Leichtathletik

Angriff auf den eigenen Rekord

Fabi­enne Schlumpf von der TG Hütten geht am Donnerstagabend beim Diamond-League-Meeting in Oslo erneut auf Rekordjagd. Die Steeple-Spezialistin hat einen bemerkenswerten Aufstieg hinter sich. Das macht Appetit auf mehr.

Disziplinenwechsel? Gut möglich, dass Fabienne Schlumpf bei Olympia 2020 im Marathon statt – wie in Rio – über 3000 m Steeple an den Start geht.

Disziplinenwechsel? Gut möglich, dass Fabienne Schlumpf bei Olympia 2020 im Marathon statt – wie in Rio – über 3000 m Steeple an den Start geht. Bild: Keystone

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Fabienne Schlumpf beeindruckt seit einem Jahr konstant mit guten Resultaten. Am vergangenen Wochenende gelang ihr sogar ein Doppelschlag. Am Freitagabend senkte sie ihren Schweizer Rekord über 3000 m Steeple im französischen Belfort auf 9:26,86 Minuten, und am Sonntag gewann sie als erst vierte Schwei­zerin den Frauenlauf in Bern. «Meine Saison ist auf die Weltmeisterschaften in London ausgerichtet. Ich hoffe schon, dass ich bis im August meinen Rekord nochmals verbessern kann», sagt die 26-Jährige, die in Oetwil am See aufgewachsen ist.

Die Organisatoren in Oslo offerieren ihr eine günstige Gelegenheit. Die starken Afrikanerinnen fehlen, die um die 9 Minuten laufen. Gemäss Meldeliste bewegt sich Schlumpf leistungsmässig im Mittelfeld. Die grossgewachsene Läuferin will ihren Schwung in das auf sie zugeschnittene Feld mitnehmen. «Ich will einen Rekord setzen, der dann auch einige Jahre Bestand hat», fügt sie – nicht nur mit Blick auf Oslo – schmunzelnd hinzu.

Der Marathon lockt

Damit tönt Schlumpf an, dass ­ihre Tage als Steeple-Läuferin schon bald gezählt sein könnten. Bei ihrem Potenzial lockt die prestigeträchtige Marathon­strecke – seit dem Frühjahr 2017 ist die Athletin der Trainings­gemeinschaft (TG) Hütten auch Schweizer Rekordhalterin über 10 km auf der Strasse (32:07) und im Halbmarathon (1:10:17).

«Bis zur EM 2018 in Berlin ­bleibe ich Steeple-Läuferin», stellt Schlumpf klar. Der Grund ist einleuchtend. «In Berlin strebe ich eine Medaille an. Der Steeple-Lauf ist meine Hauptdisziplin; deshalb bedeutet mir der Rekord über diese Distanz auch am meisten.» Wie es danach weitergeht, ist offen. Aber der Marathon an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio sei bestimmt eine Option.

Erstmals Höhentraining

Der Startschuss zu ihrem Steigerungslauf erfolgte an den Olympischen Spielen in Rio. Mit einem Rekordlauf (9:30,54) stiess Schlumpf in den Final vor. Die Zürcherin und ihr Trainer und Lebenspartner Michael ­Rüegg waren nach einem sportlichen Zwischentief im Jahr 2015 («Die Batterien waren leer. ‹Mach mal Pause›, sagte mein Körper») wieder auf Kurs.

Der Flow bricht nicht ab. Schlumpf wird schneller und schneller – mit oder ohne Hindernisse. Das Jahr nach Olympia nutzt ­Rüegg, der die Trainingspläne schreibt, um erstmals mit dem Höhentraining zu pröbeln. «Wir haben bewusst zugewartet, damit wir nach ein paar Jahren Spitzensport immer noch neue Reize setzen können», erklärt Schlumpf. Drei der vier Blöcke zu je drei Wochen hat sie mit dem Höhenzimmer in Magg­lin­gen sowie den Trainingslagern in Südafrika und St. Moritz bereits hinter sich. Wie sich dieses Training tatsächlich auswirkt, weiss das Duo noch nicht genau. Den Rekord in Belfort lief Schlumpf gleich einen Tag nach der Ab­reise aus dem Engadin. Für die Weltmeisterschaften in London wird ein solches Szenario nicht möglich sein.

Verletzungsfrei und nie krank

Einen weiteren Grund für die Hausse ortet Schlumpf in der Reduktion ihres Arbeitspensums. Der eine Tag auf der Einwohnergemeinde Wetzikon bietet eine willkommene Abwechslung, im Prinzip ist sie Profi. «Und ich profi­tiere von meiner robusten Konstitution», betont die schlaksige Läuferin. «Ich bin verletzungsfrei und nie krank.»

Der Lohn für ihre Leistungen schlägt sich unter anderem in Einladungen zu den Diamond-League-Meetings nieder. Anfang Juli wird Fabi­enne Schlumpf auch in Paris starten. Nun steht aber Oslo im Vordergrund, wo auch die schweizweit bekann­teren Kariem Hussein und ­Nicole Büchler starten werden. Mit einem weiteren Rekordlauf ­würde die Olympia-Finalistin dem Ex-Europameister und der Olympia-Sechsten auch diese Woche in Sachen Aufmerksamkeit den Rang ablaufen. (mst/sda)

Erstellt: 14.06.2017, 16:51 Uhr

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