Bob

«Im Bobsport sind wir noch mega jung»

Emily Kilburn aus Langnau und die Rüeschlikerin Sara Snyder starten an den olympischen Jugendspielen im Einzelschlitten. Für die 17-Jährigen erfüllt sich ein Traum – und sie träumen bereits von mehr.

Voller Vorfreude: Sara Snyder (links) und Emily Kilburn können ihren Start an den Youth Olympic Games im Monobob kaum erwarten. <i>Bild: PD</i>

Voller Vorfreude: Sara Snyder (links) und Emily Kilburn können ihren Start an den Youth Olympic Games im Monobob kaum erwarten. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ihr weilt seit 7. Januar in St. Moritz. Wie nehmt ihr die olympische Atmosphäre im Engadin wahr?
Emily Kilburn: Abgesehen von aufgehängten Flaggen kommen die Jugendspiele ausserhalb von St. Moritz leider nicht so zur Geltung. Doch rund ums olympische Dorf und darin dafür umso mehr.

Sara Snyder: Hier herrscht viel Betrieb und eine besondere Stimmung. Es hat viele Athleten und freiwillige Helfer. Toll ist auch, dass auf dem zugefrorenen See eine Bahn für die Eisschnellläufer errichtet wurde. Dadurch erhalten die Spiele zusätzliche Präsenz.

Wie habt Ihr das Opening und die bisherigen Wettkämpfe erlebt?
Sara Snyder: Die Eröffnungszeremonie wurde bei einem Public Viewing gezeigt. Am Anfang waren viele Leute da, aber dann gab es leider Probleme mit der Liveübertragung. Diese waren zwar bald behoben, doch vielen wurde es zu kalt, und sie gingen an die Wärme. Sie verpassten, wie das Feuer entzündet wurde und wir alle zusammen den «Lausanne-Dance» machten.

Emily Kilburn: Von den Wettkämpfen in Lausanne oder den anderen Orten bekommen wir leider nicht so viel mit. Wir sind ja oft am Trainieren. Aber wir konnten hier die Rangverkündigung der Eisschnellläufer mitverfolgen, und das war toll.

Sara Snyder: Und hier in der Jugi stehen zwei Fernseher, wo wir mal Wettkämpfe verfolgen können, sofern wir Zeit haben. Manchmal sitzen ganz viele Athleten hier und fiebern gemeinsam mit.

«Nie hätte ich gedacht, je an einer Olympiade dabei zu sein.»Emily Kilburn

Welche Bedeutung hat für euch die Teilnahme an den Jugendspielen?
Emily Kilburn: Nie hätte ich gedacht, je an einer Olympiade dabei zu sein. Das hat für mich und mein ganzes Umfeld schon eine ganz besondere Bedeutung. Es ist kaum zu glauben, wie ein Traum.

Sara Snyder: Als wir vor drei Jahren mit Bobfahren angefangen haben, waren die Spiele noch so weit weg. Dass wir nun hier sind, ist kaum zu fassen. Wir sind megafroh und dankbar, ein Teil der Spiele sein zu dürfen.

Wie verliefen eure Trainingsläufe?
Emily Kilburn: Ich habe mir zwar bessere Zeiten erhofft, aber einiges ausprobiert und immer wieder versucht, eine neue Linie zu finden. Inzwischen verbessere ich mich von Fahrt zu Fahrt leicht.

Sara Snyder: Meine waren soweit o. k. Leider schleichen sich immer wieder kleine Fehler ein, die einfach zu vermeiden wären. Und ich muss auch noch meine Rennlinie finden.

Inwiefern habt ihr im legendären Eiskanal von St. Moritz Heimvorteil?
Sara Snyder: Wir waren ja schon oft hier und haben daher klar einen kleinen Vorteil gegenüber jenen, die die Bahn zuerst kennen lernen mussten.

Emily Kilburn: Der Eiskanal verändert sich aber immer leicht, weil er natürlich angelegt wurde und stetig bearbeitet werden muss. Daher haben alle die gleichen Voraussetzungen.

Mit welchen Zielen startet ihr ins Rennen?
Sara Snyder: In den Qualifikationsrennen (jene für die Jugendspiele; Red.) bin ich zweimal in die Top sechs gefahren. Das ist mein Hauptziel, doch ich will natürlich noch besser sein.

Emily Kilburn: Da schliesse ich mich gleich an. In den Trainings konnte ich meine Zeiten und Platzierungen halten. Nun hoffe ich, dass es mir im Rennen auch rundläuft.

Habt ihr denn gar keine Chance auf eine Medaille?
Emily Kilburn: Das will ich so nicht sagen, aber die Medaillenanwärterinnen sind immer die gleichen. In den Trainings konnten wir ihre Zeiten leider nie erreichen. Rang 4 bis 6 ist daher realistisch.

Sara Snyder: Eine Slowakin und eine Rumänin dominieren. Beide sind stark am Start und gute Pilotinnen. Ein Podestplatz liegt wohl nur drin, wenn sie keine guten Fahrten hinlegen und wir einen sehr guten Tag erwischen.

