Stäfa

«Ich erhole mich besser zu Hause»

Als Interimstrainer der Lakers Stäfa hat René Barth (51) ein befristetes Comeback gegeben. Nun zieht sich der 206-fache Internationale wieder zurück.

Interimstrainer René Barth findet nach viermonatiger Zusammenarbeit lobende Worte für den neuen Lakers-Cheftrainer Pedja Milicic (rechts).

Interimstrainer René Barth findet nach viermonatiger Zusammenarbeit lobende Worte für den neuen Lakers-Cheftrainer Pedja Milicic (rechts). Bild: Reto Schneider

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Was ist Ihr Anteil am Ligaerhalt der Lakers Stäfa?
René Barth: Handballtechnisch war ich noch zu weit weg. Aber mein Erfahrungsschatz und meine Menschenkenntnis konnte ich einbringen und so einen Beitrag zum Erfolg leisten.

Für die Taktik war also weitgehend der designierte Cheftrainer Pedja Milicic zuständig.
Ja, er hat die grosse Last getragen. Ich habe versucht, ihm den Rücken frei zu halten. Wir brauchten ihn – wie sich auch gegen Endingen wieder gezeigt hat – auch noch als Spieler.

Ein Trainerwechsel kann das Hierarchiegefüge einer Mannschaft durcheinanderbringen. Wie schafften Sie es, die Irritationen so gering wie möglich zu halten?
Es war ganz wichtig, die Kompetenzbereiche klar abzustecken, damit für die Spieler klar war, wer wo das Zepter in der Hand hat und die Verantwortlichen sich nicht gegenseitig neutralisierten. Schlagzeilen neben dem Spielfeld wie unser Mitkonkurrent Suhr Aarau haben wir nie produziert.

Wie erlebten Sie die Zusammenarbeit mit Milicic?
Wenn zwei Handball-Besessene zusammen Erfolg haben wollen und keiner sich dabei profilieren muss, dann ist das eine gute Ausgangslage. Wir beide haben solche Situationen bereits erlebt und wussten, was auf uns zukommt. Ganz zu Beginn haben wir vier Kriterien niedergeschrieben, an denen wir uns als Team immer wieder orientieren wollten. Sie sollten uns als Leitlinie dienen, um am Tag X bereit zu sein. Trotz einiger Taucher konnten wir so aus jedem der zehn Spiele der Abstiegsrunde etwas Positives rausnehmen und darauf aufbauen. Im Barrage-Rückspiel erfüllten wir jeden dieser vier Bereiche um über 95 Prozent – das war unser Schlüssel zum Erfolg.

In der Pause des Barrage-Rückspiels mussten Sie Ihr verschwitztes T-Shirt wechseln. War das auch sinnbildlich für die Intensität Ihres viermonatigen Engagements als Lakers-Trainer?
Ein Engagement auf diesem Niveau ist wirklich keine Feierabendsache. Ich hatte mir ja viele Gedanken gemacht, bevor ich Ende Januar zusagte, für den scheidenden Markus Jud einzuspringen. Es war mir – auch gegenüber meiner Familie – enorm wichtig, dass dieses Engagement ein klar definiertes Ende hatte. Insbesondere die emotionale Belastung hinterlässt neben einem 100-Prozent-Arbeitspensum einfach seine Spuren.

Sie sagten einmal, Sie würden im Falle des Misserfolgs, also einem Abstieg in die Nationalliga B, alle Schuld auf sich nehmen. Sind Sie nun erleichtert, es nicht tun zu müssen?
Wenn man so viel investiert, ist man bei einem Misserfolg im persönlichen Stolz verletzt, aber das muss man sich bewusst sein und gehört zum Geschäft. Ich bin froh, war die Vater-Sohn-Konstellation kein Problem. Dass der Ligaerhalt gelungen ist, empfinde ich als total befriedigend. Ich freue mich aber hauptsächlich für die Jungs. Zum einen für diejenigen, die nun in Stäfa weiterhin in der Nationalliga A spielen können. Dann ist es aber auch schön, dass alle, die jetzt gehen, den Frohberg mit so einem tollen Erlebnis verlassen werden.

Die Mannschaft liess sich trotz dem Bekanntwerden zahlreicher Abgänge – unter anderen von Beau Kägi und Tobias Wipf zum direkten Konkurrenten Suhr Aarau – noch während der Abstiegsrunde nicht aus dem Konzept bringen. Wie gelang das?
Wir haben alle Abgänge intern immer offen kommuniziert und viele Gespräche geführt. Was Tobi Wipf dann im entscheidenden Spiel gegen Suhr für eine Leistung abrufen konnte, zeugt von grosser Charakterstärke. In der Barrage gegen Endingen war diesbezüglich weniger Zündstoff drin.

Was nehmen Sie persönlich aus den vergangenen vier Monaten mit?
Ich habe viel gelernt, hatte intensiven Kontakt mit der jungen Leistungsgeneration. Zuerst musste ich herausfinden, was ich als Alt-Internationaler der Mannschaft bringen kann. Ich habe sehr viele Gespräche geführt, musste aber auch merken, wann ich nichts sagen durfte. Eine Feedback-Kultur, auch mit den Spielern die nicht auf dem Platz waren, ist enorm wichtig. In der Hektik geht diese leider oft vergessen. Dabei will jeder wissen, wo er steht, möchte hören, ob seine Aktionen nun gut waren oder nicht.

Das Team ist gestern Morgen zur Abschlussreise nach Mallorca geflogen. Weshalb gingen Sie nicht mit?
Ich habe mich um vier Uhr in der Früh als Chauffeur zum Flughafen zur Verfügung gestellt. Aber ich erhole mich besser zu Hause – und das gönne ich mir jetzt.

Erstellt: 16.05.2015, 13:28 Uhr

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