Ein Jahr nach Rio

Ablenkung im Blumenladen

Aus gesundheitlichen Gründen ist die Fortsetzung der Karriere von Sascia Kraus unsicher. Als Floristin kommt die Synchronschwimmerin aus Thalwil, die in Rio den Final knapp verpasst hatte, auf andere Gedanken.

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Ihre Erinnerungen an die Olympischen Spiele sind Sascia Kraus sehr präsent. Zumal sie gerade ein Fotoalbum aus den Tagen in Rio de Janeiro am Zusammenstellen ist. Irgendwie muss sich die 24-Jährige ja beschäftigen. Ihr momentaner Alltag unterscheidet sich von jenem vor einem Jahr nämlich eklatant. In den zehn Monaten vor ihrem Olympiadebüt trainierte die Thalwilerin rund 40 Stunden pro Woche – vor allem im Wasser, aber auch im Kraftraum, im Ballettsaal oder im Mentalbereich.

Aktuell arbeitet Kraus an zwei Vor- und zwei Nachmittagen pro Woche wieder als Floristin. Sportlich könne sie ausser etwas Krafttraining für den Oberkörper eigentlich nichts machen, sagt die Olympionikin. Sie leidet noch immer unter den Folgen eines Misstritts vom November. Damals hatte sie sich am rechten Fuss verletzt. Wie sich erst jetzt herausgestellt hat, erlitt sie neben Bänderverletzungen auch eine Knochenabsplitterung im Sprunggelenk. Eine äusserst schmerzhafte Angelegenheit, die auch auf die Psyche schlägt.

Operation Ende August

Ein-, zweimal pro Woche geht Kraus mit einem Pullbuoy zwischen den Beinen schwimmen. Mit der Auftriebhilfe kann sie ihr Fussgelenk entlasten. Letzte Woche nahm sie an der Zürcher Seeüberquerung teil. «Das wollte ich mir bei diesem Wetter nicht entgehen lassen, so schluckte ich halt ein Schmerzmittel», verrät sie. Mit Velofahren habe sie es auch versucht. «Das tat aber zu fest weh.»

«Das wollte ich mir bei diesem Wetter nicht entgehen lassen, so schluckte ich halt ein Schmerzmittel.»Sascia Kraus

Im Alltag trägt sie den Fuss schonungshalber in einer Schiene. «Ende Augut muss ich mich einer Operation unterziehen. um die Stabilität des Gelenks wieder herzustellen», sagt die Thalwilerin, die nun bei einem Spezialisten an der Hirslanden-Klinik in Behandlung ist. Nach der zweimonatigen Rehabilitation wird sie entscheiden, ob sie ihre Karriere fortsetzt oder zurücktritt. Das Synchronschwimmen fehlt ihr momentan besonders stark. Vor zwei Wochen wurde das von ihrem Verein Limmat-Nixen Zürich organisierte Swiss Open zum 42. Mal ausgetragen. Und an diesem Wochenende gehen in Budapest die Weltmeisterschaften über die Bühne. «Da sind so viele Schwimmerinnen am Start, die ich gut kenne. Und ich kann nicht dabei sein. Das ist schon hart», macht Kraus aus ihrem Herzen keine Mördergrube.

Die Wucht der Zuschauer

Viel Positives hat die 24-Jährige dank des Sports schon erlebt. Besonders gerne denkt die Olympiateilnehmerin an die Tage mit Duettpartnerin Sophie Giger in Rio zurück. «Als wir am zweiten Wettkampftag auf die Bühne raus gingen und diese Wucht der Zuschauer spürten, das war phänomenal.» Trotz einer neuen Bestnote in der technischen Kür von 83,3366 Punkten, was einer Steigerung um fast 1,4 Zähler entsprach, verpasste das Schweizer Duo den Einzug in den Final des besten Dutzends und musste sich mit Rang 14 begnügen. Fast ein Jahr lang hatten die beiden Zürcherinnen das Synchronschwimmen professionell betrieben. Die in dieser Zeit gelungene Verbesserung bezeichnet Kraus als «einen schönen Lohn».

«Wahrscheinlich komme ich nicht um eine Operation herum.»Sascia Kraus

An den Olympischen Spielen speziell genossen habe sie die Atmosphäre. «Toll war auch, dass wir nach unserem Einsatz noch andere Wettkämpfe besuchen konnten.» So habe sie etwa bis um 2 Uhr in der Nacht vor toller Kulisse an der Copacabana Beachvolleyball geschaut.

Als Schwimmlehrerin

Irgendwann will Sascia Kraus nochmals nach Brasilien reisen, die Wasserfälle von Iguaçu besuchen. «Als Floristin interessieren mich natürlich auch die tropischen Pflanzen im Urwald.» Auf Weltreise befindet sich momentan ihre ehemalige Partnerin Sophie Giger. «Wir stehen in Kontakt, sofern sie Internetzugang hat», schmunzelt Kraus.

Ihre Liebe zum Synchronschwimmen will die Thalwilerin weitergeben. Bei den Limmat-Nixen unterrichtet sie «die Kleinen». Daneben ist die 24-Jährige bei Activ Swim in Zollikon als Schwimmlehrerin für Erwachsene im Einsatz. Ob sie selbst je wieder wettkampfmässig ins Becken steigen wird, hängt von der Gesundheit ab. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.07.2017, 13:24 Uhr

(Bild: Keystone )

Serie

Ein Jahr nach Rio (1/5)

Wir haben Olympiateilnehmern aus der Region ein Jahr nach der Olympiade in Rio den Puls genommen. Was waren die Highlights? Wie geht es den Sportlern heute?

Adeus Rio

Auf Portugiesisch gelernt habe ich . . .
. . . gar nichts. Wir hatten kaum Kontakt mit Einheimischen.

Die speziellste Begegnung in Rio hatte ich . . .
. . . mit Stars wie Usain Bolt oder Michael Phelps im Athletendorf.

Mein persönliches Olympia- Highlight war . . .
. . . die Teilnahme an sich, die ­tolle Atmosphäre und dass ich in einen Flow geriet.

Nochmals nach Rio reisen ­würde ich, weil . . .
. . . ich mehr vom Land sehen, die brasilianische Lebensfreude einatmen möchte. Während Olympia war es dafür viel zu hektisch.

In Tokio 2020 . . .
. . . sitze ich entweder vor dem Fernseher oder bin selbst dabei. Es ist eine tolle Stadt, ich war schon viermal wegen Wettkämpfen dort.

Synchronschwimmerin Sascia Kraus aus Thalwil belegte an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro im Duett mit Sophie Giger Rang 14.

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