Adliswil

Anzeichen eines Aufschwungs

Simone Wild blickt auf einen verkorksten Winter zurück. Im Weltcup habe sie sich selbst zu stark unter Druck gesetzt, sagt die Riesenslalom-Spezialistin aus Adliswil.

Im 1. Lauf der Riesenslalom-SM in Hoch-Ybrig war Simone Wild die Schnellste.

Im 1. Lauf der Riesenslalom-SM in Hoch-Ybrig war Simone Wild die Schnellste. Bild: Keystone

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Fast hätte Simone Wild ihre missglückte Saison mit einer Goldmedaille um den Hals beendet – aber nur fast. An den Schweizer Meisterschaften am vergangenen Wochenende in Hoch-Ybrig lag die Adliswilerin nach dem 1. Lauf des Riesenslaloms in Führung. In der Reprise schlichen sich bei ihr – wie so oft in diesem Winter – zeitraubende Fehler ein, die sie auf Platz 9 abrutschen liessen.

«Gegen Ende der Saison ist mir der eine oder andere gute Lauf gelungen. Ich habe das Gefühl, es geht wieder aufwärts», sagt Wild. Es fehle einfach noch an der Konstanz. «Dann fahre ich plötzlich wieder zu weite Wege.» Ähnlich verhielt es sich Anfang März, als die Adliswilerin im Europacup im slowakischen Jasna als Halbzeitführende noch auf Platz 5 zurückfiel. Es war ihr viertes Top-6-Ergebnis in Folge gewesen auf jener Stufe. In Berchtesgaden hatte sie es als Zweite sogar aufs Podest geschafft.

Zu schnell zurück

Im Weltcup musste die 25-Jährige heuer allerdings hartes Brot essen. In der Hälfte der sechs Rennen, zu denen sie startete, verpasste Wild die Qualifikation für den 2. Lauf. Einmal schied sie aus. Punkte gab es nur für die Ränge 27 in Courchevel und 23 in Kronplatz. Das Dutzend Punkte bedeutete im Riesenslalom-Weltcup den 45. Schlussrang und damit das schlechteste Ergebnis in ihrem vierten Winter auf höchster Stufe. Vor zwei Jahren war sie mit 151 Zählern 16. ge­wesen.

Den Ursprung hat dieses Tief in einem Trainingssturz im Herbst 2017. Seither plagte sich Simone Wild mit Knieproblemen herum. Die rechte Patellasehne schmerzte. Eine geregelte Saisonvorbereitung war nicht möglich. «Ich konnte erst spät auf die Ski, Trainingsläufe waren nur dosiert möglich. Trotzdem hatte ich Sölden im Kopf. Selbst der Start in Killington war eigentlich noch zu früh», blickt die Sihltalerin zurück. Sie weiss: Besser wäre es gewesen, sich mehr Zeit zu lassen, das Comeback in Ruhe vorzubereiten.

Knopf im Kopf

Doch Wild wollte unbedingt ihre Position in den Top 30 der Weltcup-Startliste verteidigen. «Ich setzte mich vor den Rennen viel zu stark unter Druck, hoffte immer auf einen Exploit.» Ein solcher war ihr Ende Januar 2018 auf der Lenzerheide gelungen, als sie mit Platz 4 im letzten ­Moment das Olympiaticket für Pyeongchang gesichert hatte. «Das kam damals auch völlig aus dem Nichts heraus», erklärt sie.

Lockerer konnte es die Adliswilerin im Europacup angehen. Prompt gelangen ihr dort immer bessere Leistungen. Kostete es sie Anfang Winter im Starthaus noch Überwindung, weil sie den Schmerz im Knie fast schon erwartete, löste sich dieser Knopf im Kopf irgendwann – genau weiss sie das selbst nicht mehr. «Aber es machte die Sache schon einfacher.» Mental sei es nämlich ganz schön anstrengend gewesen. «Im Weltcup zog es mich runter, im Europacup kamen zum Glück die Aufsteller.»

Freude am Skifahren

Auch die Schweizer Meisterschaften in Hoch-Ybrig seien ein Lichtblick gewesen für sie. «Das Skifahren bei tollen Bedingungen machte richtig Spass – auch wenn es nicht für eine Medaille reichte.» Und mit Camille Rast, welche den Riesenslalom gewann, möchte sie sowieso nicht tauschen. Die Walliserin zog sich nämlich tags darauf im Slalom, den Wild als Achte beendete, einen Kreuz- und Innenbandriss zu.

Ganz zu Ende ist die Saison für Simone Wild noch nicht. Anfang April stehen in Malbun und auf dem Corvatsch noch FIS-Rennen auf dem Programm. Wegen der Systemumstellung – Ergebnisse im Welt- und Europacup werden ab diesem Sommer höher gewichtet – liegt für die Adliswilerin kaum eine Verbesserung drin.

Trotzdem blickt die Aufsteigerin der Saison 2016/17 positiv in die Zukunft. Die Freude am Skifahren sei ihr nämlich nicht abhandengekommen. Die Selektionen von Swiss-Ski finden zwar erst Ende April statt, Wild rechnet aber damit, vom A- ins B-Kader abgestuft zu werden. «Wenn man gut fährt, bekommt man aber auch so eine Chance», weiss die 25-Jährige, die ihr Lachen wiedergefunden hat.

Erstellt: 27.03.2019, 08:50 Uhr

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