Handball

«Das habe ich mir anders vorgestellt»

Schon vor dem letzten Meisterschaftsspiel am Samstag in Basel beschäftigt sich Ferenc Panczel mit der neuen Saison. Der Ende November verpflichtete Trainer der Lakers Stäfa ist froh, nun eine geregelte Vorbereitung absolvieren zu können.

Ferenc Panczel will in Stäfa schnell und strukturiert spielen lassen.

Ferenc Panczel will in Stäfa schnell und strukturiert spielen lassen. Bild: Archiv Patrick Gutenberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Betrachtet man die nackten Zahlen, weist Ferenc Panczel die schlechteste Bilanz der drei Stäfner Coaches in dieser Spielzeit auf. Unter Pedja Milicic resultierten je zwei Siege und Niederlagen, ehe sich die Verantwortlichen der Lakers Anfang Oktober von ihrem langjährigen Spieler, der in seiner dritten Saison als Cheftrainer fungierte, trennten. Interimscoach René Barth sammelte in sechs Partien acht Punkte. Panczel steht bei sechs Siegen, einem Remis und acht Niederlagen.«Das habe ich mir etwas anders vorgestellt», gesteht der 39-jährige Ungar.

Vor Weihnachten hatten die Stäfner in einer Teamsitzung die Stossrichtung für die zweite Saisonhälfte erstellt. Das Plansoll von 32 Punkten, was zu Platz 3 gereicht hätte, haben die Lakers um sieben Zähler verfehlt. Das hat gemäss Panczel verschiedene Gründe: «Wären alle Spieler gesund geblieben, wäre diese Zielsetzung realistisch gewesen.» Doch Stammtorhüter Jakub Cibere musste schon im November seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen beenden. Mit Mike Felder fiel ein Rückraumspieler nach dem ersten Spiel im neuen Jahr wegen eines Schleudertraumas aus. Kreisläufer Louis Barth kehrte nicht im erhofften Umfang in den Spielbetrieb zurück. Auch die beiden Japaner Kenya Hara und Michihito Yada verpassten mehrere Partien. Zuletzt erwischte es noch Valentino Valentakovic.

Zwei Fehleinkäufe

«Mit den einsatzfähigen Spielern war das Erreichen der Top 3 unmöglich», hält Panczel fest. Gerade beim heutigen Gegner RTV Basel könne man gut sehen, was der Ausfall nur eines zentralen Spielers bewirke. Der souveräne Tabellenführer ging bloss aus zwei Partien nicht als Sieger hervor – beide hatte Topskorer Rares Jurca verpasst.

Freude bereitet haben Panczel die jungen Akteure wie Ramon Schlumpf, Francesco Ardielli, Moritz Bächtiger oder Cederic Zimmermann. «Sie haben sich gut entwickelt und sind ein Versprechen für die Zukunft.» Keine Loorbeeren verdienten sich hingegen Christoph Piske und Orhan Rizvan. Die Verpflichtungen des deutschen Linkshänders von Fortitudo Gossau und des bosnisch-dänischen Kreisläufers müssen gar als Fehler bezeichnet werden. Piske vermochte seine Routine nur selten gewinnbringend einzusetzen und handelte sich noch im alten Jahr wegen einer Unbeherrschtheit vier Spielsperren ein. Rizvan war weit vom NLB-Niveau entfernt und verliess den Zürichsee bereits bei Saisonhälfte wieder. Und auch Shooter Valentakovic vermochte die in ihn gesetzten Erwartungen nur selten zu erfüllen.

Nur zweimal mit dem Ball

Noch nie hatte Ferenc Panczel ein Team während einer laufenden Saison übernommen. «Das war ganz schön schwierig. Die drei Wochen Kurzvorbereitung im Januar reichten nirgends hin.» Er hofft nun, im kommenden Sommer eine gute Basis für die nächste Saison erarbeiten zu können. In einer ersten Phase sind wöchentlich nur zwei Einheiten mit dem Ball geplant. «Wir werden viel laufen und kräftigen», verrät Panczel.

Davor gönnt der Ungar seinen Spielern vier Wochen Pause. Er selbst wird in dieser Zeit in seiner Heimat den Trainerkurs zur A-Lizenz abschliessen. In dieser Ausbildung habe er bisher vor allem von der Pädagogik und der Psychologie profitiert. «Ich habe gelernt, die eigenen Spieler im Match besser zu lesen.»

Mehr Trainingseinheiten

Der Umgang mit den Handballern sei nicht nur in der Hochburg Veszprem ein völlig anderer als hierzulande. «In Ungarn trainieren wir zehn- bis zwölfmal pro Woche, hier in der Schweiz die Hälfte», hält Panczel fest. Neben Ausbildung oder Beruf sei es heikel, die Spieler nicht zu überfordern. Der Lakers-Trainer versucht auf dem Frohberg dennoch das Volumen zu erhöhen. Neu wird am Dienstag ein Morgentraining eingeführt, das neben Sportschülern auch anderen Kadermitgliedern offen steht. Somit seien immerhin sechs Halleneinheiten möglich. Und montags sollen die besten U-17- und U-19-Junioren mit dem Fanionteam trainieren und so «an den Männerhandball herangeführt werden». Seine Philosophie des Tempohandballs soll auch dem Nachwuchs vermittelt werden. «Es gibt nicht so viele grosse Spieler in Stäfa», stellt der 39-Jährige mit Bedauern fest.

Entsprechend will er ein offensiveres Deckungssystem einführen sowie im Angriff auf Struktur und Schnelligkeit setzen. Zuwachs erhofft sich Panczel im Kader. Gerne hätte er noch einen linken und rechten Aufbauer sowie einen Kreisläufer. Probetrainings haben bereits stattgefunden. Spruchreif ist aber noch nichts. Eine Zielsetzung für die Saison 2018/19 will der Trainer erst festlegen, wenn er sein definitives Kader kennt. Das wurde ins Stäfa in jüngerer Vergangenheit auch schon anders gehandhabt – und gereichte nicht zum Vorteil. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.05.2018, 14:14 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!