Handball

Turbulenter Herbst am Zürichsee

Auf die Festtage hin haben sich die Herbststürme in den Handballhallen am Zürichsee gelegt. Die Lakers Stäfa holten vom HC Wädenswil Ferenc Panczel als Trainer, Pedja Milicic ging den umgekehrten Weg. In Horgen traten Sportchef und Assistenztrainer zurück. Und die Unschlagbaren aus Küsnacht verloren ihre weisse Weste.

In Schieflage geraten sind diesen Herbst sowohl die Horgner um Jonas Affentranger (rot) als auch die Lakers Stäfa von Nicola Brunner.

In Schieflage geraten sind diesen Herbst sowohl die Horgner um Jonas Affentranger (rot) als auch die Lakers Stäfa von Nicola Brunner. Bild: André Springer

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Ein veritables Sommermärchen schrieb Kai Klampt aus Horgen. Der Sohn einer Japanerin sandte dem neuen japanischen National­trainer Dagur Sigurdsson eine E-Mail, um sich für die Olympischen Spiele 2020 ins Gespräch zu bringen. Der Isländer lud den 19-Jährigen tatsächlich zu einem Trainingslager nach Tokio ein.Linkshänder Klampt, der in seiner ersten Saison bei den Ak­tiven zwischen dem NLB-Team Horgens und der in der 1. Liga spielenden Equipe von GC Amicitia hin und her pendelt, träumt weiterhin von einer Olympia­teilnahme im Land seiner Mutter. Momentan gehört er jedoch erst der U21-Auswahl Japans an.

Erste dunkle Wolken zogen am rechten Ufer auf. Zum Saison­auftakt kamen die Lakers Stäfa bei Liganeuling Stans nur zu einem äusserst glücklichen 31:30-Sieg. Der selbst ernannte Aufstiegskandidat erzielte dabei aber eigentlich bloss 30 Treffer – wie aus dem Video klar hervorgeht. In der Verwirrung um einen Platzverweis für Lukas Maagin der 10. Minute wurde Mikkel Madsen von den Zeitnehmern ein Phantomtor zugeschrieben.

Die Lakers fanden dadurch jedoch nicht zur Ruhe. Anfang Oktober – nach lediglich vier Runden und zwei Niederlagen gegen Siggenthal und Birsfelden – musste Pedja Milicic den Hut nehmen. Als Interimstrainer sprang René Barth ein. Unter dem Alt-Internationalen holten die Gelbschwarzen aus sechs Partien acht Punkte. Die Integration der beiden Japaner Kenya Hara und Michihito Yada gestaltete sich schwierig. Zumal die beiden von ihrem Arbeitgeber Wakunaga nach Europa entsandten Asiaten zu Beginn weder Englisch noch Deutsch sprachen.Gut einen Monat später kam es auch im Staff des HC Horgen zu Rochaden.

Die Lakers Stäfa liegen sechs Punkte hinter den Playoff-, Horgen deren vier vor den ­Abstiegsplätzen.

Trainer Zsolt Györi blieb zwar im Sattel. Nach der 21:39-Niederlage – der sechsten in Serie – gegen den RTV Basel traten Sportchef Walter «Wädi» Müller und Assistenztrainer Markus «Mäc» Gretler zurück. Sportlich zahlte sich diese Massnahme aus. Die Linksufrigen stiessen dank vier Siegen in Folge in die vordere Tabellenhälfte vor. Doch die junge Equipe des HCH vermochte diese Pace nicht bis zum Jahresende durchzuhalten. Zum Abschluss der Vorrunde ging sie gegen die Mittelfeldklubs Altdorf und Biel leer aus und rutschte auf Platz 11 ab. Das ­Polster auf die Abstiegsplätze beträgt lediglich vier Zähler.

Die Stäfner wurden derweil auf der Trainersuche in Wädenswil fündig. Ferenc Panczel, der den NLB-Absteiger erst im Juni übernommen hatte, wechselte Ende November auf die andere Seeseite. In den drei verbleibenden Partien gewannen die Lakers in Möhlin überzeugend, gingen in Biel unter und verlangten Leader Basel alles ab.

Die Rückrunde werden sie am 27. Januar von Platz 5 aus in Angriff nehmen. Zum Tabellenzweiten STV Baden, der momentan für die Aufstiegs-Playoffs qualifiziert wäre, beträgt die Hypothek sechs Punkte. Die Verantwortlichen tun allerdings gut daran, zuerst eine solide Basis zu legen, bevor eine Rückkehr in die Nationalliga A wieder ein Thema sein kann.

Und wie reagierte der HC Wädenswil auf den Abgang seines Trainers? Der Tabellenführerder 1. Liga, Gruppe 2, machte die Rochade perfekt und verpflichtete Pedja Milicic. Der Bosnierist zwar weiterhin in der Nachwuchsabteilung Stäfas tätig, nimmt mit dem HCW am ersten Januar-Wochenende aber die Finalrunde in Angriff. Der direkte Wiederaufstieg in die Nationalliga B wäre keine Überraschung. Stolpersteine liegen jedoch einige im Weg.

Ins Straucheln geraten sind diesen Herbst die Unbesiegbaren. Erst auf die Saison 2015/16 war der HC Küsnacht gegründet worden. Die ehemaligen Nationalliga-Spieler um Simon Massari fegten wie ein Wirbelsturm ohne Niederlage durch die 4. und die 3. Liga. Vor Jahresfrist sorgten sie zudem im Schweizer Cup für Furore, wo sie erst im Viertelfinal vom nachmaligen NLA-Aufsteiger Endingen gestoppt wurden. In der 2. Liga endete die Siegesserie des HCK in der 5. Runde beim 24:32 gegen die SG Kloten / Rorbas. Weihnachten feiern die alten Herren auf Platz 2.

Ein Weihnachtsgeschenk erhielten die von Verletzungssorgen geplagten Lakers Stäfa diese Woche. Der 19-jährige Ramon Schlumpf aus Feldmeilen erfüllt seinen bis 2019 laufenden Vertrag beim Seeklub, obwohl er ein Angebot aus der Nationalliga A vorliegen hatte. Der dem erweiterten Kreis der U21-Nationalmannschaft angehörende Flügelspieler verspricht sich auf dem Frohberg mehr Spielanteile. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.12.2017, 11:34 Uhr

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