Handball

«Olympia ist jetzt mein Ziel»

Als japanisch-schweizerischer Doppelbürger hofft Kai Klampt auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Aktuell spielt der 19-jährige Linkshänder mit seinem Stammklub Horgen in der Nationalliga B und absolviert ein Praktikum, ehe er im kommenden Herbst ein Studium beginnen will.

Im Café Piccolino in Horgen trinkt Linkshänder Kai Klampt seinen Kaffee mit rechts.

Im Café Piccolino in Horgen trinkt Linkshänder Kai Klampt seinen Kaffee mit rechts. Bild: Manuela Matt

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Sie haben einen Café crème bestellt. Was mögen Sie daran?
Kai Klampt: Das ist mein zweiter heute Morgen (es ist 9 Uhr; Red.). Ich habe schon zu Hause neben einem Shake einen Kaffee getrunken. Früh etwas zu essen, bereitet mir Mühe, lieber verputze ich zum Znüni zwei, drei Sandwiches.

Ist Kaffee auch Ihr ­Lieblingsgetränk?
Nein. Auf den Geschmack gekommen bin ich wegen Caféglace, aber am meisten trinke ich Wasser.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?
Asiatisch. Neben den japanischen Gerichten meiner Mutter mag ich auch chinesisch oder thailändisch.

Können Sie asiatische Gerichte auch selbst zubereiten?
Können schon und zusammen mit Freunden koche ich auch gerne. Wegen des Handballs fehlt mir aber oft die Zeit dazu, da ich zweimal pro Woche mit dem NLA-Team von GC Amicitia und dreimal mit Horgen trainiere.

Inwiefern achten Sie als Sportler auf die Ernährung?
Heute mehr als früher. Zu Gymizeiten musste es einfach billig sein und stopfen.

Womit bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt?
Ich habe im Sommer am MNG Rämibühl die Matura abgelegt mit Schwerpunkt Biochemie. Jetzt mache ich ein Praktikum bei der Oetiker AG im Oberdorf in Horgen. Dort arbeite ich 60 Prozent, habe am Donnerstag also schon Wochenende. (lacht)

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Bei meinen Grosseltern haben wir den Final einer Handball-EM oder -WM am Fernseher geschaut. Deutschland war dabei, das weiss ich, weil mein Grossvater Deutscher ist. Aber wann das war, keine Ahnung.

Wie sind Sie zum Handball ­gekommen?
Mein Vater hat schon in Horgen gespielt. Ich rannte als Knirps in der Waldegg an der Seitenlinie mit oder sass auf dem Bänkli. Dem Klub beigetreten bin ich als Siebenjähriger, weil ein älterer Kollege dort trainierte.

«Wirtschaft und Biochemie sind  meine Favoriten.»Kai Klampt

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Als mich im Frühsommer Dagur Sigurdsson, der Trainer der japanischen Nati, angerufen hat. Ich hatte ihm eine E-Mail geschrieben, weil es mein Traum ist, an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio teilzunehmen. Dabei hätte ich den Anruf fast nicht entgegengenommen, weil mir die angezeigte Nummer unbekannt war und ich dachte, es sei ein Callcenter. Und dann habe ich fast kein Wort herausgebracht.

Was hat er zu Ihnen gesagt?
Er hat mich in ein zweiwöchiges Trainingscamp im Juli nach Tokio eingeladen. Dort gibt es ein riesiges Trainingscenter. Und der japanische Verband hat alles bezahlt. Das Medieninteresse in Japan war erstaunlich gross, beim Abschlusstraining und einem Testspiel gegen Südkorea waren mehrere Fernsehteams dabei.

Wie geht es nun weiter?
Im August hätte ich eigentlich mit Japan an die U19-WM nach Georgien reisen sollen. Wir waren aber zu spät dran, um mich zu melden. Jetzt gehöre ich dem U21-Kader an und werde nächsten Sommer für Trainingszusammenzüge ein, zwei Monate in Tokio sein.

Dann ist die Olympiateilnahme weiterhin Ihr Traum?
Nein, jetzt ist sie mein Ziel.

