Rudern

«Nahrung ist mein Benzin»

Aufgewachsen ist Ladina Meier in Thalwil. 2020 will sie an den Olympischen Spielen in Tokio für Deutschland rudern. Dafür trinkt die 27-Jährige Süsslupinenkaffee.

Kaffee trinkt Ladina Meier nur selten. Beim Interview im Schützenhaus Au macht sie eine Ausnahme.

Kaffee trinkt Ladina Meier nur selten. Beim Interview im Schützenhaus Au macht sie eine Ausnahme. Bild: Michael Trost

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Sie haben einen Kaffee bestellt. Weshalb?
Ladina Meier: Ich trinke eher selten Kaffee, vor einem Wettkampf möglichst wenig. Dann wirkt die Koffeintablette, die ich nehme, besser. Shots mag ich nicht. Eine Alternative im Alltag ist Süsslupinenkaffee ohne Koffein, der ist auch basischer.

Welches ist Ihr Lieblings­getränk?
Selbstgemachter Eistee ohne Zucker aus Früchtetee oder Pfefferminz. Tee trinke ich am liebsten lauwarm oder kalt.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?
Salate mit möglichst farbigen Zutaten. Ich probiere gerne verschiedene Kombinationen.

Was bereiten Sie selbst zu?
Ich habe kein Standardding, probiere gerne Neues aus. Thai-Currys mag ich sehr. Meine Mutter brachte mir mal verschiedene Pasten dafür aus Asien mit. Sonst hole ich mir die Zutaten in einem Thai-Shop in Luzern, wo ich früher in einer WG lebte.

Inwiefern achten Sie als Sportlerin auf die Ernährung?
Die ist sehr zentral. Als Leichtgewicht muss ich auf das Gewicht achten. Für eine optimale Leistung spielt es eine Rolle, was ich zu mir nehme. Nahrungsmittel sind mein Benzin. Im Januar litt ich im Trainingslager unter einer schlimmen Magen-Darm-Geschichte, lag mit Schüttelfrost im Bett und hatte Bauchschmerzen. Nach meiner Heimkehr förderten Tests Unverträglichkeiten zutage. Jetzt darf ich weder Gluten, Weizen, Milcheiweiss noch Ei zu mir nehmen. Ich musste meine Ernährung völlig umstellen.

Müssen Sie sich sonst noch einschränken?
Nein, es gibt Athletinnen, die haben mehr Probleme mit dem Gewicht.

Womit bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt?
Aus einem bunten Strauss. Ich habe ein Teilzeitpensum bei der Vitality Stream GmbH in der Au. Dort leite ich Spinning Classes im Rudern oder Seminare für betriebliches Gesundheitsmanagement, bin für den Internetauftritt und das Marketing zuständig. Mein Chef hat zum Glück Verständnis für meine Absenzen, er betrieb einst selbst Leistungssport. Zudem verwalte ich schon länger Immobilien. Und zwischendurch mache ich als Primarlehrerin Stellvertretungen in Schulen. Unterstützung erhalte ich von meiner Mutter, einigen Sponsoren und meinem Verein in Deutschland, der Frankfurter Rudergesellschaft Germania. Die Kosten für eine Saison belaufen sich etwa auf 10 000 Franken.

Wie sind Sie zum Rudern gekommen?
Ich habe ganz vieles ausprobiert, spielte Tennis, kletterte, besuchte den Sommerplausch. Nachdem meine Mutter im Klubhaus des RC Thalwil ein Fest gefeiert hatte, meldete ich mich als 14-Jährige für einen Schulsportkurs an.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Es gibt viele schöne. Mich reizt es, meine eigenen Grenzen auszuloten. Dann schätze ich Teamspirit, wenn man sich gegenseitig antreibt.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Meine Karriere verläuft alles andere als normal. Ich hatte mit 18 eigentlich aufgehört. In Cham brauchten sie für einen Achter aber noch jemanden, so rutschte ich wieder rein. Dann waren wir auch im Zweier ohne schnell. Meine Partnerin hatte die Idee, international anzutreten. Das lief gut, bis sie ein Burn-out hatte. So war ich als Leichtgewicht allein, hatte keine adäquate Partnerin mehr. Ich kann es nicht leiden, wenn zwei in einem Boot ungleich stark sind.

Bis 2016 ruderten Sie mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust. Dann erfolgte der Wechsel nach Deutschland, in die Heimat Ihrer Mutter. Weshalb?
Ich gab Ende 2016 meinen zweiten Rücktritt, weil die Vorgabe von Swiss Rowing, von Mittwoch bis Sonntag am Sarnersee zu trainieren, für mich nicht praktikabel war. Dann erhielt ich eine Anfrage aus Deutschland. Bis diesen Winter arbeitete ich sehr viel und trainierte wenig. Entsprechend überrascht war ich, dass ich ins Olympiaboot getestet wurde.

