Coaches Corner

«In der Ruhe liegt die Kraft»

Der 57-jährige Finne Matti Alatalo hat den wohl speziellsten Trainerjob im Profi-Eishockey. Beim Farmteam der ZSC Lions steht nicht der Erfolg, sondern die Talentförderung an erster Stelle.

Matti Alatalo bestreitet seine insgesamt siebte Saison als Headcoach der GCK Lions, die fünfte in Folge.

Matti Alatalo bestreitet seine insgesamt siebte Saison als Headcoach der GCK Lions, die fünfte in Folge. Bild: André Springer

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Was können Sie besser als Ihre Spieler?
Matti Alatalo: Badminton spielen. Da habe ich gegenüber meinen Spielern Vorteile bezüglich Technik und Erfahrung. Disziplinen wie Badminton oder auch Squash sind ein gutes Training für Eishockeyspieler. Durch die tiefe Position und das Stop-and-Go werden die Beine schnell und kräftig. Zudem wird die Augen-Hand-Koordination gefördert.

Was können Ihre Spieler besser als Sie?
Eishockey spielen.

Ihr grösster Erfolg?
Der Schweizer-Meister-Titel als Assistent von Kent Ruhnke mit den ZSC Lions (2000) und der finnische Vizemeistertitel als Headcoach mit Kärpät (2009).

Und im Leben?
Dass ich so eine tolle Familie habe. Meine Frau und ich sind seit 37 Jahren verheiratet. (Das Paar hat zwei Kinder. Sohn Santeri, 25, ist Verteidiger beim EV Zug, Tochter Aliina, 23, studiert in Finnland Sport; Red.)

Wann werden Sie nervös?
Wenn ich in Zeitnot gerate. Aber das kommt eher selten vor. Denn ich bin ein Mensch, der Ruhe braucht und liebt. Deshalb bin ich gut organisiert, plane weit voraus und immer etwas Reserve mit ein. Dies empfehle ich jeweils auch meinen Spielern. Unsere Welt wird ja immer hektischer. Da ist es wichtig, sich nicht zu sehr stressen zu lassen. Nicht umsonst heisst es: In der Ruhe liegt die Kraft. (schmunzelt)

Was macht Sie sprachlos?
Intelligenz. Ich lese gerne, auch Porträts, Interviews … dabei bin ich immer wieder erstaunt, wie viel Wissen einige Leute haben und wie gut sie Dinge einordnen, analysieren oder auch kommentieren können.

Ihr Lieblingsdialekt?
Jener, der in meiner Heimat gesprochen wird, rund um Oulu. Es gibt in Finnland rund 10 verschiedene Dialekte. In der Schweiz finde ich den bernerischen den interessantesten.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
(lacht und streicht sich mit der Hand über den Kopf) Höchstens eine Minute … da gibt es nicht mehr viel zu tun.

Was kochen Sie am liebsten?
Ich koche gerne, auch kompliziertere, aufwendige Menüs. Meine Spezialität sind aber Käseschnitten. Ich nehme dazu dunkles, finnisches Brot, verschiedene Käse, Früchte, Schinken oder auch Fisch. Die Mischung zwischen salzig und süss macht es aus.

Welches Getränk empfehlen Sie dazu?
Einen guten Rotwein. Im Moment trinke oft chilenischen, der ist ziemlich würzig. Ich mag aber auch Schweizer Weine sehr gerne. Die bringen wir oft als Geschenk mit nach Finnland.

Wen laden Sie dazu ein?
Meine Frau, meinen Sohn und seine Freundin. Santeri wohnt ja nicht weit weg, kommt rund alle zwei Wochen zu Besuch.

Ihr erster Berufswunsch?
Als Kind träumte ich immer davon, Hochseekapitän zu werden. Wahrscheinlich, weil der auf der ganzen Welt herumkommt. Zu mehr als einem Kajak-Kapitän hat es leider nicht gereicht. (lacht) Aber dank dem Eishockey bin ich auch weit herumgekommen.

Bleibt neben dem Trainerjob noch Zeit für Hobbys?
Während der Saison, die sehr intensiv ist, bleibt wenig Freiraum, dafür im Sommer umso mehr. Zeit zum Lesen finde ich aber immer. Zudem mag ich Kunst und Kultur, besuche gerne Ausstellungen, Museen, Konzerte oder Tanzaufführungen. Auch Architektur interessiert mich sehr, speziell das Schaffen von Alvar Aalto.