Was folgt auf «Lausanne 2020»?
Sara Snyder: Dann steigen wir – voraussichtlich noch dieses Jahr – auf den Zweierbob um. Für den Bobsport sind wir noch megajung, da wir bis 26 in der Jugendkategorie fahren. Da uns noch Zeit bleibt, lege ich nach der Matura vielleicht ein Studienjahr ein und beginne nachher intensiv zu fahren.

Emily Kilburn: Ein sehr hochgestecktes Ziel wären die Olympischen Spiele. Dazu müssten wir dann aber zuerst im Europa- und später im Weltcup Fuss fassen.

«Wir dachten zuerst, dass die Schnupperfahrt eine einmalige Sache wird.»Emily Kilburn und Sara Snyder

Wer wird denn im Zweier Pilotin und wer Anschieberin?
Emily Kilburn: Da wir beide ausgebildete Pilotinnen sind, wäre es eine Verschwendung, wenn wir zusammen fahren würden.

Sara Snyder: Auch ich bezweifle, dass eine von uns nicht Pilotin sein wird. Wir sind zwar jetzt schon Konkurrentinnen, müssten uns aber trennen und je ein Team ins Leben rufen.

Würde euch die Trennung nicht schwerfallen?
Emily Kilburn: Nein, nein – wir könnten ja dann immer noch zusammen an die Wettkämpfe reisen.

Sara Snyder: Zudem sind wir im gleichen Verein (Bobclub Zürichsee; Red.) und wohnen nah beieinander. Wir würden uns weiterhin sehr oft sehen.

Wie seid ihr überhaupt zum Bobfahren gekommen?
Emily Kilburn: So schnell wie ein Bob fährt. (lacht)

Sara Snyder: Im TV Thalwil (im Verein ist auch Irina Strebel, Anschieberin von Bobpilotin Martina Fontanive, engagiert; Red.) wurden wir vor drei Jahren von unserem Leichtathletiktrainer Christian Ganz angesprochen, da Nachwuchs-Nationalcoach Christoph Langen Athletinnen für die Jugendolympiade suchte. Er hat uns zu einer Schnupperfahrt eingeladen. Wir dachten zuerst, dass wir uns diese Chance nicht entgehen lassen sollten...

Emily Kilburn: … und dass es eine einmalige Sache wird. Sara, du konntest ja damals in St. Moritz nicht dabei sein...

Sara Snyder: … umso mehr hast du danach mir gegenüber von der Fahrt vorgeschwärmt. Wir haben dann gemeinsam ein Trainingslager in Oberhofen besucht, und sofort war klar, dass wir weitermachen.

Emily Kilburn: Es hat uns wortwörtlich mitgerissen.

«Der Bobsport könnte noch besser zugänglich gemacht werden.»Sara Snyder

Was spornt eine junge Frau an, ausgerechnet diesen Sport zu betreiben?
Emily Kilburn: Einfach alles. Die Geschwindigkeit, das Adrenalin und gleichzeitig die Athletik beim Start und die Konzentration während der Fahrt, die man haben muss. Das Team, das Reisen, all die Orte – und auch, dass es nicht jeder macht. Wenn ich Leuten erzähle, dass ich Bob fahre, reagieren sie immer sehr erstaunt.

Sara Snyder: Da kann ich mich den treffenden Worten von Emily nur anschliessen.

In welchen Bereichen sollte der Bob-Nachwuchs in der Schweiz zusätzlich gefördert werden?
Sara Snyder: Der Bobsport könnte noch besser zugänglich gemacht werden. Die Jungen sollten ihn einfacher ausprobieren können, doch zum Bobfahren braucht es halt eine Eisbahn.

Emily Kilburn: Ein wenig mehr mediale Aufmerksamkeit hätte dieser packende Sport durchaus verdient. Viele Junge wissen gar nicht, dass sie auch Bob fahren könnten.

Erstellt: 18.01.2020, 08:42 Uhr

Bereit für den grossen Tag

Die Bobrennen der Olympischen Jugendspiele 2020 werden in der Natureisbahn von St. Moritz ausgetragen. Die Nachwuchsathletinnen und -athleten starten im Monobob. Die Rüeschlikerin Sara Snyder und Emily Kilburn
aus Langnau am Albis haben sich im vergangenen Jahr mit Top-Ten-Resultaten in der sogenannten Youth Series Competition für die Wettkämpfe qualifiziert. Sie finden morgen Sonntag statt. Der erste Lauf ist auf 12 Uhr angesetzt, der zweite beginnt um 13 Uhr.

Die beiden 17-jährigen Pilotinnen gehören seit 2017 dem Bobclub Zürichsee an und sind zudem im Turnverein Thalwil aktiv. Emily Kilburn absolviert eine Lehre als Fachangestellte Gesundheit im Sanatorium Kilchberg. Sara Snyder besucht das Gymnasium Freudenberg in Zürich. Nach der Matura möchte sie Medizin oder Biologie studieren. (ddu)

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Paid Post

Hilfe und Sicherheit nach Hause holen

Jeder fünfte ältere Mensch braucht im Alltag Unterstützung. Fehlt sie, führt der Weg oft ins Heim. Marktführer Home Instead bietet als Alternative eine 24-Stunden-Betreuung zuhause ab 5800 Franken an.