommende Saison». Konkrete Verhandlungen werde er deshalb wohl erst nach den Weltmeisterschaften aufnehmen können, sagt der Velomechaniker, der im August sein drittes und letztes Lehrjahr als Velomechaniker in Angriff nimmt.

Die berufliche Ausbildung will der 18-Jährige abschliessen, dann aber auf die Karte Radsport setzen. Sollte er in keinem Team Unterschlupf finden, hat er einen Plan B. «Die Notlösung wäre, selbst Sponsoren zu suchen und als Einzelfahrer anzutreten.» Gegen 30 000 Franken müsste Schätti auftreiben, da er altersbedingt in die Kategorie U-23 aufsteigt, was die Kosten in die Höhe treibt, weil er dann auch die Weltcup-Rennen bestreiten möchte.

Vertragspoker

Bereits etabliert hat sich im Weltcup – und zwar in der Elite – Lars Forster. Der 24-Jährige aus Neuhaus fuhr am letzten Weltcup Ende Mai in Nove Mesto auf Platz 4, im UCI-Ranking ist er Zwölfter. Einen Kontrakt für nächste Saison hat er allerdings noch keinen unterschrieben. Anfang Mai sprach Forster zwar noch davon, bis 2020 ans BMC Mountainbike Racing Team gebunden zu sein. «Wir waren am verhandeln, der Vertrag kam aber nie.»

«Heute ist Kreativität gefragt.»
Thomas Frischknecht

Dank seiner guten Resultate in dieser Saison hat sich die Verhandlungsposition Forsters inzwischen massiv verbessert. «Ich habe einen laufenden Vertrag und will mich mit meinen Team BMC voll und ganz auf die kommenden Highlights konzentrieren. Alles Weitere folgt danach zu gegebener Zeit.» Der Olympiateilnehmer von Rio 2016 weilte zuletzt mit dem Mountainbike-Nationalteam in St. Moritz im Höhentrainingslager und reiste von dort direkt für den Weltcup nach Val di Sole (siehe Kasten). Vorderhand will sich Forster «auf die grossen Rennen konzentrieren». Neben dem Weltcup sind dies die Europameisterschaften im August in Glasgow sowie die Heim-WM im Folgemonat. Den neuen, besser dotierten Vertrag dürfte Lars Forster erst danach unterzeichnen.

Umsatteln

Weniger feudal ist die Situation für den in Jona wohnhaften Europameister Florian Vogel. Der Vertrag des 36-Jährigen mit dem Focus XC Team läuft Ende Jahr aus. «Es dürfte meine letzte Saison sein, ich werde auch nicht jünger», sagt Vogel. Möchte er weiter fahren, müsste er nach den Querelen im Winter um die Ausrüstung des Teams in einer anderen Equipe Unterschlupf finden. Um bei Focus zu bleiben, ging zu viel Geschirr in die Brüche.

Zukunftspläne hat der Weltranglistenachte mehrere. Schon länger ist er als Velocoach tätig, betreibt mit Martin Gujan eine Coaching-Plattform für Radsportler. «Als Trainer für einen Verband oder eine Sportschule tätig zu sein, würde mich reizen», sagt der Routinier. Als Teammanager sieht er sich nicht. «Da wäre ich wieder viel weg, einfach in einer anderen Rolle.»

Den Job als Teammanager übt seit fast zehn Jahren Thomas Frischknecht aus. Die Mountainbikelegende aus Feldbach lenkt die Geschicke des Scott-Sram MtB Racing Team um Olympiasieger und Weltmeister Nino Schurter. «Da wir mit guten Resultaten gesegnet sind, erhalten wir viel Medienpräsenz. Das macht uns für Sponsoren interessant», sagt Frischknecht. Dass die kleinen Player wie Wheeler einen schweren Stand haben, führt er auf die (zu) hohe Anzahl Hersteller auf dem Mountainbike-Markt zurück. Solche Firmen würden dann auf neue Sparten wie E-Bikes ausweichen. Entsprechende werden die Budgets der Mountainbike-Teams gekürzt.

Social Media pushen

Cross-Country ist weiterhin populär. In der Vermarktung müssten allerdings neue Wege gegangen werden, findet Frischknecht. Er denkt dabei an die Akquise von Sponsoren ausserhalb der Bike-Industrie. Dass die Weltcup-Serie mit Mercedes einen solchen Namenssponsor gefunden hat, wertet der 48-Jährige als Erfolg. Gefordert seien aber auch die Sportler und Teams: «Zu meiner Aktivzeit verschickte ich Newsletter noch per Fax. Heute muss man auf Social Media aktiv sein. Verlangt sind dort hochstehende Videoproduktionen von den Rennen.» Und solche Efforts können kleine Team nicht leisten.

Junge Fahrer wie Luca Schätti müssen gemäss Thomas Frischknecht nicht bloss Talent und Fleiss mitbringen. «Um eine Karriere erfolgreich lancieren zu können, ist viel Kreativität und Eigenverantwortung nötig – auch von den Eltern oder den Velo-clubs, welche die Sportler unterstützen.» Support erhält der Schweizer Nachwuchs auch vom Verband Swiss Cycling, der etwa mit Nationalteams an die Weltcups reist. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.07.2018, 15:32 Uhr

Short Race

Schurter auf dem Podest

Die Schweizer Mountainbiker Nino Schurter und Alessandra Keller schafften es zum Auftakt des Weltcup-Wochenendes im Val di Sole in Italien im Short- Track-Rennen beide aufs Podest. Schurter belegte hinter dem Niederländer Mathieu van der Poel Platz 2. Keller wurde bei den Frauen Dritte. Es gewann zum dritten Mal in Folge die Dänin Annika Langvad.
Nino Schurter war hinterher zufrieden, wenngleich er die Attacke von Mathieu van der Poel nicht hatte kontern können. Um sieben Sekunden musste sich der 32-Jährige Niederländer geschlagen geben. Doch der Bündner wollte im Hinblick auf das Weltcup-Rennen vom Sonntag nicht zu viele Kräfte lassen.
Ebenfalls ganz vorne mischte Florian Vogel mit. Der in Jona wohnhafte Aargauer wurde Fünfter. Lars Forster kam am Ende der Verfolgergruppe als Zehner ins Ziel.

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