Handball

Neuanfang nach falschem Ehrgeiz

Die Stimmung im Team ist bei den Lakers so gut wie schon lange nicht mehr. Das hängt nicht bloss mit der neu gelb-schwarz gestrichenen Garderobe zusammen.

Ferenc Panczel wird bei Lakers Stäfa auch in der kommenden Saison als Cheftrainer fungieren.

Ferenc Panczel wird bei Lakers Stäfa auch in der kommenden Saison als Cheftrainer fungieren. Bild: Archiv Patrick Gutenberg

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Von einem «falschen Ehrgeiz» spricht Christian Rieger in der Analyse der vergangenen beiden Saisons in der Nationalliga B. Die Stäfner hatten den sofortigen Wiederaufstieg in die NLA proklamiert und waren gescheitert. «Das ist ja eigentlich das Schöne am Sport, dass die Rangliste nicht anhand des Budgets erstellt wird», bemerkt der neue VR-Präsident der GS Players AG, der in jener Phase bereits dem Verwaltungsrat angehörte, nicht ohne Sarkasmus. Es sei aber auch nicht alles schlecht gewesen seit dem Abstieg aus dem Oberhaus 2016.

Auf dem Frohberg ist nicht bloss eine neue Crew im Verwaltungsrat am Ruder. «Wir sind mehr Leute und können die Arbeit so auf mehr Schultern verteilen.» Damit einher ging auch ein Wandel in der Zielsetzung. Es wurde bewusst kein Rangziel definiert. «Beim Aufwand, den wir betreiben, gehören wir in die vordere Tabellenhälfte. Primär geht es darum, den Spielern und Trainern Zeit zu lassen, sich zu entwickeln. Führt uns dieser Weg zurück in die NLA, werden wir das nicht aufhalten, aber es ist nicht unser primäres Ziel», erklärt Rieger, der die NLB als Wundertüte bezeichnet.

«Frohberg 500»

Neben der sportlichen Entwicklung liegen dem neuen VR-Präsidenten, der die AG in ihr neuntes Jahr führt, zwei Bereiche besonders am Herzen. «Die Heimspiele der Lakers sollen zu einem Event werden und das Handballhaus Stäfa wieder näher zusammenrücken.» Unter dem Titel «Frohberg 500» soll die Zuschauerzahl, die zuletzt auf unter 300 gesunken war, wieder deutlich angehoben werden. Als Versuch wurde die Anspielzeit am Samstag auf 18 Uhr nach hinten verlegt. «Mit Ideen im Infrastrukturbereich wollen wir den Matchbesuch attraktiver gestalten», verrät Rieger.

Genauso wichtig ist dem 47-Jährigen, einst selbst Kreisläufer in Stäfa, die Identifikation der Spieler mit dem Klub. Gefallen hat ihm deshalb, dass die Equipe im Sommer die Garderobe in Gelb-Schwarz neu gestrichen hat. Das NLB-Team und der Verein mit der starken Nachwuchsabteilung werden laut Rieger ­wieder näher zusammenrücken. Demnächst wird die neue, ­gemeinsame Website aufge­schaltet.

Glücksfall Seitle

Nicht so recht ins Bild der Rückkehr zum Dorfverein passen will das Engagement zweier Japaner. «Ich sehe die Zusammenarbeit mit Wakunaga Leolic analog einer Städtepartnerschaft», relativiert Rieger. «Wir erhalten zwei gute Handballer, die uns nichts kosten und nur Positionen besetzen, auf welchen wir Lücken im Kader haben.» Denn: Zu wenige eigene Junioren, die um die Jahrtausendwende geboren wurden, weisen das Potenzial für die Nationalliga B auf. Die Stäfner haben deshalb ihre Fühler ausgestreckt. Mit Dominic Schwander (schon seit Januar im Kader) und Patrick Ponca konnten sie zwei Rückraumspieler aus dem Nachwuchs von GC Amicitia auf den Frohberg lotsen. Für Rieger ist auch klar, dass die Kontakte zu umliegenden Vereinen gepflegt werden müssen. Er gibt zu: «Jedes Jahr drei Junioren ins NLB-Kader zu bringen, ist ehrgeizig.» Heuer schafften diesen Sprung die beiden Goalies Ari Fueter und Severin Dürr, die ihre Spielpraxis allerdings bei Erstligist Uster (Fueter) respektive den U-19-Elitejunioren (Dürr) sammeln sollen. Die Einführung eines gemeinsamen Morgentrainings unter Ferenc Panczel soll die Kluft zwischen Nachwuchs und Fanionteam verringern.

Von einem Glücksfall spricht Christian Rieger in Bezug auf Philipp Seitle. Der 32-jährige Deutsche, der in den vergangenen drei NLB-Saisons für Horgen und Baden fast 500 Treffer erzielt hat, klopfte im Juni bei den Lakers an. Wie sich in den Testspielen und Trainings gezeigt hat, dürfte er jener Führungsspieler sein, der den Stäfnern zuletzt gefehlt hat. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 30.08.2018, 11:01 Uhr

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Lakers Stäfa

NLB-KADER 2018/19

Staff: Ferenc Panczel (Cheftrainer), Thomas Schmidt (Goalietrainer), Daniel Perisa (Teammanager), Conny Anderes (Physio).
Tor (4): Luca Frei (Jahrgang 1998), Patrick Murbach (93), Ari Fueter (99), Severin Dürr (2000).
Flügel (4): Francesco Ardielli (98), Nicola Brunner (89), Takayuki Koyasu (91), Ramon Schlumpf (98).
Rückraum (9): Moritz Bächtiger (2000), Mike Felder (94), Kenya Hara (93/JPN), Lukas Maag (91), Ólafur Ægir Ólafsson (95/ISL), Patrick Ponca (98), Dominic Schwander (98), Philipp Seitle (85/GER), Cédric Zimmermann (99).
Kreis (2): Louis Barth (93), Christian Vernier (91).
Zuzüge: Seitle (Baden/NLB), Koyasu (Wakunaga Leolic / JPN), Murbach (Frauenfeld/1.), Ólafsson (Valur Reykjavík / ISL), Ponca (GC Amicitia Zürich/1.), Ari Fueter, Severin Dürr (beide Junioren).
Abgänge: Mikkel Madsen (Midtjylland/3. DEN), Orhan Rizvan (?), Valentino Valentakovic (Karriere als Sprinter), Christoph Piske (Arbon/2.), Timothy Hüppi (SG Horgen/Wädenswil/1.), Jakub Cibere (Rücktritt), Florian von Wyl (Frauenfeld/1.).

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