Eishockey

In Hochform sind beide noch nicht

Das erste Zürcher Derby der Saison zeigte: Nicht nur der Verlierer aus Kloten, sondern auch der 4:2-Sieger aus Oerlikon hat Raum nach oben.

Die einen jubeln, die andern müssen konstatieren: So wird es schwer. Fredrik Pettersson (71) und Robert Nilsson (9) nach dem 3:1, hinten Klotens Goalie Dennis Saikkonen.

Die einen jubeln, die andern müssen konstatieren: So wird es schwer. Fredrik Pettersson (71) und Robert Nilsson (9) nach dem 3:1, hinten Klotens Goalie Dennis Saikkonen. Bild: Keystone

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Das 206. Zürcher Derby hätte eigentlich eine klare Sache sein sollen. Die ZSC Lions konnten praktisch komplett auftreten, ihr Team ist ohnehin qualitativ besser bestückt als das der Klotener. Und dem EHC fehlten weiterhin jene fünf Spieler, die doch für den einen oder andern Skorerpunkt sorgen könnten. Und Drew ­Shore, der letzte Saison der «Lottosechser» der Klotener war, spielte auf der andern Seite.Immerhin half Shore seinem ehemaligen Arbeitgeber mit einem Eigentor der raren Sorte: Als eine Strafe gegen Kloten angezeigt war, Goalie Niklas Schlegel bereits einem weiteren Feldspieler Platz gemacht hatte, spielte Shore einen blinden Pass aus der Klotener Verteidigungsecke an die blaue Linie hinauf. «Ich habe gesehen, dass eine Strafe angezeigt war, also versuchte ich mal das Zuspiel.» Es wurde von den Kollegen verpasst, der Puck glitt übers ganze Feld ins Zürcher Tor. Damit brachte ­Shore Kloten nach 47:58 nochmals auf 2:3 heran. Doch die Strafe gegen den «Torschützen» René Back (der als letzter Klotener vor Shore den Puck berührt hatte), führte zu 103 Sekunden doppelten Überzahlspiels für die ZSC Lions. Robert Nilsson fand den Raum, ein genaues Zuspiel durch den Slot auf Reto Schäppi anzubringen, der Nationalstürmer traf 35 Sekunden nach der «Spannung» zur Beruhigung, zum 4:2.

Zürcher Torgefahr

«Zum Glück kam dieses Tor, sonst müsste ich nun ein schlechtes Gefühl haben», sagte Shore noch. Der 82. Derbysieg seines Teams (Kloten steht bei 111) ging in Ordnung. Denn die ZSC Lions verfügen über etwas, was Kloten total abgeht: Torgefahr. Die zwei ersten Treffer fielen identisch. Querpass auf der blauen Linie – Direktschuss – Ablenker. Solche «Feinheiten» brachte Kloten nicht aufs Eis. Aber kam dennoch zu mehr Chancen und Möglichkeiten als noch zum Auftakt gegen die Seeländer.

Morris Trachsler, der vor dem Match noch von ZSC-CEO Peter Zahner verabschiedet worden war, spielte sein erstes Derby als Klotener. «Wir waren besser als im ersten Match, aber die Special Teams machten den Unterschied.» Man dürfe nach zwei Niederlagen den Kopf nicht in den Sand stecken – ebenso wenig, wie wenn man nach zwei Siegen zum Start nur jubeln dürfe.

Trachslers Analyse trifft exakt zu: Die ZSC Lions brachten die Hälfte ihrer Treffer in Überzahl im Klotener Tor unter. Fredrik Pettersson hatte mit seiner Direktabnahme, die nicht ganz unhaltbar schien, das Glück zum 3:1. Schäppi jenes zum 4:2. Die ZSC Lions schossen in zwei Partien drei Powerplaytore (von total acht). Die Klotener warten noch immer auf den ersten Überzahltreffer. Obwohl auch sie schon über 100 Sekunden doppelte Überzahl auf dem Konto haben.

Dass die ZSC Lions trotz ihrer Qualitäten und trotz ihres sehr gut besetzten Kaders (mit vier Ausländern) gegen Langnau und gegen Kloten Mühe hatten, zeigt: Auch die Zürcher sind noch nicht in Hochform. Zwei neue Spieler haben getroffen: Verteidiger Kevin Klein (warum heisst er zum Vornamen nicht Calvin?) markierte den Siegtreffer in Langnau, Pettersson die Entscheidung gegen Kloten. Und im Tor stand zweimal in Folge Niklas Schlegel, nicht Lukas Flüeler.

«Mit fünf von sechs möglichen Punkten ist unser Start sehr in Ordnung», befand Drew Shore. Vor allem mit der Aufholjagd vom 0:3 zum 4:3 in Langnau als Erinnerung. Am Dienstag heisst der Gegner bereits wieder Langnau, dieses Mal im Hallenstadion. Die Lions könnten sich morgen Abend gar an die Tabellenspitze setzen – wenn Biel gegen Fribourg patzt.

Back mit dem Goldhelm?

Und Kloten muss in Lugano versuchen, den Nuller bei der Anzahl Siege wegzubringen. Vor einem Jahr schaute der EHC nach einem 3:2 nach Penaltys im Hallenstadion und einem 4:0 über Meister Bern (!) auf den besten Saisonstart seit 2011 zurück.

Nun stehen andere Werte bedeutend näher. 2015 gab es mit Sean Simpson eine Bilanz von drei Punkten aus den ersten fünf Spielen. Ein Jahr zuvor stand die Null bei der Anzahl Punkte auch nach fünf Partien noch. Die Klotener stiegen auch damals nicht ab, aber sie verpassten trotz eines frühen Trainerwechsels (noch vor Weihnachten) die Playoffs.

Nun haben sie in zwei Partien ein «richtiges» Tor erzielt durch Mattias Bäckman. René Back dürfte am Dienstag den Goldhelm tragen. Auch er ist Verteidiger. Den Stürmern ging bisher die Durchschlagskraft ab – oder der Pfosten stand ihnen vor der Sonne. Alleine dreimal in Zürich. Im «Sparteam» fehlt es nicht nur wegen der Verletzten an Qualität. In der Skorerliste der National League figurieren unter den besten 20 Skorern 14 Spieler mit ausländischem Namen. Diese Tendenz übrigens ist nicht neu, sondern sie wird seit Jahren immer wieder bestätigt.

Erstellt: 10.09.2017, 21:17 Uhr

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