Handball

«Dann gibt es zwei Szenarien»

Trotz verpasstem NLA-Aufstieg hält Christian Rieger bei den Lakers Stäfa am eingeschlagenen Weg fest. Als Mitglied des Verwaltungsrats strebt der 46-jährige ehemalige Kreisläufer eine Annäherung von Verein und AG an.

Die Lakers Stäfa haben gegen Forti Gossau den Aufstieg in die NLA haarscharf verpasst. Trotzdem stimmt die eingeschlagene Richtung für Verwaltungsratsmitglied des Clubs, Christian Rieger.

Die Lakers Stäfa haben gegen Forti Gossau den Aufstieg in die NLA haarscharf verpasst. Trotzdem stimmt die eingeschlagene Richtung für Verwaltungsratsmitglied des Clubs, Christian Rieger. Bild: Archiv Patrick Gutenberg

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Kaum stand vor Jahresfrist der Abstieg aus der Nationalliga A fest, verkündeten die Lakers als Ziel den sofortigen Wiederaufstieg 2017. Hat sich dies letztlich als Eigentor erwiesen?
Christian Rieger: Nein. Wir haben das damals so kommuniziert, weil wir bezüglich Budget und Trainingsaufwand für die Nationalliga B keine Reduktion vornahmen. Sich im Mittelfeld etablieren zu wollen, wäre für uns zu wenig gewesen.

Direktaufsteiger Endingen lag jedoch ausser Reichweite. Was zeichnete die Surbtaler aus?
Sie verfügten über ein gut eingespieltes Team, das während Jahren kaum Veränderungen erfuhr. Während unsere Rückraumachse sich zuerst finden musste. Und die Endinger Leistungsträger konnten ihr Potenzial abrufen. Wir dachten, über das bessere Goalieduo zu verfügen – dem war leider nicht so. Immerhin etablierten wir uns souverän auf Platz 2, der Vorsprung auf den Tabellendritten Baden betrug neun Punkte.

Wie haben Sie die Barrage gegen den ewigen Rivalen ­Gossau erlebt?
Vor dem Hinspiel dachte ich, dass wir chancenlos seien, zumal Gossau am Ende der Abstiegsrunde einen regelrechten Lauf mit sieben Siegen in Folge hatte. Pedja Milicic verstand es aber, das Team perfekt einzustellen, was mit dem 29:28-Sieg belohnt wurde.

«In der NLB können wir ruhiger arbeiten.»Christian Rieger

Wie war Ihre Gemütslage vor dem Rückspiel?
(schmunzelt) Ich lag wieder falsch, war ich mir doch ziemlich sicher, dass es für den Aufstieg reichen würde. Einige Spieler schienen aber wie blockiert. Es erinnerte mich an ein Skirennen, in dem einer nach dem ersten Lauf überraschend führt, den zweiten nur noch runterbringen müsste und dann scheitert. Was in den 120 Minuten in den beiden Halle abging, entschädigte mich persönlich aber für meine Arbeit im Verwaltungsrat.

Was machte den Unterschied zugunsten von Fortitudo aus?
Gossau war komplett, uns fehlten Louis Barth und Mirko Milosevic. Zudem war Spielmacher Mikkel Madsen, der ansonsten eine sehr gute Saison bestritt, im Rückspiel blockiert. Wenn der Motor stottert, wirds ganz schwierig.

Gossau, das über ein ähnliches Budget verfügt wie die Lakers, wird im Herbst die zehnte NLA-Saison in Folge in Angriff nehmen. Welchen Vorteil haben die Fürstenländer gegenüber Stäfa, das in derselben Zeitspanne zum dritten Mal eine Liga tiefer antreten muss?
Das Einzugsgebiet. Gossau liegt zwischen den NLA-Klubs Pfadi Winterthur und St. Otmar St. Gallen. Die Distanz ist gross genug, trotzdem fällt immer mal wieder ein Spieler, der den Sprung nicht ganz geschafft hat, für Forti ab. Zudem kommt die Nähe zu Deutschland und Österreich. Wegen des Zürichsees umfasst unser Radius nur 180 Grad, was definitiv ein Nachteil ist.

Wäre das Stäfner Kader überhaupt NLA-tauglich gewesen? Kapitale Transfers wurden ja nicht getätigt.
Wir wären gerne aufgestiegen. Die Frage, gegen wen wir in der Nationalliga A hätten Punkte holen können, wäre sicher berechtigt. In der Nationalliga B können wir ruhiger arbeiten, ein Selbstläufer wird es allerdings nicht werden. Unabhängig von der Ligazugehörigkeit sind wir noch auf der Suche nach einem Kreisläufer.

Trainer Pedja Milicic betonte bei seinem Amtsantritt im Juni 2015, dass er zwei Jahre benötige, um ein Team zu formen. ­Diese Zeit ist abgelaufen.
Da es vor Jahresfrist nochmals zu einschneidenden Wechseln kam, läuft die Uhr eigentlich erst seit einem Jahr. Deshalb fahren wir in der Saison 2017/18 sicher nochmals gleich weiter. Das Ziel bleibt, zu den besten zehn Teams des Landes zu gehören.

Und wenn das nicht klappt?
Dann gibt es zwei Szenarien: Entweder wir versuchen, mehr finanzielle Mittel zu generieren als die aktuell 420 000 Franken, oder wir fahren den Aufwand runter. Mit 270 000 Franken könnte man ein solides NLB-Team zusammenstellen.

Im Nachwuchs wird Stäfa in der kommenden Saison wieder auf allen drei Altersstufen in der Eliteliga vertreten sein. Auf dem Sprung ins Fanionteam ist derzeit aber nur der 17-jährige Luzian Lechner.
Mit Ramon Schlumpf und Francesco Ardielli haben wir zwei Spieler mit Jahrgang 1998 schon früh zu den Lakers geholt. Im U15, das aktuell den Final um den Schweizer-Meister-Titel bestreitet, hat es drei, vier Spieler mit Potenzial. Bis diese für die Nationalliga ein Thema werden, dauert es aber noch einige Jahre.

Zudem droht Stäfa als Ausbildungsverein die Gefahr, dass potenzielle Nationalspieler – wie damals Pascal Vernier oder Kevin Jud – zu ambitionierten Klubs ziehen.
Damit müssen wir leben. Unsere Argumente sind nebst der pünktlichen und vollständigen Überweisungen der – zugegeben nicht exorbitanten – finanziellen Entschädigungen ein intaktes Umfeld und viel Einsatzzeit. Unsere langjährige Physiotherapeutin Conny Anderes macht einen super Job. Und Martin Huber war als neuer Mentaltrainer ein Glücksgriff, er tut als Vertrauensperson allen gut.

Ganz so harmonisch läuft es bei Handball Stäfa aber nicht.
Die Reibungsverluste zwischen der GS Players AG und dem Verein liegen mir tatsächlich auf dem Magen. Wir müssen wieder zu einer Einheit finden. Beide Seiten sind voneinander abhängig und zusammen mit einem Umsatz von rund einer Million eigentlich ein KMU.

Erstellt: 23.05.2017, 08:42 Uhr

Christian Rieger, Mitglied des Verwaltungsrats der GS Players AG.

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