Eishockey

«Bin allen Wegbegleitern unendlich dankbar»

Die SC Rapperswil-Jona Lakers feiern am Freitag ihren 75. Geburtstag. VR-Präsident Konrad Müller sieht die Organisation vom Obersee sehr solid aufgestellt.

Gut gelaunt: Verwaltungsratspräsident Konrad Müller bereitet sein Engagement bei den SC Rapperswil-Jona Lakers viel Freude. <i>Bild: Markus Timo Rüegg</i>

Gut gelaunt: Verwaltungsratspräsident Konrad Müller bereitet sein Engagement bei den SC Rapperswil-Jona Lakers viel Freude. Bild: Markus Timo Rüegg

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Mittwoch, 17. Januar 1945: Im Hotel «Freihof» treffen sich die eishockeybegeisterten Willy, Josef und Walter Helbling und gründen mit sieben Gleichgesinnten den Schlittschuhclub Rapperswil. Über die Jahrzehnte hat sich aus dem Verein ein Eishockey-Unternehmen mit nationaler Ausstrahlung entwickelt, das pro Saison rund 12 Millionen Franken umsetzt, gegen 60 Festangestellte beschäftigt, über 300 Junioren ausbildet und auf die Unterstützung tausender Fans zählen kann.

Die Geschichte der SC Rapperswil-Jona Lakers – so heisst die Organisation seit Sommer 2015 – ist geprägt von zahlreichen Höhepunkten, aber auch Enttäuschungen. Unvergessen bleibt der erstmalige Aufstieg in die höchste Spielklasse im Frühjahr 1994, ebenso der Cupsieg in der Saison 2017/18 gefolgt vom Wiederaufstieg. Die wohl bittersten Stunden waren mit dem Abstieg in die Swiss League im Frühjahr 2015 verbunden, just als das 70-jährige Bestehen gefeiert werden konnte.

Es folgte das grosse Ausmisten, zwischenzeitlich drohte den Lakers wegen finanzieller Altlasten sogar das Aus. «Tempi passati», sagt Konrad Müller dazu. Der 64-jährige Glarner sitzt seit 2012 im Verwaltungsrat der Lakers Sport AG, seit dem Frühjahr 2015 präsidiert er diesen. Obwohl die Abstiegsgefahr auch jetzt besteht, hält Müller ein ähnliches Fiasko wie damals für ausgeschlossen.

Konrad Müller, als die Lakers gegründet wurden, waren Sie noch nicht geboren. Seit wann verfolgen Sie die Geschichte des Klubs?
Seit circa 30 Jahren. Erste Be-rührungspunkte gab es wegen der Zusammenarbeit mit dem Glarner EC, den ich damals präsidierte.

Was ist Ihre erste Erinnerung an den SCRJ?
Erstmals so richtig erlebt habe ich den Klub, oder, besser gesagt, die erste Mannschaft 1994 beim Aufstieg in die Nationalliga A. Ich war damals mit Kollegen aus Glarus in der Halle.

Gab es andere Ereignisse oder Spieler, die Ihnen in spezieller Erinnerung geblieben sind?
Ich kann mich gut an Spieler wie Mike Richard oder Stacy Roest erinnern. Eingeprägt hat sich zudem der Aufstieg 2018. Für mich war das die schlimmste Zeit, und nicht etwa jene vor und nach dem Abstieg 2015. Während dieser zweieinhalb Wochen in der Ligaqualifikation gegen Kloten konnte ich kaum mehr schl afen, so gross war die Aufregung.

Heute feiern die Lakers ihren 75. Geburtstag. Was bedeutet dieser Tag für Sie – und den Verein?
75 Jahre bedeuten ja, dass eine lange Geschichte dahintersteckt und zig Personen unglaublich viel Energie und Zeit investiert haben. Nur dank all dieser Leute können die Lakers nun dieses Jubiläum feiern. Deshalb bin ich – das möchte ich betonen – allen Wegbereitern unendlich dankbar.

In welchem Zustand befinden sich die Lakers zum Jubiläum?
In einem sehr guten. Die Organisation steht auf einem sehr soliden Fundament. Und das ist die Basis, um darauf etwas aufzubauen – woran wir momentan sind, Schritt um Schritt, immer mit den Finanzen im Auge.

«Wir haben aus den Fehlern von damals gelernt».

Die Fans müssen sich also keine Sorgen machen, dass sich das Fiasko von 2015 wiederholen könnte? Immerhin besteht auch aktuell eine gewisse Abstiegsgefahr.
Klar, die Abstiegsgefahr besteht. Und das ist unangenehm. Wir wären aber auch für diesen Fall vorbereitet. Sorgen zu machen, brauchen sich die Fans nicht. Wir haben aus den Fehlern von damals gelernt, sind heute auf allen Ebenen ganz anders, viel besser aufgestellt. Dies kam nicht über Nacht, sondern Schritt für Schritt, durch viel gute Arbeit. Der Aufstieg 2018 war kein Zufall, er wurde durch eine Strategie ermöglicht, die konsequent umgesetzt wurde.

