Eishockey

Ein bedenklicher Auftritt

Die Rapperswil-Jona Lakers wurden in der zweitletzten Runde der Qualifikation gestern im eigenen Stadion von Thurgau vorgeführt und bezogen mit dem 2:7 die zweithöchste Niederlage seit dem Abstieg in die NLB.

Bezeichnend: Die Lakers-Spieler (links Niki Altorfer, daneben Steve Mason) stehen im Schilf, Thurgaus Jens Nater zieht mit dem Puck davon.

Bezeichnend: Die Lakers-Spieler (links Niki Altorfer, daneben Steve Mason) stehen im Schilf, Thurgaus Jens Nater zieht mit dem Puck davon. Bild: Tom Oswald Fotografie

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War es das ungewohnte Trikot, das sie anlässlich der «Ladies Night» trugen? War es der Respekt vor dem Viertelfinal-Duell gegen Meister Ajoie? (Diesem können die Rosenstädter nun mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Weg gehen, indem sie am Sonntag das abschliessende Spiel der Qualifikation in Martigny verlieren.) Oder was war sonst der Grund für diesen blamablen Auftritt des SCRJ im letzten Heimspiel vor den Playoffs, vor der Saisonrekordkulisse von 3234 Zuschauern in der SGKB-Arena notabene?

Die ersten zwei, zugegebenermassen sehr provokativen Fragen quittierte Captain Antonio Rizzello mit einem leicht gequälten Lächeln. «Diese Niederlage auf das Trikot zu schieben, wäre etwas gar billig.» Zum Thema Ajoie hielt er fest: «Gut, ich kann nicht in die Köpfe meiner Teamkollegen hineinschauen, aber aus meiner Sicht war es so, dass wir dieses Spiel unbedingt gewinnen wollten.» Bei der dritten Frage anknüpfend gestand Rizzello schliesslich, dass für ihn der schwache Auftritt auch nur schwer nachvollziehbar sei: «Ich bin ehrlich gesagt ziemlich sprachlos. Spielen wir so in den Playoffs, sehe ich schwarz. Das Powerplay war eine Katastrophe. Dazu verloren wir fast jeden Zweikampf und produzierten haufenweise Fehler.» In der Kabine habe eine Aussprache stattgefunden. Dabei seien klare Worte gefallen. «Jeder muss in den Spiegel schauen, überlegen, was er besser machen kann. Es kam mir so vor, als schaue jeder, was der andere macht, statt selber zu agieren. Am Sonntag und vor allem danach in den Playoffs muss von jedem mindestens 10 Prozent mehr kommen.»

Komplett neben den Schuhen

Die unerwartete Kanterniederlage zeichnete sich früh ab. Nicht einmal in Überzahl vermochten die Lakers im ersten Drittel für Torgefahr zu sorgen – später wurde das Powerplay leicht besser, brachte aber erst etwas ein, als es nichts mehr nützte. Und hinten waren die Gastgeber oft nur Zuschauer, erledigten vor allem direkt vor dem eigenen Gehäuse in die Abwehrarbeit viel zu wenig konsequent.

Die ersten fünf sowie der letzte Thurgauer Treffer waren insgesamt mehr dem mangelhaften Defensivverhalten der Heimmannschaft geschuldet als wirklich zwingenden Angriffsaktionen. Was die Gäste aber auszeichnete: Sie spielten beherzt und nutzten die Freiheiten ziemlich konsequent. Das 1:0 erzielte Mike Vaskivuo aus dem Gewühl vor Melvin Nyffelers Gehäuse heraus (7.). Beim 2:0 konnte Andri Spiller fast unbedrängt einen Konter abschliessen (9.), ehe Patrick Parati die Scheibe kurz vor der ersten Pause zum 3:0 über die Linie «würgte» (19.). Bei Thurgaus viertem Streich hatte Spiller im Slot alle Zeit der Welt (39.), beim fünften kam Vaskivuo ungestört zum Nachschuss (43.).

Starker Janick Schwendener

Die Partie war damit längst entschieden. Es stellte sich einzig noch die Frage, ob der vom SCRJ an Thurgau ausgeliehene Goalie Janick Schwendener, der an diesem Abend einen bestechend sicheren Eindruck hinterliess, den verdienten Shutout würde feiern können. Reto Schmutz lieferte rund zehn Minuten vor Schluss mit dem 1:5, erzielt aus spitzem Winkel, die Antwort.

Kurz vor Spielende traf auch noch Topskorer Dion Knelsen – in Überzahl zum 2:6. Den sechsten Treffer der Gäste hatte zuvor deren «Gelb-Helm» Eric Arnold in doppelter Überzahl markiert.

Wenigstens gut gesungen

Das zuvor fehlende Engagement und Herzblut zeigten die Lakers nach Spielschluss, als es darum ging, den Fans für ihre Treue und Unterstützung während der Qualifikation zu danken. Dazu gab die Mannschaft – nach entschuldigenden, aufrichtigen Worten von Captain Rizzello – den Song «We will rock you» zum Besten, wobei sich vor allem die beiden Leadsänger Ryan McGregor und Dion Knelsen mächtig ins Zeug legten und einiges Talent bewiesen.

Die schöne, aufgrund der Umstände an diesem Abend letztlich aber auch etwas seltsam anmutende Aktion wurde von einem Fernsehteam begleitet und wird im März als Beitrag in der neuen SF-Samstagabendshow «Ich schänke dir es Lied» zu sehen sein. (zsz.ch)

Erstellt: 11.02.2017, 11:54 Uhr

Telegramm

National League B

SCRJ Lakers – Thurgau 2:7 (0:3, 0:1, 2:3)

SGKB-Arena. 3234 Zuschauer (Saisonrekord). SR Staudenmann/Urban, Fuchs/Stuber.
Tore: 7. Vaskivuo (Arnold, Wollgast) 0:1. 9. Spiller (Nater, Aeschlimann) 0:2. 19. Parati (Arnold, Vaskivuo) 0:3. 39. Spiller (Aeschlimann) 0:4. 43. Vaskivuo (Spiller, Aeschlimann) 0:5. 51. Schmutz (Vogel) 1:5. 57. Arnold (Vaskivuo, Wollgast/Ausschlüsse Schmutz, Knelsen) 1:6. 59. Knelsen (Mason, Gurtner/Ausschluss Wieser) 2:6. 60. (59:37) Aeschlimann (Spiller, Wollgast) 2:7.
Strafen: 5×2 gegen die Rapperswil-Jona Lakers, 8×2 gegen Thurgau.
Rapperswil-Jona Lakers: Nyffeler; Profico, Grossniklaus; Sataric, Maier; Auriemma, Blatter; Guerra, Gurtner; Casutt, Knelsen, Hügli; Rizzello, Aulin, McGregor; Altorfer, Mason, Hoffmann; Schmutz, Vogel, Hüsler.
Thurgau: Schwendener; Gossweiler, Wollgast; Parati, Forrer; Nater, Rampazzo; Seiler, Bucher; Vaskivuo, Brunner, Arnold; Spiller, Aeschlimann, Wyss; Schläpfer, Küng, Engler; Rohner, Bahar, Wieser.
Bemerkungen: Rapperswil-Jona Lakers ohne Brandi, Frei, Geyer, Zanzi (alle verletzt), Bader, Schaub, Studer (alle überzählig) und Sieber (Chur); Thurgau ohne Andersons, Himelfarb und Glauser (alle verletzt). 41. Lattenschuss Sataric.
Schüsse: 30:31 (14:12, 8:10, 8:9).

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