Und welches war die grösste Enttäuschung Ihrer noch jungen Karriere?
Verletzungen, die mich zurückwarfen – gleich zweimal, als ich in einem Hoch war. Als Junior waren wir in einem Trainingslager in Ungarn, als ich mir den Daumen der Wurfhand ausrenkte und zwölf Wochen aussetzen musste. Dafür traf ich im Spital Laszlo Nagy (der ungarische Rückraumspieler gewann mit Barcelona zweimal die Champions League; Red.). Und letzte Saison konnte ich im Rückraum mehr Verantwortung übernehmen, weil unser Regisseur ausfiel. Da war mein Meniskusriss im Knie besonders bitter.

Mit welchen Erwartungen ­nehmen Sie das Heimspiel am Samstag gegen Siggenthal in Angriff?
Da muss ein Sieg her. Wir sind schlecht in die Saison gestartet. Trotz der sportlichen Krise war die Stimmung im Team nie schlecht. Die Rücktritte von Assistenztrainer Markus Gretler und Sportchef Wädi Müller hatten allen klargemacht, dass es ernst gilt. Wir arbeiteten im Training fokussierter und feierten prompt zwei Siege. Diesen Flow wollen wir ausnützen.

Sie standen am Sonntag mit GC Amicitia gegen Wädenswil auch in der 1. Liga im Einsatz. Sind diese zusätzlichen Spiele keine Belastung?
Doppeleinsätze an einem Wochenende sind schon hart, aber es macht auch Spass. Wir sind bei Ami ein junges Team, kennen uns fast alle von den Junioren. Ich bekomme viel Einsatzzeit, stehe nicht unter Druck und kann Dinge ausprobieren.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
Zehn Minuten. Wenn ich die Haare nicht machen muss, weil ich ein Cap anziehe, dann weniger. Aber für meine Arbeit bei Oetiker, wo alle einen Anzug tragen, geht das nicht. (schmunzelt)

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Mit Aaron Rodgers, dem Quaterback der Green Bay Packers. Ich würde gerne mal in den Körper des American Footballer schlüpfen, wenn er ein Spiel hat. Fast jeden Sonntagabend schaue ich mir NFL-Partien an.

Welche Person bewundern Sie?
Nelson Mandela. Er hat immer weitergekämpft, auch all die Jahre, die er im Gefängnis war. Aufgeben ist einfach keine Option – das gilt auch für mich.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
Alleine in Südafrika. In der Winterpause habe ich mir ausbedungen, dass ich für fünf Wochen nach Kapstadt gehen kann. Ich mag den Sommer und will mein Englisch verbessern. Mein Zwischenjahr nach der Matur will ich nicht nur für den Handball nutzen, sondern mich auch auf die Uni vorbereiten.

Haben Sie sich schon für ein Studienfach entschieden?
Das ist noch nicht klar. Wirtschaft an der Uni Zürich oder Biochemie an der ETH sind meine Favoriten.

Was macht Sie glücklich?
Wenn ich meine Familie und Freunde um mich habe. Es ist ein Privileg, wenn es allen Nahestehenden gut geht.

Was ärgert Sie?
Seit ich selbst Auto fahren kann, sind das Leute, die bei Tempo 50 nur 30 fahren.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Dann bin ich 29-jährig und habe meine Handballkarriere vielleicht schon beendet. Das Studium habe ich dann mit Sicherheit abgeschlossen und bin hoffentlich im Beruf erfolgreich. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 24.11.2017, 10:19 Uhr

Worum Gehts?

In der 10. NLB-Runde empfängt der HC Horgen morgen Samstag um 18.30 Uhr die HSG Siggen­thal / Vom Stein Baden in der Waldegg. Im Duell zweier Tabellennachbarn könnte der Seeklub die Aargauer von Rang 10 verdrängen und den Anschluss zum Mittelfeld herstellen. Dazu benötigt die Equipe von Zsolt Györi allerdings den dritten Sieg in Serie nach den Erfolgen über Schlusslicht Stans und die SG Yellow/Pfadi Espoirs. (db)

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