Eishockey

«So lange wie Jagr spiele ich nicht»

Sven Lindemann gehörte zu jenem Team der SCL Tigers, das 2015 den Abstieg der Rapperswil-Jona Lakers aus dem Oberhaus besiegelte. Nun gibt der 39-jährige Stürmer alles, um die St. Galler wieder dorthin zurückzubringen.

Lakers-Stürmer Sven Lindemann ist einer von nur zehn Spielern, die mehr als 1000 Partien in der höchsten Liga absolviert haben.

Lakers-Stürmer Sven Lindemann ist einer von nur zehn Spielern, die mehr als 1000 Partien in der höchsten Liga absolviert haben. Bild: Silvano Umberg

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Was hat Sie dazu bewogen, einen Café crème zu bestellen?
Sven Lindemann: Nach dem Mittag gönne ich mir meisteinen Kaffee, wie auch zum Frühstück und Zvieri. Warum gerade einen Café crème? Wohl weil ich Cappuccino oder Latte macchiato nicht mag.

Was ist Ihr Lieblingsgetränk?
Cola – und ein Glas Wein ab und zu mag ich auch sehr gerne.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?
Fondue Chinoise – auch wegen der Gemütlichkeit.

Wie steht es um Ihr Kochkünste?
Eigentlich nicht so schlecht. Ich absolvierte ja die Hotelfachschule in Chur. Da machte ich auch ein Praktikum in der Küche. Es ist aber nicht so, dass ich zuhause stets ein riesen Geköch mache.

Inwiefern achten Sie als Sportler auf die Ernährung?
Ich schaue schon drauf. Mit dem Alter immer mehr. Aber: McDonalds oder so muss auch mal sein.

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Speziell in Erinnerung ist mir die Eishockey-WM 1990 geblieben. Ich besuchte mit meinem Vater eine Partie der Russen in Bern. Zwei Reihen neben uns sass der legendäre Wladislaw Tretjak – und auf dem Eis zauberte der junge Pawel Bure. Ich war stets ein grosser Fan von ihm. In Bern kaufte ich mein erstes Bure-Trikot.

Die Frage, wie sind Sie zum Eishockey gekommen, erübrigt sich eigentlich beim Sohn des legendären Aroser Stürmers Guido Lindemann.
(schmunzelt) Das ist schon so. Durch den Vater kam ich natürlich früh in Kontakt mit Eishockey. In Arosa gab es aber auch keine Alternativen ausser vielleicht noch Skifahren. Ich wurde – wie auch mein Bruder (der 35-jährige Kim Lindemann ist ebenfalls Eishockey-Profi, aktuell beim EHC Visp; Red.) – aber nie gepusht. Ich wollte es immer selber – und habe auch heute noch extrem viel Spass am Eishockey.

«Ich bin immer für einen Spass zu haben.»
Sven Lindemann

Wie ist es, so einen berühmten Vater zu haben und immer mit ihm verglichen oder an seinen Erfolgen gemessen zu werden?
Als Junger war es schwieriger. Da zeigt dann jeder mit dem Finger auf dich und sagt: Das ist der Sohn des Lindemann. Grossen Druck habe ich deshalb aber nie verspürt. Mein Vater war auch ein ganz anderer Spielertyp als ich, mehr der Skorer. Ich wollte einfach meinen eigenen Weg gehen – und das habe ich geschafft.

Ihr Vater war zweimal Schweizer Meister (1980 und 82 mit Arosa), Sie waren es trotz über 1000 NLA-Spielen noch nie. Wurmt Sie das?
Jein. Ich bin zufrieden mit meiner Karriere. Aber einmal Schweizer Meister zu werden, wäre sicher schön gewesen.

Dafür sind Sie Ihrem Vater bezüglich Cupsiegen voraus...
(lacht) Stimmt. Dieser Cupsieg ist eine coole Geschichte. Und es als Unterklassiger geschafft zu haben, macht es noch spezieller.

War der Cup-Triumph Ihr schönster Moment im Sport?
Sicher einer davon. Der B-Meistertitel und der anschliessende Aufstieg mit den SCL Tigers waren auch extrem schön. Ich hoffe, dies mit den Lakers nun noch einmal zu erleben.

Welches war die grösste Enttäuschung?
Die 1:2-Niederlage im entscheidenden siebten Spiel des Playoff-Finals 2009 mit Kloten gegen Davos. Wir waren so nahe dran. Das tat schon einen Moment lang weh.

Mit welchen Erwartungen nehmen Sie nun mit den Lakers das Playoff in Angriff?
Mit sehr grossen. Wir sind der Favorit, das ist klar. In der ersten Runde wartet mit der EVZ Academy ein auf dem Papier einfacher Gegner. Aber wir müssen parat sein. Die Zuger haben nichts zu verlieren. Wir haben in dieser Saison aber bereits gezeigt, dass wir mit Druck umgehen können. Deshalb erwarte ich schon, dass wir uns klar durchsetzen.