Worauf sind Sie in Zusammenhang mit den Lakers besonders stolz?
Dass sie mittlerweile eine sehr solid arbeitete und gut aufgestellte Firma sind. Weniger von Stolz als von einer riesigen Freude möchte ich im Zusammenhang mit dem Cup-Triumph von 2018 sprechen, dem ersten nationalen Titel der Lakers.

Was sind die grössten Probleme oder Sorgen, mit denen sich die Lakers aktuell konfrontiert sehen?
Am meisten Sorge bereitet mir eigentlich, dass wir uns in einer Branche bewegen, in der vielerorts sehr unvernünftig geschäftet wird. Die Spielerlöhne werden immer weiter nach oben getrieben – was es uns erschwert, gute Spieler zu verpflichten.

Haben Sie Hoffnung, dass sich dies in absehbarer Zeit ändert?
Nein, die habe ich nicht.

Das heisst ja dann, dass die Lakers dieses Spiel bis zu einem gewissen Grad mit- machen müssen, wenn sie sich längerfristig in der National League etablieren wollen?
Unser Ziel ist und bleibt es, uns aus dem Kerngeschäft heraus zu finanzieren. Um uns weiter zu verbessern, gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens: Die zur Verfügung stehenden Mittel noch effizienter einsetzen. Zweitens: Mehr Einnahmen generieren. Extrem hilfreich wäre da ein höherer Zuschauerschnitt. Wenn ich mir zum 75. Geburtstag der Lakers etwas wünschen darf, dann – neben drei Punkten im Jubiläumsspiel – einen Zuschauerschnitt von 5500.

«Ganz wichtig ist, dass die Leute sehen, dass wir uns entwickeln.»

Aktuell liegt er bei 4200, der tiefste Wert der National League. Was braucht es, damit es mehr Matchbesucher werden?
Ganz wichtig ist, dass die Leute sehen, dass wir uns entwickeln. Gut, wir sind Tabellenletzter, haben aber schon jetzt mehr Punkte auf dem Konto als vergangene Saison, sind also näher an die Konkurrenz herangerückt. Das spüren die Leute. Wir müssen aber auch noch mehr dafür tun, dass der Funke besser überspringt. Daran arbeiten wir. Wir machen uns Gedanken darüber, wie wir die Erlebniswelt rund um das Spiel verbessern können. Denn in der heutigen Zeit muss ein Besuch eines Spiels ein Event sein.

Was wollen Sie als SCRJ-Präsident unbedingt noch umsetzen?
Es gibt grosse Projekte – Stichwort Lido-Umbau oder Trainingshallen-Neubau – die ich zu einem erfolgreichen Abschluss bringen will. Zudem will ich unseren Plan, der vorsieht, die Lakers an den Punkt zu bringen, an dem sie die Playoff-Qualifikation schaffen, bis zum Schluss weiterziehen.

Wo sehen Sie die Lakers in 25 Jahren, bei ihrem 100. Geburtstag?
Huch, das ist ein langer Zeithorizont. Ich bin absolut überzeugt, dass es die Lakers auch in 25 Jahren noch geben wird. Ich könnte mir aber vorstellen, dass dann nicht mehr im Lido an bester Wohnlage Eishockey gespielt wird, sondern die Sportanlagen gebündelt an anderer Stelle, vielleicht im Grünfeld, stehen werden.

Erstellt: 16.01.2020, 19:41 Uhr

Riesige Choreo als Geburtstagsgeschenk

Die SC Rapperswil-Jona Lakers und ihre Fans haben sich fürs heutige Jubiläumsspiel zum 75. Geburtstag im eigenen Stadion einiges einfallen lassen. Mit einer riesigen Choreo wird der Abend eingeläutet. Da alle Matchbesucher eingebunden sind, wünscht sich die organisierende 45er-
Fanbewegung ein frühzeitiges Erscheinen (19.20 Uhr). Um 19.45 Uhr wird das Zürichsee-Derby gegen die ZSC Lions angepfiffen. Die Lakers bestreiten das Duell gegen den Leader der National League in (werbefreien) Retro-Trikots, die später versteigert werden. Direkt nach der Partie startet im Umgang der SGKB-Arena eine Party mit DJ Thom Miller und Bars. Die ganz grosse Feier zum 75-jährigen Bestehen der Lakers findet am 15./16. Mai statt. Es ist quasi die Wiederauferstehung des legendären SCRJ-Festes. (su)

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