Eishockey

Einer, der immer alles gibt

Als Blitztransfer ist Nelson Chiquet im Sommer zu den GCK Lions gestossen. Nun erweist sich der Wechsel als Gewinn für beide Seiten.

Der 21-jährige Nelson Chiquet bringt das kämpferische Element ins Spiel der GCK Lions.

Der 21-jährige Nelson Chiquet bringt das kämpferische Element ins Spiel der GCK Lions. Bild: Sabine Rock

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Als sie zusammensassen und über die bevorstehende Saison sprachen, kam die Rede irgendwann aufs Wohnen. Was denn wäre besser: alleine oder in einer WG? Eine WG, einigten sich Nelson Chiquet, der neue Spieler, und Patrick Hager, der Sportchef der GCK Lions. Denn so würde der 21-Jährige aus dem Jura sein Deutsch verbessern können.

Der Gedanke war einleuchtend. Aber die Ausführung . . . Chiquet zog in Fällanden mit Rihards Puide, dem gleichaltrigen Teamkollegen aus Lettland, zusammen – und dort unterhalten sie sich, auch jetzt noch, vorwiegend auf Englisch. Diese Anekdote erzählte Nelson Chiquet, als er sich vor der Saison wie jeder Neue dem Team vorstellte. Das tat er in Deutsch, in einer Sprache, die einem Jurassier sowie einem, der fünf Saisons lang beim HC Fribourg Gottéron gespielt hat, immerhin nicht restlos fremd ist.

Mit Gottéron bestritt der Stürmer 63 Spiele in der National League. Zwei Tore erzielte er, eines im Hallenstadion gegen die ZSC Lions, das andere gegen den EHC Kloten. Als die Zeit gekommen war, Fribourg zu verlassen, absolvierte er das Sommertraining bei Genf-Servette. Chiquet lag ein Vertrag vor, aber Chris McSorley, Servettes Trainer und Sportchef, erklärte ihm, dass er vor allem für Spiele mit Sierre in der dritthöchsten Liga vorgesehen sei. «Das wollte ich nicht», blickt Chiquet zurück.

Die passende Mannschaft

Deshalb kam die Situation im Grossraum Zürich gerade recht. Es folgten Unterredungen mit dem EHC Kloten, dem Absteiger aus der National League, und mit Patrick Hager. In Kloten sah Chiquet eine ähnliche Situation wie zuvor in Fribourg «mit vielen älteren Spielern». Beim Farmteam der ZSC Lions aber erkannte er die deutlich besseren Möglichkeiten, sein Vorhaben umsetzen zu können: «Ich wollte sehr viel spielen und dadurch Fortschritte machen. Hier kann ich das», betont Chiquet.

Dass er überhaupt bei den GCK Lions landete, ist ungewöhnlich, denn eigentlich werden nur Eishockeyaner aus der eigenen Organisations ins Swiss-League-Team aufgenommen. Aber diesen Sommer geriet Hager unter Zugzwang, nachdem Center Marco Rossi unverhofft zu Ottawa in die Ontario Hockey League gezogen war und er keinen weiteren Elite-A-Junioren rekrutieren konnte und wollte. «Wir mussten also reagieren», erklärt der GCK-Sportchef. Der Mangel an Centern war zu beheben, zudem ist Chiquet auch am Flügel einsetzbar. Er passte ins Profil – und er scheint die richtige Wahl gewesen zu sein. «Eine Win-win-Situation für beide Seiten», meint Hager und erklärt aus Sicht des Teams: «Man muss ihn nicht pushen, er gibt immer alles. Er kann an der Bande hart spielen, ohne unfair zu sein. Damit bringt er ein kämpferisches Element mit, das uns guttut. Denn wir haben viele Künstler in der Mannschaft.»

Chiquet, der in 16 Spielen acht Tor erzielte und drei Assists gab, sei «extrem beliebt im Team und wird von allen akzeptiert, was ein sehr gutes Zeichen ist», sagt Hager. «Er hat sich gut entwickelt, ich glaube, es stimmt auch für ihn.» Diese Einschätzung trifft zu. «Die Jungs sind sehr gut zu mir», freut sich Chiquet, dem die Mannschaft und die neue Umgebung bestens gefallen.

Beim HC Ajoie, jetzt in der gleichen Liga wie die GCK Lions, begann er einst mit Eishockey. Als 3-Jähriger wurde Nelson Chiquet adoptiert, er wuchs in der Nähe von Pruntrut im Jura auf. Zu Angola, seiner alten Heimat, hat er keinen Bezug mehr, er war auch noch nie dort. Anders als Nelson entschied sich Antonio Chiquet, sein zwei Jahre älterer Bruder, für Fussball. Der ehemalige U-17-Junior des FC Basel spielt inzwischen als Aussenverteidiger in der 1. Liga beim FC Bassecourt.

Fürs Ziel arbeiten

Bei den GCK Lions arbeitet Nelson Chiquet weiterhin für sein Ziel: «Ich will in die National League.» Natürlich sehr gerne würde er zum grossen ZSC stossen. Daneben plant er für die Zeit nach dem Eishockey: Eine kaufmännische Ausbildung hat er absolviert, nun lässt er sich in Sachen Marketing und Fitnesscoach weiterbilden. «Ich möchte später ein Fitnesscenter führen.»

Die Gegenwart sieht so aus, dass er bis Ende Saison einen Vertrag mit den GCK Lions besitzt. Der Club wird dann abschätzen, wie die Personallage ist und was Chiquets Pläne sind. Der Spieler selbst sagt: «Ich würde gerne ein Jahr länger bleiben; das wäre das Beste für mich.» Denn vieles ist derzeit auf gutem Weg. Auch die Fortschritte in Deutsch. Schliesslich wird in der GCK-Kabine nur diese Sprache gesprochen; das gilt auch für die Leute aus der WG in Fällanden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.11.2018, 09:23 Uhr

GCK Lions

Stetige Entwicklung

Der letzte Playoff-Platz in der Swiss League wird nach 16 Runden von den GCK Lions belegt. Damit sind sie ziemlich auf Kurs. «Wir können mit allen Teams mithalten», sagt Sportchef Patrick Hager. «Technisch und läuferisch sind wir teils besser als andere. Taktisch dagegen gibts Steigerungspotenzial.» Bedauerlich seien jene Spiele (zuletzt am Dienstag gegen Langenthal), in denen man mit Fehlern «Punkte verschenkt» habe, erklärt Hager. «Das ist das Los einer jungen Mannschaft, da merkt man die fehlende Erfahrung.»

Insgesamt aber sei eine Steigerung des Teams zu erkennen. «Unsere Spieler sollten sich so entwickeln, dass sie ab Mitte Saison eine bessere Mannschaft stellen als am Anfang. Sie müssen das Juniorenhockey abstreifen, dafür muss man ihnen aber auch die Zeit geben.» Die Playoffs seien dabei ein Teil der Entwicklung. «Man muss auf ein Ziel wie dieses hinarbeiten, den Fokus behalten können», betont Hager. «Und Playoffs selbst sind eine Erfahrung, die einen weiterbringt. Auch wenn sie nur drei oder vier Spiele dauern.»

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