Wie erwähnt haben Sie Aufstiegserfahrung. Was braucht es, um es jetzt bis zum Schluss durchzuziehen?
Es müssen ganz viele Faktoren stimmen. Sicher braucht es ein gutes Team. Das haben wir. Ganz wichtig ist auch, dass alle am gleichen Strick ziehen, auch jene Spieler, die wenig oder gar nicht zum Einsatz kommen. Es braucht jeden einzelnen – und auch das nötige Wettkampfglück, wobei ich glaube, dass man sich dieses erkämpfen kann. Die erste Runde schnell zu gewinnen, wäre gut. So spart man Kraft, kann sich gut erholen. Auch solche Dinge können am Schluss entscheidend sein.

Die Lakers legten eine ähnlich dominante Qualifikation hin wie damals die SCL Tigers.Sehen Sie Parallelen?
Definitiv. Die Lakers sind von der Mannschaft und auch vom Umfeld her sehr ähnlich aufgestellt wie damals die Tigers, sprich sehr professionell. Es gibt auch keine Abhängigkeit von einer Linie. Alle vier Reihen können für die Differenz sorgen. Auch beim Mix im Team zwischen Jung und Alt, dem Charakters, dem Erfolgshunger sehe ich Parallelen. Und ganz wichtig: Es gibt keine Egoisten, im Zentrum steht immer das Team. Nur so kannst du es schaffen.

Trotz ihrer mittlerweile 39 Jahren stehen Sie den Jungen auf dem Eis bezüglich Kampfkraft, Biss, Spritzigkeit in nichts nach. Was ist Ihr Geheimnis?
(schmunzelt) Ich bin schon nicht mehr ganz der Schnellste. Aber ich mache viel mit der Routine wett. Auch neben dem Eis weiss ich mittlerweile ganz genau, was ich wann brauche. Ein Geheimnis gibt es nicht. Ein grosser Faktor ist sicher die Freude an diesem Sport. Es macht mir einfach unglaublich Spass, Eishockey zu spielen und mit sich mit diesen jungen Kerlen zu messen.

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Er lebt leider nicht mehr: Steve Jobs. Ich war ein grosser Fan, habe seine Geschichte verfolgt und auch seine Biografie gelesen.

Welche Person bewundern Sie?
Meine Mutter, meinen Vater – beide haben mich immer unglaublich unterstützt. Aber auch meine Frau und meine zwei Söhne, denn es ist nicht immer leicht mit einem Hockeyspieler. (lacht) Sie sind immer für mich da. Das ist sehr schön und überhaupt nicht selbstverständlich.

Wie sieht für Sie ein perfektes Wochenende aus?
Ich bin gerne in den Bergen, am liebsten in Arosa, geniesse die Zeit mit der Familie, fahre Ski. Auch etwas Après-Ski gehört dazu.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
Dieses Jahr könnte es schwierig werden. Wird die Saison so lang, wie ich hoffe, dann werden die Schulferien schon vorbei sein. Und in den Sommerferien sind meine Jungs durchs Eishockey belegt. Sollte es dennoch klappen mit Ferien, dann verbringen wir diese sicher an einem Strand.

Ihr Lieblingssong?
Ich bin da sehr offen, höre Pop, Rock, aber auch Schlager. Letzteres vor allem in der Lakers-Garderobe, wenn Fabian Maier wieder einmal den DJ gibt.

Ihr Lieblingsfilm?
Ich schaue aktuell eher Serien, beispielsweise Game of Thrones.

Ihr Lieblingsbuch?
Ich mag Biografien, zu Beispiel jene von Zlatan Ibrahimovic. Ich habe nun ein ganz anderes Bild von ihm.

Ihr Lebensmotto?
Habe ich eigentlich keins. Aufs Eishockey bezogen sage ich mir aber: Lebe jeden Tag so, wie wenn es der letzte wäre. Denn mit 39 rückt das Karriereende näher.

Was ist Ihr grösstes Laster?
Ich kann fast nicht nein sagen, bin für viel zu haben, manchmal für zu viel.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Man kann sich auf mich verlassen. Und ich bin immer für einen Spass zu haben.

Was macht Sie glücklich?
Sicher die Familie, aber die Zeit mit Freunden und wenn es mir mit dem Team gelingt, etwas zu erreichen.

Was ärgert Sie?
Wenn es mir nicht gelingt, das Beste abzurufen. Und Autofahrten mit Florian Schmuckli. Er glaubt, er sei der beste Autofahrer unsere Fahrgemeinschaft. Corsin (Casutt; Red) und ich sind da ganz anderer Meinung. (lacht)

Was ist Ihnen wichtig im Leben?
Die Familie, die Gesundheit und dass man Spass an dem hat, was macht macht.

Was machen Sie in zehn Jahren?
(schmunzelt) Ich glaube nicht, dass ich so lange spielen werde wie Jaromir Jagr (der Tscheche ist mittlerweile 46-jährig; Red.), hoffe aber schon, dass ich dann noch im Eishockey tätig bin, beispielsweise als Trainer im Nachwuchs. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.02.2018, 08:08 Uhr

Worum Gehts?

Am Sonntag beginnt in der Swiss League das Playoff. Die Rapperswil-Jona Lakers steigen nach ihrem überlegenen Qualifikationssieg als Topfavorit in die entscheidende Phase der Meisterschaft. Und anders als in den beiden vergangenen Saison, als sie jeweils die Finalserie verloren, wollen die Rosenstädter diesmal B-Meister werden und sich danach in der Ligaqualifikation auch den Aufstieg sichern. Erste Hürde auf dem Weg dahin ist die EVZ Academy.su

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