Wasserball

An welchem Ende der Skala?

Mal Weltklasse, mal wie Anfänger: So breit war die Leistungsspanne des Horgner NLA-Teams in dieser Saison. Im Playoff ist deshalb ab Donnerstag jedes Ergebnis möglich.

Horgens Goalie Luka Petricevic soll mit seiner Routine Ruhe ins junge Team bringen.

Horgens Goalie Luka Petricevic soll mit seiner Routine Ruhe ins junge Team bringen. Bild: André Springer

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Ganz still sassen die Wasserballer nach der Begegnung in der Kabine. «Alle haben dem Trainer zugehört, er hat uns zusammengeschissen», erzählt Teamcaptain Petar Bjelajac. «Da kannst du als Spieler nichts sagen, nach so einer Leistung.» Es war am 7. Juni, Horgen hatte gerade das Heimspiel gegen Basel verloren, «eine Begegnung, von der du denkst, sie sei ein Selbstläufer», wie Bjelajac zugibt. Es hagelte Kritik, vieles wurde infrage gestellt – auch die guten Ergebnisse vom Mai.

«Das ist Sport: Manchmal kommt es anders, als man denkt», erklärt Lukasz Kieloch, seit dem Herbst 2014 Trainer der Mannschaft. «Aber in beide Richtungen.» Neun Tage nach der Pleite gegen Basel bezwangen die Horgner den aktuellen Titelträger Lugano – trotz 7:19 Strafen und obwohl fünf Spieler wegen drei persönlicher Fouls des Beckens verwiesen wurden. «Wir haben viel trainiert und sind fit. Wenn wir alles mitnehmen in die Spiele, können wir jedes Team schlagen», ist Lukasz Kieloch überzeugt.

Nicht immer geil drauf

Der Erfolg in Lugano sei kein Zufall gewesen, «sondern das Produkt einer guten Mannschaftsleistung», analysiert Petar Bjelajac. Die Horgner hatten die Tessiner, bei denen drei frühere italienische Nationalspieler Schlüsselpositionen besetzen, bereits einen Monat vorher geschlagen. «Aber unseren jungen Spielern steigt das teilweise in den Kopf», kritisiert Bjelajac. «Mal spielen wir Weltklasse, dann wie wenn wir vorher noch nie Wasserball gespielt hätten. Von daher hat uns die Niederlage gegen Basel gutgetan.» Damit die Spieler sehen, was passiert, wenn die Einstellung nicht stimmt.

«Wir haben ­zusammen ­gegessen, gelacht und gespielt. Das schweisst ­zusammen.»Lukasz Kieloch, Trainer des SC Horgen

Weil nach der letzten Saison drei Routiniers zurücktraten, müssen im SCH nun auch junge Spieler mit wenig NLA-Erfahrung Leistungsträger sein. «Unsere Ergebnisse sind normal für ein junges Team, wie wir es im Moment haben», findet Luka Petricevic. «Es braucht Zeit, um konstant zu sein.» Der Torhüter, mit 34 Jahren ältester Spieler im Kader, erinnert sich: «Bei meiner Generation vor 15 Jahren in Sibenik war es genauso. Wir haben starke Gegner bezwungen und gegen schwächere Mannschaften verloren.»

«Jeder Spieler ist weiter als vor einem Jahr», urteilt Lukasz Kieloch vor Beginn der Playoff-Viertelfinal-Serie, die ab Donnerstag ausgetragen wird: «Aber als Team haben wir weniger Playoff-Erfahrung als 2018.» Der Coach weiss: «Wir werden nicht alle Playoff-Spiele geil spielen.» Aber sein Team sei «mutig und motiviert». Im April holte es sich in Berlin zusätzliche Spielpraxis im Hinblick auf die zweite Phase der Meisterschaft. «Wir haben zusammen gegessen, zusammen gelacht und zusammen gespielt. Das schweisst zusammen.»

Licht am Ende des Tunnels

«Lugano ist das Ergebnis davon, was in den letzten drei, vier Monaten passiert ist», erklärt Lukasz Kieloch. «Unser Ziel ist es, den Playoff-Halbfinal zu erreichen und nochmals gegen Lugano zu spielen.» Die Siege gegen die Tessiner seien aber kein Vorteil, «bloss innerlich». Denn die Südschweizer würde das bloss noch mehr motivieren. «Aber wir haben unsere Möglichkeiten. Das Licht im Tunnel wird klarer. Wir müssen einfach stabiler und konsequenter werden und jedes Spiel so beginnen wie in Lugano.»

Luka Petricevic meint, das Ergebnis hänge davon ab, ob es Verletzungen gebe, wie sich die beiden Spielsperren gegen den früheren deutschen Nationalspieler Moritz Oehler auswirkten sowie auch von der Vorbereitung auf die Playoff-Begegnungen. Aber eines steht für den Goalie fest: «Wenn wir dieses Jahr keinen Erfolg haben, dann haben wir bestimmt eine gute Gruppe an Spielern, die in naher Zukunft mit Horgen wieder Schweizer Meister werden können.»

Erstellt: 26.06.2019, 13:43 Uhr

Zuerst gegen Schaffhausen

Zum Playoff-Auftakt der National League A treffen die Horgner Wasserballer ab Donnerstag in den Viertelfinals auf Schaffhausen. Dasjenige Team, das zuerst zwei Begegnungen gewonnen hat, rückt in den Halbfinal gegen Lugano auf, der dann im Modus best of five ausgetragen wird. Es wäre eine grosse Überraschung, würde nicht Horgen die Runde der besten vier Mannschaften erreichen. Zu limitiert scheint der Gegner vom Rheinfall, bei dem das Spiel fast ausschliesslich auf die zwei ausländischen Verstärkungsspieler Gabor Turzai und Silij Nemanja ausgelegt ist. Vorgestern Dienstag warfen die beiden sieben Treffer beim entscheidenden 10:9-Heimsieg gegen Basel, der die Playoff-Qualifikation sicherte. Die drei Direktduelle in der Qualifikation gewann alle Horgen, und zwar mit 14:10, 13:11 und 13:10.

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