Triathlon

Alles schmerzt

Die Ironman-Derniere vom Sonntag in Zürich endete für die beiden Siegesanwärter vom See, Ronnie Schildknecht und Ruedi Wild, ohne den grossen Applaus.

Dem Langnauer Ronnie Schildknecht lief es insgesamt nicht rund.

Dem Langnauer Ronnie Schildknecht lief es insgesamt nicht rund. Bild: Foto: Archiv Doris Fanconi

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Es ist nichts geworden mit seinem zehnten Triumph am Ironman Switzerland. Je länger das Rennen am Sonntag rund um das Zürcher Seebecken dauerte, umso mehr schwanden die Chancen von Ronnie Schildknecht, den späteren Sieger und Titelverteidiger Jan van Berkel noch abzufangen. Sein Rückstand nach dem Schwimmen von vier Minuten auf die hochkarätige Spitzengruppe erwies sich für den einstigen Dominator schnell als gewaltiges Handicap. Zwar war die Situation für den mässigen Schwimmer nicht neu. Mit den Besten war er noch nie aus dem Wasser gestiegen, auch bei seinen grössten Erfolgen nicht. Ungewohnt war die Konstellation in diesem Rennen für Schildknecht dennoch: «In der Regel bin ich ein, zwei Topfahrern hinterhergejagt, jetzt war es aber eine hochkarätige Gruppe.» An die Spitze aufzuschliessen, war für den Langnauer aussichtslos. Statt Zeit gutzumachen, verlor er an Boden.

Wehmut schwingt mit

«Klar bin ich enttäuscht», sagte Ronnie Schildknecht am Morgen nach dem Rennen über die 3,9 km Schwimmen, 180 km Velo und 42,2 km Laufen. Aber sofort fügte er auch an: «Vorwürfe muss ich mir definitiv keine machen. Ich habe alles gegeben.» Zu wenig widerspiegelt sieht er im 5. Rang seine gute Verfassung. Und Wehmut schwingt mit, wenn er über das Rennen in Zürich spricht. Dieser Ironman war die letzte Möglichkeit für den bald 40-Jährigen, die runde und einzigartige Zahl von zehn Zürich-Siegen zu realisieren. Nächstes Jahr zieht der Ironman Switzerland nach Thun. Schildknecht spricht von einem «nicht perfekten Abschluss» und versucht gleichzeitig die positiven Gefühle zu stärken, indem er seine lange Siegesserie hierzulande betont. In den Tagen nach einem verpassten Ziel sei es besonders schwierig, das gute Körpergefühl wiederzufinden, sagt Schildknecht: «Ich fühle mich kaputt, wie von einem Lastwagen überfahren.» Alles schmerze, am schlimmsten seien die Beine und der Rücken. Das sei zwar nach einem Sieg nicht anders, aber es fühle sich anders an, den Glückshormonen sei Dank. Schildknecht gönnt sich nun erst einmal Ferien mit der Familie auf der Lenzerheide. Wie es heuer weitergeht, lässt er offen. Klar ist, dass Schildknecht seine Karriere fortsetzen und auch nächstes Jahr in der Szene präsent sein wird.

Anders plant Ruedi Wild. Und das ganz spontan. Bereits am nächsten Sonntag will der 37-jährige Samstagerer am Ironman in Hamburg antreten. Vorgesehen war dieser Start eigentlich nicht gewesen, höchstens wenn in Zürich das Worst-Case-Szenario eintrifft. Und das ist nun geschehen.

Wild mit Pannenpech

Wilds Rennen war schon in der Anfangsphase zu Ende. Ein platter Reifen nach wenigen Kilometern zwang ihn auf der Velostrecke zur Aufgabe. Weil er den Rennmechaniker in der Nähe glaubte, fuhr er rund einen Kilometer ohne Luft im Collie. Doch da war niemand. Zuerst versuchte Wild, den arg beschädigten Collie selbst zu flicken. Schliesslich tauchte doch der gesuchte Spezialist auf.

Die Reparatur benötigte rund 30 Minuten Zeit. Darum machte es für den ambitionierten Profi aus Samstagern keinen Sinn mehr, das Rennen fortzusetzen. «Ich hatte alles Erdenkliche geprüft, aber gegen das Schicksal war ich machtlos», sagt Wild. Den geschichtsträchtigen Wettkampf verfolgte er dennoch bis zum Schluss – am Strassenrand. Das hatte auch mit seinem langjährigen Freund Sven Riederer zu tun. Dieser bestritt mit dem Ironman in Zürich sein letztes Rennen nach mehr als 20 Jahren Triathlon. Wild war es, der eines der ersten Trikots Riederers aufgetrieben hatte, damit es dieser symbolträchtig an den Nagel hängen konnte. Die Aktion liess auch Wild an diesem Tag nochmals emotional werden: «Solche geteilten Erinnerungen, Freundschaften, eine solche Verbundenheit ist das, was zählt und den Sport so wertvoll macht», sagte er bewegt.

Erstellt: 22.07.2019, 19:29 Uhr

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