Handball

«Ich werde nicht hektisch»

Im NLB-Spitzenkampf treffen am Samstagabend die verlustpunktlosen Lakers Stäfa und TV Endingen aufeinander. Lakers-Trainer Ferenc Panczel erklärt im Interview, was er in seiner knapp einjährigen Amtszeit auf dem Frohberg bewegt hat.

Ruhig aber bestimmt: Lakers-Trainer Ferenc Panczel gibt seinen Spieler Anweisungen.

Ruhig aber bestimmt: Lakers-Trainer Ferenc Panczel gibt seinen Spieler Anweisungen. Bild: Archiv André Springer

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Sie sind jetzt fast ein Jahr im Amt als Trainer der Lakers Stäfa. Wie lautet Ihre Bilanz?
Ferenc Panczel: Der Anfang war schwierig. Das Team, das ich Ende­ November 2017 übernahm, hatte zuvor anders trainiert, als ich es mache. Bestehende Abläufe konnte ich nicht völlig auf den Kopf stellen. Die Spieler haben aber schnell begriffen, dass ich voll auf Tempohandball setzen möchte. Unsere guten Resultate in dieser Saison haben ihren Ursprung in der bereits im Frühling geleisteten Arbeit.

Im Sommer konnten Sie erstmals die Vorbereitung nach Ihrem Gusto gestalten. Worauf haben Sie speziell Wert gelegt?
Auf das Physische und auch das Spielerische. Deshalb bestritten wir auch zehn Trainingsspiele. Ich konnte meine Ideen umsetzen. Umso schöner, dass dies auch sportlichen Erfolg gebracht hat. Man sagte mir, die Lakers hätten in der jüngeren Vergangenheit noch nie acht Spiele in Serie gewonnen (in der Saison 2007/08 gewann Stäfa als nachmaliger Aufsteiger in die Nationalliga A die ersten 14 Partien in der NLB; Red.).

Das Kader wurde auf diese Saison hin nur punktuell verändert. Der Zuzug von Philipp Seitle war wohl der wichtigste. Der Deutsche erzielt nicht nur viele Tore, er führt auch die Mannschaft auf dem Feld.
Es ist sicher ein Glücksfall, dass er zu uns kam. Wichtig war aber auch, dass andere wie Louis Barth grosse Fortschritte gemacht haben. An beiden Flügeln sind wir sehr stabil. Die Jungen Ramon Schlumpf, der fast in jedem Spiel fünf Tore erzielt, und Francesco Ardielli haben sich gut entwickelt. Und wenn es mal einem nicht läuft, springt gleich ein anderer ein. Das breite Kader unterscheidet uns von vielen anderen NLB-Teams, die einfach eine sehr starke Stammsechs haben.

«Ich bin stolz darauf, was wir bis jetzt miteinander erreicht haben.»
Ferenc Panczel

In der vergangenen Saison wirkte das Team oft verunsichert, hatte neben starken Auftritten auch miserable. Nun gibt es in den Partien noch immer Durchhänger; die Spieler bewahren aber die Ruhe und konnten bisher noch jeden Rückstand wettmachen. Ist das Ihrem psycho­logischen Geschick zu verdanken oder dem durch die Siege gewachsenen Selbstvertrauen?
Ich habe viele Gespräche mit den Spielern geführt, auch letzte Saison schon. Damit versuche ich, sie zu beruhigen. Wir besprechen, was wir machen wollen, wenn es brenzlig wird. Damit haben wir diese Phasen zwar nicht eliminiert, sie aber auf drei, vier Minuten verkürzt. Und ich bin ein ruhiger Typ, werde nicht hektisch, wenn wir in Rückstand sind. Man muss schauen, worauf eine Mannschaft anspricht. Un­sere Auftritte in den Trainingsspielen haben auch Sicherheit gegeben. Wir sahen, dass wir gut unter­wegs waren. Gute Mannschaften können schlecht spielen und trotzdem gewinnen.