Am ersten Weltcup in Belgrad setzten Sie mit Platz 3 im Leichtgewichts-Einer ein Ausrufezeichen. Am zweiten in Linz mussten Sie sich zusammen mit Leonie Pless im Leichtgewichts-Doppelzweier mit dem letzten Platz im B-Final begnügen. Liegt die Wahrheit in der Mitte?
Im Einer weiss ich, dass es funktioniert. Den Doppelzweier muss man zusammen trainieren, das konnten wir aber nur an zwei Weekends. Zudem ist die Konkurrenz im Doppelzweier, als einziger olympischer Bootsklasse für Leichtgewichte, viel grösser. Unser Auftritt in Linz war nicht genügend.

In welcher Bootsklasse bestreiten Sie den dritten Weltcup auf dem Rotsee?
Wir probieren nochmals etwas anderes und starten im Leichtgewichts-Doppelvierer.

Und wie lautet die Zielsetzung?
Das ist schwierig einschätzbar, es ist meine Premiere. Das Ziel ist eine Medaille.

Ist für Sie eine Olympiateilnahme 2020 in Tokio ein Thema?
Die Zielsetzung von jedem Ruderer muss Olympia sein. Ich freue mich auf nächste Saison, wenn ich richtig vorbereitet sein werde. Dann sollte noch mehr möglich sein. Ich mache den Sport gern, möchte international starten. In den Schweizer Strukturen ist das für mich nicht möglich, in Deutschland hingegen schon.

«Ich musste meine Ernährung völlig umstellen.»Ladina Meier

Weshalb können Sie in Frankfurt dezentral trainieren?
Auch in Deutschland ist eigentlich alles zentralisiert – ausser bei den Leichtgewichten. Dort sind viele Athletinnen bei der Polizei in ihrem Bundesland angestellt. Deshalb macht es Sinn, dass sie auch dort trainieren. Weil wir in Frankfurt zu dritt sind, ist unser Klubtrainer Ralf Hollmann auch gleich der Nationaltrainer.

In der Schweiz arbeiten Sie zudem mit Fabian Freimann zusammen.
Ich verliess den RC Cham, weil dort der Fokus auf den Breitensport gelegt wurde, und nahm ihn als Trainer nach Thalwil mit. Zwischen uns funktioniert es einfach gut.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
Ich gehe oft aus dem Haus, ohne vorher in den Spiegel geschaut zu haben. Mir ist das nicht so wichtig.

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Mit einem Mann, um seine Gedankengänge nachvollziehen zu können und auch einmal über so viel Power zu verfügen.

Wie sieht für Sie ein perfektes Wochenende aus?
Am liebsten mache ich etwas Sportliches mit meinen Freunden.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
Im Büro mit meinem Chef. Nach der WM im September in Bulgarien habe ich zwei Wochen trainingsfrei. Ich muss allerdings arbeiten. Weil ich sonst so oft weg bin, muss ich schauen, dass ich auf meine Stunden komme. Um richtig abschalten zu können, müsste ich mehr Sponsoren haben.

Ebenfalls ins deutsche Sportförderprogramm einzusteigen, ist keine Option?
Dazu müsste ich meinen Wohnsitz nach Deutschland verlegen. In der Schweiz bekommt man nur Förderungen, wenn man eine Swiss-Olympic-Karte besitzt.

Ihr Lieblingssong?
Mir gefallen Die Toten Hosen. Vor einem Wettkampf höre ich hingegen keine Musik, sondern jongliere. Im Training läuft kaum dieser Sound, das ist nicht jedermanns Geschmack und ich absolviere die Einheiten möglichst oft in der Gruppe.

Ihr Lieblingsfilm?
Ich mag den Film «21». Er handelt von einem Studenten, der durch Kartenzählen beim Black Jack Gewinne einstreicht.

Ihr Lieblingsbuch?
Von Oscar Wilde «The Impor­tance of Being Earnest».

Was ist Ihr grösstes Laster?
Süssigkeiten, vor allem Schokolade.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Ich bin immer zielorientiert und finde einen Weg, wie etwas geht. So habe ich schon viele Widerstände überwunden, man muss einfach verschiedene Optionen im Kopf haben.

Was macht Sie glücklich?
Ich bin es, tue ich doch den ganzen Tag etwas, das ich gerne mache – im Beruf und im Sport.

Was ärgert Sie?
Wenn mich am Morgen jemand volltextet. Dann brauche ich meine Ruhe.

Was machen Sie in zehn Jahren?
So weit in die Zukunft denke ich noch nicht. Vielleicht bin ich dann Mutter – wobei, ich habe noch nicht mal einen Freund. Es wird ein neuer Lebensabschnitt sein. Vielleicht kümmere ich mich dann um einige berufliche Dinge, die mich interessieren würden, die ich derzeit wegen des Sports zurückstelle. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.07.2018, 10:09 Uhr

Worum gehts?

Bis am Sonntag gelangt auf dem Rotsee der dritte und zugleich letzte Weltcup der Ruderer zur Austragung. Swiss Rowing entsendet zehn Boote an die Heim-Regatta. Mit Skiff-Weltmeisterin Jeannine Gmelin, dem Europameister im Leichtgewichts-Einer Michael Schmid sowie Roman Röösli und Nico Stahlberg im Doppelzweier sind die Medaillengewinner der ersten beiden Weltcups die Schweizer Zugpferde. (db)

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