Volleyball

Auf der Durchreise

Rutger Zoodsma will in der höchsten Liga ­Italiens ­spielen. Zunächst ist der 21-jährige Holländer aber nach Jona ­gekommen. Um zu lernen und Erfahrungen weiterzugeben – als Leader und Teamspieler in der Nationalliga A.

Rutger Zoodsma will die Nationalliga A als Sprungbrett für einen Wechsel nach Italien nutzen.

Rutger Zoodsma will die Nationalliga A als Sprungbrett für einen Wechsel nach Italien nutzen. Bild: Stefan Kleiser

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Er kommt mit dem Velo. «Es ist aber eher zu klein für mich», sagt Rutger Zoodsma. 2,06 Meter misst der neue Mitteangreifer von Volleyball Jona. Wir treffen uns vor der Turnhalle Rain: Hier übt die Nationalliga-A-Mannschaft über Mittag. Mit Trainieren wird es jedoch nichts. Der Holländer hat sich den Ringfinger der linken Hand gebrochen. In zwei Tagen sei das wieder in Ordnung, beruhigt Zoodsma. Dann zeigt er auf fast alle anderen Finger – auf jeden, der auch schon einmal etwas abbekam.

In der Halle steht er trotzdem, hilft mit, serviert vom Bock. Her­um­hocken ist nicht sein Ding. Die Atmosphäre ist locker, die Gruppe hat Spass. Zoodsma, erst we­nige Wochen hier, ist schon gut inte­griert. Der 21-Jährige wohnt mit Teamkollege Jonas Stadelmann und 1.-Liga-Spieler Marco Steinacher in einer Klub-WG. «Das sind tolle Jungs», sagt Zoodsma. «Ich wusste ja nichts, als ich hierherzog.» Als Erstes ­kamen die Formulare vom Amt. «Sie haben mir alles übersetzt.»

Der schnelle Aufstieg

Zusammen erreicht man mehr. Auch im Volleyball. «Ich bin ­gerne der Leader», sagt Rutger Zoodsma. «Aber ich brauche die anderen. Wir müssen Freunde sein und einander vertrauen ­können.» So, ist der Holländer ­sicher, gelingen die besseren Ergeb­nisse. Wobei Jona ja bereits ein richtiges Team sei mit den vielen Spielern, die sich schon so lange kennen, stellt Zoodsma fest. Es gefällt ihm am neuen Ort.

Jona soll dennoch nur eine Zwischenstation sein. Vor eineinhalb Wochen besuchte Zoodsma Freunde in Chiasso. Mit dem Auto des Trainers. «Ich will einmal in Italien spielen», sagt der Sportpsychologie-Student. Nicht nur für eine Partie, wie im Dezem­ber im Challenge-Cup mit Zwolle in Verona: Sondern für die ganze Saison, wie einst sein Vater. «Wir lebten dort. Italien fühlt sich an wie zu Hause.» Die Er­innerungen sind noch präsent, als wäre es gestern gewesen. ­Dabei war Rutger Zoodsma damals dreijährig.

Zoodsma hat spät mit Volleyball begonnen: mit 15. «Meine ­Eltern haben mich nie zum Volley­ball gezwungen», erinnert er sich. Er sei geschwommen, ­habe Musik gemacht, Fussball gespielt. Schliesslich überredete ein Freund ihn zum Probetraining. Und Rutger Zoodsma blieb. Was er an Volleyball mag? «Das Spiel als Team. Im Fussball darfst du den Ball so oft berühren, wie du willst. Im Volleyball einmal. Fussball ist Rennen. Volleyball ist Springen, Schlagen, Verteidigen.»

«Nehme überall etwas mit»

Dann ging es schnell. «Ich ­hatte halt einen bekannten Nach­namen», schmunzelt Zoodsma, «also schauten die Leute auf mich.» (Vater Ronald gewann 1992 mit Holland Silber an den Olympischen Spielen.) Schon nach einem Jahr verliess Rutger das Elternhaus im beschaulichen Sneek, um in Amsterdam zu spielen. «Anfangs war es hart. Aber ich hatte einen Traum. Und um ein Ziel zu erreichen, musst du immer auch etwas zurücklassen.» Weggehen: Rutger Zoodsma kennt es nicht anders. Nach weiteren zwei Jahren wech­selte er nach Groningen in die höchste Liga, 2015 nach Zwolle.

«Ich habe im Junioren-Natio­nal­team gespielt, im Cupfinal und im Meisterschaftsfinal», sagt er stolz. «Aber für die höchste ­Liga in Italien bin ich noch nicht gut ­genug.» Zoodsma zog dar­um ins Ausland, um noch besser zu werden. «Jeder Klub hat sein System. Von überall kannst du etwas mitnehmen. Jede Erfahrung bringt dich weiter.» In Jona ist einiges anders. Nur schon das Trainingspensum. In Holland waren es fünf bis sechs Stunden – pro Tag. Deshalb arbeitet Rutger Zoodsma auch noch in Ziegel­brücke im Postbüro. «Damit mir nicht langweilig wird.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.09.2016, 09:07 Uhr

Prognose

Noch viel Zeit

«Ich war überall der Grösste, aber immer der Jüngste», sagt Rutger Zoodsma. Sogar in der Fami­lie: Sein zwei Jahre älterer Bru­der misst 1,85 Meter, er 2,06 Meter. In Jona wird vom Mitteangreifer nun aber viel ­erwartet. «Ich will hier meine Erfahrung einbringen und auf dem Feld unverzichtbar sein», sagt der Holländer. Seine Aufgabe sei es, viel mit seinen Mitspielern zu reden und seine Erlebnisse im Volleyball zu teilen. «Er ist sicher der beste Ausländer, den wir bisher hatten», sagt Trainer Urs Winteler. Dass Zoodsma einmal in Italien in der obersten Liga spiele, sei durchaus realistisch. «Er ist ja erst 21.» Das beste Alter für einen Mitteangreifer ist 35. «Er hat also noch viel Zeit.» (skl)

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