Handball

Physis und Tempo immer wichtiger

Am Final-Wochenende der WM in Deutschland und Dänemark nehmen die NLB-Klubs den Meisterschaftsbetrieb wieder auf. Die Trainer der beiden Seeklubs versuchen ihre auf internationalem Parkett gewonnenen Erkenntnisse in den Trainingsalltag einfliessen zu lassen.

Ferenc Panczel (links) strebt mit den Lakers Stäfa den Einzug in den Playoff-Final an. Pedja Milicic muss sich mit der SG Wädenswil/Horgen gegen hinten orientieren.

Ferenc Panczel (links) strebt mit den Lakers Stäfa den Einzug in den Playoff-Final an. Pedja Milicic muss sich mit der SG Wädenswil/Horgen gegen hinten orientieren. Bild: Michael Trost/André Springer

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In einem Punkt, auf den beide keinen Einfluss haben, sind sich Pedja Milicic und Ferenc Panczel einig. Selbst die weltweit besten Schiedsrichter sind mit der rasanten Entwicklung des Handball-Sports an ihre Grenzen gestossen. Milicic, der eben die Ausbildung zum EHF Master Coach erfolgreich abgeschlossen hat, berichtet von einem Video, das in jenem Kurs gezeigt wurde, welches dies exemplarisch veranschauliche: «Vor 20 Jahren konnte man auch mit einem Bauch internationale Spiele pfeifen. Heute geht alles so schnell, dass auch die fittesten Duos kaum mehr mitkommen.»

«Das Niveau an der WM ist weit weg von jenem in der Schweiz.»Ferenc Panczel

Abhilfe könnte gemäss dem Trainer der SG Wädenswil/Horgen ein dritter Schiedsrichter schaffen. «Sechs Augen sehen einfach mehr – etwa das Stürmerfoul des Deutschen Jannik Kohlbacher in der Schlussphase gegen Kroatien», sagt der Bosnier.Milicic hat auch festgestellt, dass die Teams in Unterzahl primär versuchen, möglichst viel Zeit verstreichen zu lassen und erst dann den Abschluss suchen. «Da müsste man sich überlegen, analog zum Basketball eine «‹hot clock› einzuführen», meint der 42-Jährige. Eine weitere Möglichkeit sähe er darin, bei Spielunterbrüchen immer die Zeit anzuhalten. «Das sind aber sehr komplexe Fragen», hält Milicic fest.

Zu viele Zeitstrafen

Ebenfalls eine Beobachtung bezüglich der Zeitstrafen hat Ferenc Panczel gemacht: «Das Stossen von der Seite wird extrem hart bestraft.» Diene dies dem Schutz der Gesundheit des Angreifers, sei er damit absolut einverstanden. Zu oft würden aber Sanktionen für geringfügige Verfehlungen verhängt. «Würden die Schiedsrichter diese Linie voll durchziehen, könnte kaum mehr ein Team in Vollbestand agieren», erklärt der Trainer der Lakers Stäfa.

Der 40-jährige Ungare hat zudem beobachtet, dass das Geschehen auf dem Platz von immer höherem Tempo und grösserer Physis geprägt ist. «Das Niveau ist weit weg von jenem in der Schweiz.» Panczel sieht sich im Setzen seiner bisherigen Schwerpunkte bestätigt. Er hatte die Stäfner schon im Sommer intensiv an ihrer Physis arbeiten lassen. Auch in der Vorbereitung auf den zweiten Teil der Meisterschaft schob der Lakers-Trainer einen zweiwöchigen Athletikblock ein.

Barth vor Rückkehr

«Die Pause über Weihnachten hat uns gutgetan, jetzt sind wir bereit», konnte Panczel nach dem Testspiel Ende letzter Woche gegen Kreuzlingen konstatieren. Zur Pause lagen die Stäfner gegen den Erstligisten erst 18:16 vorne, ehe ein 40:29-Sieg resultierte. «Die zweite Halbzeit war sehr gut», zeigte sich Panczel zufrieden. Abgesehen von einzelnen Spielern, die sich mit Erkältungen herumplagen, kann er praktisch aus dem Vollen schöpfen.

«Sechs Augen sehen einfach mehr.»Pedja Milicic

Goalie Patrick Murbach steht ihm wieder vollumfänglich zur Verfügung. Louis Barth hat seine im November erlittene Hirnerschütterung so weit auskuriert, dass er wieder individuell trainieren kann. Zweikämpfe sind für den 25-Jährigen aber noch nicht möglich. «Wir brauchen ihn als Kreisläufer und Verteidigungsspezialisten, wollen aber keinen Druck aufsetzen», sagt Panczel, der hofft, in einem Monat wieder auf Barth zählen zu können.

Heimspiele zum Auftakt

Der im Sommer scheidende Trainer hat sich mit dem Team zum Ziel gesetzt, Platz 2 zu verteidigen. Dieser würde zur Teilnahme am Aufstiegs-Playoff – mutmasslich gegen Endingen – berechtigen. «Der Final zum Abschluss meiner Zeit in Stäfa wäre schön», sagt Panczel. Fünf Punkte beträgt das Polster der Lakers auf das drittplatzierte Möhlin. Zum Auftakt am Samstag empfangen die Gelb-Schwarzen den Tabellenvorletzten Altdorf.

Ebenfalls am Samstag trägt die SG Wädenswil/Horgen ihren ersten Ernstkampf des Jahres aus. Auf Platz 9 müssen sich die Linksufrigen aber eher gegen hinten orientieren. Nur drei Punkte liegen sie über dem Strich. Und mit den Kadetten Espoirs bekommen sie zuerst einen äusserst schwierig einzuschätzenden Gegner vorgesetzt.

«Der Final zum Abschluss meiner Zeit in Stäfa wäre schön.»Ferenc Panczel

Im Kampf um den Ligaerhalt sei Kontinuität gefragt, erklärt Pedja Milicic. Sich zurückzulehnen nach einigen guten Auftritten, liege nicht drin. «Wir müssen die ganze Saison hindurch gut arbeiten.» Die Horgner in seinem Team haben in der vergangenen Saison auf unangenehme Art und Weise erlebt, wie schnell sich die Negativspirale plötzlich drehen kann. Zu ihnen zählt auch Andrija Kasalo, der hernach eine Pause einlegte. Nun kehrt der 25-Jährige ins Tor zurück, weil es Jonas Steiner aus Studiengründen nach Australien verschlagen hat.

Nach der Bildung der Spielgemeinschaft hätten die Spieler inzwischen ihren Platz in der Mannschaft gefunden. «Die Rollen sind geklärt», sagt Milicic, der hervorhebt, dass seine Equipe verschiedentlich mit Teams aus der vorderen Tabellenhälfte mithalten konnte. «Weil wir uns immer noch in der Phase der Stabilisierung befinden, kann ich nicht zu viel Neues bringen – auch wenn mich die WM dazu inspiriert hat.»

Erstellt: 25.01.2019, 10:47 Uhr

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