Horgen

Auf der Suche nach den Grenzen

Patrick Benz zählt zu den besten Amateur-Triathleten der Schweiz. Nun stellt sich der gebürtige Horgner die Frage, ob der Schritt zu den Profis möglich ist.

Patrick Benz hat einen steilen Aufstieg hinter sich. Aus dem Plausch-Triathleten wurde ein Age-Group-Bronzegewinner an der WM.

Patrick Benz hat einen steilen Aufstieg hinter sich. Aus dem Plausch-Triathleten wurde ein Age-Group-Bronzegewinner an der WM. Bild: PD

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Triathlon betreibt Patrick Benz erst seit dreieinhalb Jahren – anfänglich mehr zum Plausch, bis er vom Virus gepackt worden ist. Unterdessen hat der 29-Jährige einen steilen Aufstieg hinter sich. Anfang September holte er an der Age-Group-WM über die Standarddistanz in Lausanne (1,5 km Schwimmen, 40 km Rad, 10 km Laufen) Bronze in seiner Alterskategorie und wurde Neunter im Gesamtklassement. Somit war er der Bestklassierte aller 200 Schweizer. «Das alles bedeutet mir sehr viel», sagt er denn auch. «Erst recht, weil so viele Leute aus meiner Region vor Ort waren.» Es ist der bisherige Höhepunkt seiner noch jungen Triathlonkarriere. Aufhorchen liess der Horgner, der in Islikon TG wohnhaft ist, bereits 2018 am Halb-Ironman in Rapperswil mit einem 6. Rang in seiner Alterskategorie, 2019 wurde er gar Vierter und war rund zehn Minuten schneller als noch ein Jahr zuvor.

Das deutet darauf hin, dass Benz seine Grenzen noch längst nicht erreicht hat. Seit er strukturierter trainiert, hat er grosse Fortschritte gemacht. Dennoch sind ihm bei den jetzigen Rahmenbedingungen Grenzen gesetzt. Er arbeitet 100 Prozent, der Trainingsaufwand beträgt wöchentlich rund 14 Stunden. Um das alles bewältigen zu können, braucht es nicht zuletzt eine tolerante Frau, die hinter ihm und seiner Passion steht. Bereits jetzt geht Benz grosse Kompromisse ein. Früh aufstehen und ins Hallenbad gehen, mit dem Rad von Islikon zur Arbeit fahren. Ganz zu schweigen von bewusster Ernährung, Verzicht auf Alkohol und so weiter.

«Es muss Sinn machen»

Um weiter nach vorne zu kommen, müsste Benz konkret über eine Reduktion des Arbeitspensums nachdenken, er müsste mehr internationale Wettkämpfe bestreiten, mehr Ferien machen oder unbezahlten Urlaub nehmen. «Es ist ein teurer Sport», ist sich Benz bewusst. Und dennoch reizt es ihn, herauszufinden, was bei den Amateuren noch möglich ist. So hofft er, sich für die kommende WM 70.3 nächstes Jahr in Neuseeland zu qualifizieren. Die erste Chance dazu hat er am 21. September beim Ironman Italy in Cervia.

Triathlon ist für Benz längst nicht mehr nur Hobby. Um die Limiten auszureizen, stellt sich die Frage, ob er den Schritt zum Halbprofi oder Profi wagen soll. «Es muss Sinn machen», hält Benz fest. Dabei denkt er vor allem an die (finanzielle) Unterstützung. Das Potenzial ist zweifellos vorhanden. In Rapperswil fehlten ihm dieses Jahr nur rund fünf Minuten zu den Besten, diverse Profis liess er hinter sich.

«Dream big, train hard»

Am meisten Potenzial sieht Benz, der sich selbst coacht, beim Radfahren. In der Regel ist das Schwimmen seine stärkste Disziplin, ist er doch im Wasser gross geworden. Er spielte während vieler Jahre Wasserball in Horgen, zwischenzeitlich sogar in der Nationalliga A, ehe er mit Laufen begann und 2016 noch das Radfahren dazukam.

Patrick Benz auf dem Velo: Hier sieht der Horgner das grösste Steigerungspotenzial. Foto: PD

Nebst der angestrebten Qualifikation für die WM 2020 in Neuseeland blickt Benz bereits etwas weiter in die Ferne. 2021 Profi zu werden, wäre sein Wunsch, «aber das steht noch in den Sternen». Sein Motto: ­«Dream big, train hard». Für grosse Ziele müsse man hart arbeiten. Irgendwo im Hinterkopf ist auch der Gedanke an die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Dann wäre Benz 34 und im besten Triathlonalter. «Aber Paris ist mehr eine Vision als ein Ziel», hält er fest. Keinen Reiz verspürt er hingegen für eine Teilnahme am Ironman Hawaii. «Die Langdistanz reizt mich nicht. Und nur Finisher zu werden, ist kein Ziel.»

Kein Heimweh

Dass Patrick Benz vom Zürichsee in den Kanton Thurgau zog, hatte berufliche Gründe. Es gefällt ihm und seiner Frau aber so gut dort, dass sie bleiben, auch wenn er unterdessen in Zürich arbeitet. «Die Wohn- und Trainingsbedingungen sind ideal hier», sagt Benz, der mit dem Rad oft im Zürcher Weinland und im Tösstal unterwegs ist. Er habe zwar regen Kontakt mit seiner Familie in Horgen und besuche sie regelmässig, aber den Zürichsee vermisse er nicht. Klingt wie ein Werbeslogan für den Kanton Thurgau und den Bodensee.

Erstellt: 13.09.2019, 21:24 Uhr

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