Handball

«Ich fühle mich wertgeschätzt»

Einst spielte er vor 5000 Zuschauern in der Bundes­liga. Nun steht Philipp Seitle als Leistungsträger mit den Lakers Stäfa vor drei wegweisenden Partien in der Nationalliga B – unter anderen gegen seinen Ex-Klub Baden.

Ist im Angriff der verlängerte Arm des Trainers: Der Deutsche Philipp Seitle nimmt bei den Lakers Stäfa eine Führungsrolle ein.

Ist im Angriff der verlängerte Arm des Trainers: Der Deutsche Philipp Seitle nimmt bei den Lakers Stäfa eine Führungsrolle ein. Bild: Michael Trost

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In die Schweiz gekommen war der 33-jährige Deutsche im Som­mer­ 2015. Alex Milosevic, der dama­­lige Trainer des HC Horgen, lotste Seitle ans linke ­Zürich­see­ufer­. Milosevic’ Sohn Alen, der eben in der EM-Qualifikation ein äusserst erfolgreiches Come­back in der Schwei­zer Nationalmannschaft gegeben hat, spielte nach seinem Wechsel zum SC DHfK Leipzig 2013 ein halbes Jahr mit Seitle zusammen, ehe dieser nach Coburg weiterzog.

In seiner ersten NLB-Saison warf der Deutsche 215 Tore für Horgen, kam auch fünfmal im Partnerteam GC Amicitia Zürich in der Nationalliga A zum Einsatz. Dann wechselte der Rückraumspieler für zwei Jahre zum STV Baden. Im Frühling dieses Jahres qualifizierte sich «Städtli» für die Aufstiegsspiele in die NLA, war gegen den RTV Basel jedoch chancenlos.

Ein Old English Bulldog

Für Philipp Seitle war es Zeit, eine neue Heraus­for­derung zu suchen. Über Lukas Maag, der von 2014 bis 2016 in Baden spielte, kam der Kontakt zu Stäfa zustande. «Nach dem ersten Telefongespräch mit Teammanager Daniel Perisa war für mich klar, dass ich hier richtig bin», sagt der Spielmacher mit dem gefürchteten Schlagwurf.

Seit zwei Jahren wohnt der Deutsche zusammen mit seiner Freundin Laura Schmitt, die beim LC Brühl in der Spar Premium League unter Vertrag steht, in Pfäffikon ZH. «Es ist schon schön, nach dem Training nicht mehr durch den Gubrist fahren zu müssen und schnell zuhause zu sein.»

«Ich habe wie­der­ so viel Spass am Handball wie lange nicht mehr.»Philipp Seitle

Den Tunnel auf der A 1 passiert Seitle trotzdem täglich. Er arbeitet als Office-Manager in Wettingen und besucht dort am Montag- und Mittwochabend sowie am Samstagmorgen auch eine KV-Ausbildung für Erwach­sene. «Das bisschen Freizeit, das mir neben Arbeit, Schule und Handball noch bleibt, widme ich meiner Freundin und un­se­rer Hündin Pebbles, einer Old English Bull­dog. Das tönt gefährlich, ist sie aber überhaupt nicht.» Laura benötigte zuletzt besondere Un­terstützung, erlitt die 33-jährige Linkshänderin doch im September einen Kreuzbandriss und musste operiert werden.

Prioritäten verschoben

Die Prioritäten Seitles haben sich ohne­hin verschoben. Als 14-Jähriger hatte er von Kandel in der Südpfalz ins Handball-Internat nach Eisenach gewechselt. Obwohl er manchmal Heimweh hatte­, bereute er diesen Schritt nie: «Es war eine tolle Erfahrung, ich würde es sofort wieder so machen.» Der Rück­raumspieler begann eine Aus­bildung zum Industriekaufmann, brach diese jedoch 2012 ab, weil er in die 1. Bundesliga zum TV 1893 Neuhausen wechselte. «Ich erfüllte mir einen sportlichen Traum», sagt der bullige­ Rückraumspieler rück­blickend. Dieser dauerte jedoch bloss ein halbes Jahr; Seitle kehrte­ nach Leipzig zurück. «Die berufliche Ausbildung absolviere ich halt nun in der Schweiz.»

Wegen dieser kann der 33-Jährige bloss drei Mannschaftstrainings mit den Lakers bestreiten. Trotzdem hat er sich auf dem Frohberg rasch eingelebt. «Es wurde mir vom Umfeld auch leicht gemacht, ich fühle mich wertgeschätzt», sagt Seitle. «Ich habe wieder so viel Spass am Handball wie lange nicht mehr.» Trainer Ferenc Panczel bezeichnet seinen Topsko­rer als «guten Typ und starken Handballer», der auch menschlich gut ins Team passe. «Seine Erfahrung ist für unser junges Team enorm wichtig.»

Drei Bewährungsproben

Die Rolle als Leistungsträger deckt sich mit den Ansprüchen, die Philipp Seitle an sich selbst hat. «Mitspieler zu führen, muss­te­ ich aber zuerst lernen. Früher fiel es mir manchmal schwer, positiv zu bleiben.» Negative Strömungen gab es an Seitles neuer Wirkungsstätte bisher kaum. «Wir hatten einen richtig guten Start, das ist viel wert», sagt der Deutsche zur weissen Weste nach sechs Runden. Eine erste echte Bewährungsprobe habe das Team zuletzt in Solothurn bestanden («dort gewinnt nicht jeder»). Nun folgen drei weitere.

Am Freitag gastiert der Tabellendritte Möhlin auf dem Frohberg. Eine Woche später geht es zum Sechsten Baden, ehe Leader Endingen seine Aufwartung macht. «Nach diesen drei Spielen wissen wir, wo wir stehen», sagt Seitle. Seine Losung lautet: «Gut verteidigen und schnell spielen.» Der eine oder andere Treffer des Shoo­ters würde dabei helfen. Nach gut drei Jahren in der Schweiz ist er bei über 500 an­ge­langt­.

Erstellt: 01.11.2018, 09:21 Uhr

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