Ihr Lieblingssong?
«Kaksi puuta» (zu Deutsch: «Zwei Bäume») von Juha Tapio. Die Balade erinnert mich an die Beziehung zu meiner Frau, an unsere Lebensgeschichte. Schöne Erinnerungen verbinde ich auch mit «Heaven» von Gotthard. Zudem mag ich die Musik von Nickelback.

Ihr Lieblingsfilm?
Ich mag französische Filme und die Werke der Regisseure Pedro Almodóvar und Aki Kaurismäki. Der Spanier stellt die Kontraste des Lebens auf spezielle Weise dar, der Finne filmt in bescheidener Art, typisch finnisch halt.

Ihr Lieblingsbuch?
Wenn es um Literatur geht, bin ich ebenso vielfältig wie bei Musik und Film. Ich lese gerne Bücher über gesellschaftliche Themen, aber auch Lebensgeschichten oder Krimis. Um Sport dreht es sich selten, höchstens um Leadership, was ja für einen Trainer von Bedeutung ist.

Ihr Lebensmotto?
Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst. Diesen Leitsatz (allgemein als Goldene Regel bekannt; Red.) versuchte ich auch meinen Kindern weiterzuvermitteln.

Welches Thema beschäftigt Sie aktuell am meisten?
Die Thematik des islamistischen Terrorismus ist im Moment allgegenwärtig. Die Entwicklungen bereiten mir Sorgen. Angst macht mir vor allem die Respektlosigkeit gegenüber dem Leben. Ich hoffe auf Lösungen, denke aber, dass es künftig leider eher zu noch mehr Konflikten und Konfrontationen kommen wird.

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Die Fussball-WM 1974 und das grosse Duell zwischen Deutschland und Holland, mit den grossen Namen wie Beckenbauer oder Müller auf der einen sowie Cruyff oder Neeskens auf der anderen Seite.

Wie sind Sie zum Eishockey gekommen?
Ich wuchs direkt neben einer Natureisbahn auf, begann früh Schlittschuh zu laufen. Irgendwann gründeten wir, ein paar Jungs aus der Umgebung, ein Team. Das war ziemlich abenteuerlich. Wir mussten Geld sammeln für die Ausrüstung, das Eis selber bewirtschaften. Später wurde daraus eine Eishockeysektion im örtlichen Sportklub. Erstmals wirklich in einer Meisterschaft spielte ich dann mit circa 15.

Warum sind Sie Trainer geworden?
Ich merkte früh, dass mein Potenzial als Spieler limitiert war. Ich entschied mich, ein Studium zu machen als Turn- und Sportlehrer. Da war ich 26. Ich erhielt dann die Möglichkeit, in die USA zu gehen und an der sehr renommierten Cornell University im Bundesstaat New York Sport zu unterrichten und als Assistenztrainer des Eishockeyteams zu arbeiten. Seither ging es immer weiter, führte mich der Weg zurück nach Finnland, nach Österreich und in die Schweiz.

Haben Sie den Entscheid jemals bereut?
Nein, nie. Ich liebe das Eishockey und meinen Job.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Ich durfte als Spieler dreimal an einer Universiade teilnehmen. Das waren tolle Erlebnisse. Einmal holten wir Bronze. Der olympische Gedanke hat mich schon immer fasziniert.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Mit Kärpät 2009 die Finalserie 0:4 zu verlieren – und zwar ausgerechnet gegen Jyp, das ich von 2002 bis 2007 trainiert hatte.

Wie vertreiben Sie sich die Zeit auf der Heimfahrt von einem Auswärtsspiel?
Indem ich am Laptop das Spiel analysiere. So spare ich Zeit für den nächsten Tag. (schmunzelt)

Warum gewinnt Ihr Team morgen das Derby gegen die Rapperswil-Jona Lakers?
Weil es einen tollen Kampfgeist an den Tag legt, um jeden Puck fightet, einfach alles gibt. Ansonsten sind wir gegen die Lakers, die nicht umsonst in der Tabelle so weit oben stehen, chancenlos. (zsz.ch)

Erstellt: 27.11.2015, 11:24 Uhr

Worum gehts?

Das siebte Jahr scheint nicht nur für Ehen ein verflixtes zu sein, sondern auch für Hockeytrainer. Jedenfalls ist Matti Alatalo in seiner siebten Saison als Headcoach der GCK Lions mehr gefordert denn je. Sein Team erwischte einen schlechten Start; von den ersten vierzehn Partien konnte nur eine gewonnen werden. Seither halten sich Siege und Niederlagen die Waage. Morgen empfängt das Schlusslicht die SCRJ Lakers (2.) auf der KEK zum Derby. Die ersten zwei Saisonduelle gewannen die St.?Galler (3:1, 5:1). (su)

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