Während der Nationalmannschaftspause gaben Sie dem Team einige Tage frei. Sie selbst machten einen Städtetrip nach Berlin. Haben Sie dort ein Handballspiel besucht oder ganz abgeschaltet?
Ich habe mich bewusst nicht um handballerische Belange gekümmert, sondern meine Batterien aufgeladen.

Kopfverletzungen scheinen im Handball zugenommen zu haben. Mit Mike Felder, der schon lange ausfällt, und zuletzt Goalie Patrick Murbach nach mehreren Kopftreffern sowie Kreisläufer Louis Barth nach einem Zusammenprall mit dem Badener Torhüter traf es auch drei Ihrer Spieler. Sind das Zufälle, oder sehen Sie einen Grund dafür?
Das war Zufall, es ist nicht schlimmer als früher. Handball ist zwar intensiver geworden, Goalies lebten wegen Kopftreffern aber schon immer gefährlich. Das mit Louis war ein Unfall. Was ich hingegen beobachte, in der Schweiz gibt es extrem viele Knieverletzungen. Viele Trainer setzen ihre knapp bemessene Zeit handballspezifisch ein und vernachlässigen das Lauf- und Krafttraining. Die NLA-Klubs in Zürich (Saalsporthalle; Red.) und Winterthur (Eulach; Red.) litten zudem unter den schlechten Hallenboden.

Die Lakers sind bisher vom Verletzungspech verschont geblieben. Welche Art von Prophylaxe haben Sie betrieben?
Kraft- und viele Laufeinheiten in Vorbereitung. Regelmässig absolvieren wir ein Präventionstraining, das ich aus Schweden mitgebracht habe. Die Spieler laufen dabei ohne Schuhe auf Mattenbahnen. In meinen 14 Trainerjahren gab es in meinen Teams nur einen einzigen Kreuzbandriss.

Nach acht Runden sind die Stäfner noch ohne Punktverlust. Als Trainer ortet man aber immer Steigerungspotenzial. Wo sehen Sie dieses?
Wir können noch kompakter decken­. Es ist zwar schon besser, aber zuletzt kassierten wir zweimal zu viele Gegentore. Auch im Umschaltspiel ist noch Luft nach oben. Im Angriff sind es Kleinigkeiten, etwa die 2:2-Situationen. Bei nur vier wöchentlichen Trainings fehlt einfach die Zeit, um schneller Fortschritte zu erzielen.

Vor der Saison wurde bewusst dar­auf verzichtet, ein Rangziel zu nennen. Hat sich das inzwischen geändert?
Nein, wir schauen von Spiel zu Spiel und sehen dann, wo wir im Mai stehen.

Nun kommt es zum Spitzenkampf gegen Leader Endingen. Wie sind die Surbtaler zu bezwingen?
Endingen ist Favorit und sicher die beste Mannschaft in der Liga mit routinierten, physisch starken Spielern sowie einem guten Torhüter. Wir werden unser Spiel machen, aufs Tempo drücken. Wir hoffen auf viele Zuschauer und eine tolle Stimmung in der Halle. Solche Spiele sind schön, die Kerze auf der Torte, wie wir in Ungarn sagen.

Ist es für Sie ein spezielles Spiel, weil auch Gästetrainer Zoltan Majeri aus Ungarn stammt?
Wir sprechen oft miteinander. Er hat vor kurzem gewitzelt, es sei ja schon lustig, dass die einzigen beiden verlustpunktlosen Teams der Liga einen ungarischen Trainer hätten.

Ihr Vertrag läuft Ende Saison aus. Die Stäfner Verantwort­lichen sind daran interessiert, ihn zu verlängern. Sie auch?
Wir sind im Gespräch, aber noch ist nichts entschieden. Mit der Ent­wicklung der Mannschaft bin ich sehr zufrieden. Ich bin stolz dar­auf, was wir bis jetzt mit­ein­an­der erreicht haben. Das Team funktioniert immer besser. Lukas Maag als Captain und Nicola Brunner übernehmen neben Philipp Seitle Führungsrollen, und die ganze Mannschaft zieht einfach mit. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.11.2018, 15:34 Uhr

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