Regensdorf

Jonas Raess läuft in ein neues Leben

Jonas Raess vom LC Regensdorf ist spät in die Saison eingestiegen. Dafür erreichte er über 1500 Meter eine neue persönliche Bestzeit. Dahinter verbirgt sich Überraschendes.

Jonas Raess trotzt den Widrigkeiten: hier dem Regen an den Schweizer Meisterschaften 2017, zuletzt einer Verletzung.

Jonas Raess trotzt den Widrigkeiten: hier dem Regen an den Schweizer Meisterschaften 2017, zuletzt einer Verletzung. Bild: Ulf Schiller/athletix.ch (Archiv)

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Einen solchen Saisonstart wünscht sich jeder. Jonas Raess setzte mit seinen 3:42,65 Minuten über 1500 Meter ein fettes Ausrufezeichen: Schweizer Saisonbestzeit, neue persönliche Rekordmarke. Umso erstaunlicher ist dieser Auftakt, weil der 25-Jährige seit dem Ende der vergangenen Saison verletzt ausgefallen war und im Winter die Cross-Europameisterschaften ebenso hatte streichen müssen wie mögliche Starts an Hallenmeetings. Auch im Training war der Langnauer in Diensten des LC Regensdorf lange stark eingeschränkt. Auswirkungen hat dies bis heute.

Raess sagt dazu: «Ich bin noch immer im Hintertreffen, die schnellen, spezifischen Einheiten fehlen noch.» Umso mehr freut er sich über den gelungenen Einstand. Er sagt aber auch: «Überrascht bin ich nicht.» Die vielversprechenden Trainingswerte in der jüngsten Vergangenheit hatten ihm einiges an Zuversicht verliehen.

Ein langer Weg zurück

In den neun Monaten zuvor war sein Selbstvertrauen arg strapaziert worden. Mit der Diagnose der Schmerzen, die Jonas Raess Ende August des vergangenen Jahres verspürte, begann alles: Sie rührten von einer Entzündung der Tibialissehne, dem sogenannten Läufer-Knie, her. Dessen Heilung entpuppte sich als langwieriger, energieraubender Prozess. Bis im Januar war an fast gar nichts Lauf-Adäquates zu denken. Einzig schwimmen konnte er schmerzfrei und ohne weitere Reizungen zu verursachen. Das war auch mental fordernd. «Ich habe mir schon Überlegungen in Richtung Triathlon gemacht», erzählt Raess mit einer Prise Galgenhumor. Nach dem Jahreswechsel ging es langsam aufwärts. Nun ergänzte der Crosstrainer das Trainingsprogramm. Und im Februar erfolgte der nächste Schritt in Richtung Laufen. Langsam begann er damit, vorsichtig, mit kurzen Intervallen und zunehmenden Wiederholungen.

Auf dem anforderungsreichen Weg leiten liess sich Jonas Raess nicht mehr von seinen langjährigen Vertrauenspersonen im LC Regensdorf, allen voran den Trainern Ruedi und Gian Marco Meier. «Ich hatte mich entschlossen, dem Sport nach dem Studium absolute Priorität einzuräumen», verrät der Betriebswirtschafter. Frühzeitig schaute er sich daher nach einem professionellen Coach und Team um. In England, genauer in Manchester, wurde er fündig. Steve Vernon heisst der Mann, der dort eine hoch angesehene Equipe leitet. «Steve verfügt über die Kompetenz und Erfahrung, um mich die nächsten zwei, drei Schritte vorwärtszubringen», sagt Raess überzeugt. Wichtig aber ist ihm zu betonen, dass der Wechsel in Minne verlaufen sei. Raess sagt: «Ich bin Ruedi und Gian Marco für all ihre geleistete Arbeit wahnsinnig dankbar.»

Vor Umzug nach England

In der vergangenen Woche schrieb Jonas Raess seine letzten Prüfungen an der Universität Zürich. Zuvor weilte er mit seinen neuen Trainingspartnern und dem Coach während eines Monats im Höhentraining im Engadin. Dort konnte er wichtige und erfolgversprechende Reize setzen. Der 25-Jährige plant, nach der Sommersaison nach Manchester zu ziehen – ein mutiger Schritt. Raess aber verweist auf das Beispiel des derzeit überragenden Schweizer Läufers Julien Wanders. «Julien lebt einen Grossteil seines Jahres in Kenia.» Dessen Erfolg bestätigt die Investition.

Nach dem geglückten Einstand freut sich Jonas Raess noch stärker auf den Rest der Bahnsaison. Bereits heute Donnerstag steht im südspanischen Huelva das nächste Rennen auf dem Programm. Es führt über 5000 Meter, seine neue Hauptdistanz, über die er sich in der vergangenen Saison auch für die EM qualifiziert hatte. Mit Blick auf die zwölfeinhalb Bahnrunden kündigt er an: «Ich werde mit derselben Strategie an den Start gehen wie am Wochenende. Nicht zu viel von mir verlangen, aber wach und bereit sein, um sich bietende Möglichkeiten auszunützen.» Eine neue persönliche Bestzeit traut er sich auch über die lange Strecke zu. Als Massstab gelten die 13:39,08 Minuten vom Vorjahr, herausgelaufen ebenfalls in Huelva.

Als sein Saison-Highlight bezeichnet er die Universiade von Mitte Juli in Neapel. Die Weltmeisterschaften von Ende September in Doha hat er im Hinterkopf. Von einem Ziel will er noch nicht sprechen. Im Minimum 13:22,50 Minuten müsste er laufen, um sich zu qualifizieren.

Erstellt: 19.06.2019, 21:03 Uhr

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