Egg

Verein mit Treuebonus

Pfannenstiel machte sich mit seinem Aufstieg in die zweithöchste Unihockey-Liga auch am Stammtisch in Egg zum Thema. Um in der Nationalliga B zu bleiben, muss sich das Team steigern.

«Jeder kämpft für jeden, Fehler werden schnell verziehen.» Dominic Hottinger schätzt den guten Teamgeist bei Pfannenstiel.

«Jeder kämpft für jeden, Fehler werden schnell verziehen.» Dominic Hottinger schätzt den guten Teamgeist bei Pfannenstiel. Bild: Patrick Gutenberg

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Wenn Dominic Hottinger an Ostern 2017 zurückdenkt, dann immer noch mit einem leicht ungläubigen Lachen. «Da hat sich bestimmt die ganze Unihockey­schweiz gefragt: «Pfannenstiel? Wer ist das denn?», sagt der 25-Jährige vergnügt. Der UHC Pfannenstiel, entstanden durch die Fusion der Clubs aus Egg, Maur und Oetwil am See, wird im kommenden Jahr 20 Jahre alt, hat inzwischen rund 380 Vereinsmitglieder, 20 Teams, spielte mit dem Fanionteam der Männer 2008 noch in der 3. Liga und stieg dann vor zwei Jahren völlig unerwartet in die Nationalliga B (NLB) auf.

Als Marco Carigiet damals im entscheidenden fünften Spiel gegen das höherklassige Schüpbach in der Verlängerung den Siegtreffer für Pfannenstiel schoss, war das Erstaunen auch in den eigenen Reihen gross. Teammanager Christof Maurer sagt: «Die NLB existierte nicht einmal in meinen Träumen, die 1. Liga war für mich immer das höchste der Gefühle.» Und auch Hottinger hätte nie gedacht, «dass ich mit Pfanni einmal in der NLB spielen würde».

Plausch oder Vollgas?

Es ist ein paar Jahre her, seit das erste Herrenteam vor der Frage stand «Plausch oder Vollgas?». Letzteres wurde schliesslich zur Direktive und machte sich bezahlt. Pfannenstiel stieg in die 1. Liga auf und konnte trotz des nah gelegenen NLA-Vereins Uster viele seiner talentierten Junioren halten. «Mehrere Spieler haben inzwischen über 200 Spiele für Pfannenstiel bestritten», sagt Maurer. Auch der einstige D-Junior Dominic Hottinger ist dem Verein treu geblieben. Einen Wechsel habe er nie angestrebt, sagt er, nur in der U-21 sei Uster kurz zum Thema geworden.

Hottinger entschied sich für Pfannenstiel, weil ihm der Verein zu sehr am Herzen lag, als dass er ihn hätte verlassen wollen. «Hier kann ich mit meinen Freunden auf gutem Niveau Unihockey spielen. Was will ich sportlich mehr?», fragt er und kennt die Antwort: nichts. Geschlossenheit, Gemeinsinn, Opferbereitschaft und ein eingespieltes Kollektiv: Darauf baute schon die Überraschungsmannschaft von 2017. «Jeder kämpft für jeden, Fehler werden schnell verziehen.» Hottinger schätzt das. Auch jetzt, in Zeiten, in welchen der Glücksrausch vergangener Tage verflogen ist und der NLB-Alltag wenig Siegesjubel, dafür viel Kampf und Krampf für das Team bereithält.

In der vergangenen Premierensaison landete Pfannenstiel erwartungsgemäss in den Playouts, rettete sich dort aber gegen Ligakonkurrent Grünenmatt überraschend schnell aus dem Abstiegssumpf. Auch in der aktuellen Qualifikation füllt sich Pfannenstiels Punktekonto nur spärlich. Zwei Siege stehen acht Niederlagen gegenüber, gemeinsam mit Fribourg und Grünenmatt zieren die Zürcher das Tabellenende. «Uns fehlt die Kaltblütigkeit. Wir halten zwar mit allen Teams gut mit, punkten tun aber meist die anderen», stellt Dominic Hottinger fest. Christof Maurer sieht es ähnlich: «Spielerisch sind wir in der NLB angekommen. Wir haben Spitzenteams wie Basel oder Sarnen an den Rand einer Niederlage gebracht und sind am Ende trotzdem leer ausgegangen.» Es fehle an Geradlinigkeit und Treffsicherheit, findet der Teammanager.

Hexenkessel Kirchwies

Center Dominic Hottinger, von dem Maurer sagt, er sei ein guter Organisator und klarer Kommunikator, spart auch nicht mit persönlicher Kritik. «Ich muss in der Offensive noch mehr kreieren.» Das wünscht sich Maurer auch von Hottingers Teamkollegen, deren Auftritte seiner Meinung nach noch zu wenig konstant und solide sind. «Noch sind nicht alle auf ihrem maximalen Leistungsniveau angelangt. Das ist aber nötig, wenn wir in der Nationalliga B Siege einfahren wollen.» Er ist überzeugt, dass einige der acht kassierten Niederlagen auch Kopfsache waren: «Der ultimative Wille ist bei einigen womöglich erst in der heissen Phase abrufbar.»

Was verwundert: Obwohl in der NLB bisher keine sportlichen Höhenflüge mehr stattfanden, ist die Kirchwies-Halle nach wie vor ein Hexenkessel. Ligakonkurrent Basel Regio schreibt auf seiner Homepage nach der Partie in Egg vom «wohl lautstärksten Publikum der gesamten NLB». Im Schnitt besuchen 221 Zuschauerinnen und Zuschauer die Spiele Pfannenstiels. Das sind fast so viele, wie in Kloten die NLA-Spiele der Jets verfolgen. Allerdings sind die Unterländer der schwächste Publikumsmagnet der Liga.

Ein Verein, der bewegt

Die Aufstiegsspiele haben die Menschen in den Dörfern am Pfannenstiel bewegt. «Es sind viele in der Halle aufgetaucht, die vorher mit Unihockey nichts am Hut hatten», erzählt Hottinger. In Egg brach damals richtiggehend eine Unihockey-Euphorie aus, Autogrammkarten gingen weg wie warme Weggli. Maurer erinnert sich schmunzelnd: «Mein Vater hat sich damals beklagt, dass er nun sogar am Stammtisch über Unihockey reden müsse.» Die Leute seien stolz darauf, einen Nationalligaverein in der Gegend zu haben. «Sie stehen hinter uns und verstehen unsere Vereinsphilosophie», bemerkt Maurer. Und: «Schade, dass wir es ihnen gerade nicht mit guten Resultaten danken können.»

Dass der UHC Pfannenstiel im richtigen Moment parat sein kann, hat er bereits mehrfach bewiesen. Doch Maurer will sich heuer punkto Ligaerhalt nicht auf diese Qualität verlassen. «Wir sollten es nicht ausreizen und möglichst rasch mit dem Gewinnen beginnen. Mögliche Playout-Gegner sind jetzt nämlich gewarnt.» «Pfanni» hat sich inzwischen einen Namen gemacht.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.11.2018, 17:57 Uhr

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