Handball

«Dann bin ich hoffentlich Papi»

Mit 28 ist Jonas Affentranger in Horgen der Teamsenior. Den jungen Spielern kreidet der Rückraumspieler eine mangelnde Feedback-Kultur an. Für sich hat er auf dem Surfbrett eine neue Welt entdeckt.

Wasser trinkt Jonas Affentranger nicht nur kurz vor dem Training im Café Kuhn in Horgen.

Wasser trinkt Jonas Affentranger nicht nur kurz vor dem Training im Café Kuhn in Horgen. Bild: Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie haben ein Mineralwasser bestellt. Was mögen Sie daran?
Jonas Affentranger: Ich trinke jeden Tag Wasser. Es ist etwas, das der Körper braucht und keinen Bauch gibt wie Cola oder Eistee.

Ist das auch Ihr Lieblingsgetränk?
Nein, am besten ist noch immer eine Dose Cola, die hat die perfekte Grösse. Es ist das Belohnungsgetränk aus meiner Kindheit. Dabei kommt mir die Geschichte in den Sinn, welche mir meine Mutter, eine Kleinkindererzieherin, erzählt hat. Eltern hätten zur Abschreckung das WC mit Cola geputzt – ihre Kinder hätten dann freiwillig auf dieses Getränk verzichtet.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?
So ziemlich alles. Verführen kann man mich mit einem Cordon bleu. Aber auch einen Teller Pasta oder einen Salat mit einer guten Sauce mag ich.

Wie steht es um Ihre Kochkünste?
Ich bin nicht der Chefkoch. Aber an einem Sonntag stehe ich gerne in der Küche, wenn am Abend Gäste kommen.

Was kommt dann auf den Tisch?
Ich versuche meistens etwas Neues. Im Sommer kommt dabei sicher der Grill zum Einsatz.

Inwiefern achten Sie als Sportler auf die Ernährung?
Als ich noch in der Nationalliga A spielte, war sie sehr zentral. In den Mac oder den Burger King gehe ich auch jetzt nicht. Und an der Routine, vor einem Match Pasta und Poulet zu essen, halte ich weiter fest. Sonst bin ich mit mir weniger streng, achte aber auf gesundes Essen. Wenn ich beruflich viel unterwegs bin wie in den letzten Tagen in Amsterdam und Düsseldorf esse ich eher zu viel. Dann muss ich in der Folge bewusst auf Kohlenhydrate verzichten, um nicht zu viel Speck anzusetzen.

Was lässt Sie denn beruflich quer durch Europa jetten?
Ich habe bei IBM Mitte des letzten Jahres vom technischen Verkäufer in die Verkäuferrolle gewechselt. Nach der konzeptionellen Arbeit bin ich jetzt mehr für das Pricing von Mainframe-Computern, wie sie vor allem Banken und Versicherungen verwenden, zuständig.

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Ich habe immer alles geschaut. Auch während der Olympischen Spiele in Pyeongchang bin ich für die Abfahrt der Männer mitten in der Nacht aufgestanden.

Wie sind Sie zum Handball gekommen?
Durch den Schulsport in Dietikon, wo ich als Viertklässler für einen Fünfliber ein halbes Jahr lang einmal pro Woche trainieren konnte. Daneben spielte ich Tennis und Fussball, wechselte dann aber zu den Junioren des HC Dietikon-Urdorf. Später absolvierte ich während sechs Jahren über 150 Partien für Suhr Aarau und die Lakers Stäfa in der National­liga A.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Mit Stäfa stand ich zweimal im Final Four des Schweizer Cups. Und die Barrage haben wir in vollen Hallen auch immer überstanden. Eindrücklich waren auch Partien mit der Junioren-Nati – etwa als wir gegen die Akademie Göppingen ein Trainingsspiel vor 2500 Fans austrugen.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Die Nichtnomination in der U-21-Nati für die EM-Qualifikation.

Welche handballerischen Erfahrungen haben Sie bei Ihrem beruflich bedingten Abstecher nach New York vor gut einem Jahr gesammelt?
Was den Handball angeht, sind die USA ein Entwicklungsland. Aber es war spannend und interessant. Obwohl es ein reines Zusammenkommen von Europäern war. Dabei hat sich ein Freundeskreis gebildet und ich bin an der Ostküste rumgekommen.

«Jeder ist selbst für sein Glück  verantwortlich.»Jonas Affentranger

Mit welchen Erwartungen nehmen Sie am Samstag das Seederby gegen Ihren Ex-Klub Lakers Stäfa in Angriff?
Wir brauchen unbedingt zwei Punkte. Dass es ein Derby ist, kann ich – wie ich im Hinspiel gemerkt habe – ausblenden. In Stäfa hat sich seit meinem Abgang 2015 ja auch viel verändert. Und dass ich wie auf dem Frohberg in die falsche Garderobe abgebogen bin, wird mir nicht nochmal passieren. (lacht)

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
Mit Rasieren eine Viertelstunde.

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Mit meiner Freundin.

Welche Person bewundern Sie?
Roger Federer. Meine Freundin sagt, sie kenne niemanden, der mehr an ihn glaube.

Dann haben Sie ihn auch schon live spielen sehen?
Ja, an einem Match for Africa, zweimal an den Swiss Indoors in Basel, je einmal in Wimbledon und am US Open.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
Mit einem Kollegen in Portugal. Wir haben vor ein paar Jahren Wellensurfen als neues Hobby entdeckt.

Ihr Lieblingssong?
Da gibt es keinen speziellen, im Auto läuft immer das Radio.

Ihr Lieblingsfilm?
«Man on Fire» mit Denzel Washington in der Hauptrolle.

Was ist Ihr grösstes Laster?
Da müssten Sie meine Freundin oder meine Mutter fragen. (überlegt) Ich fresse viel in mich hinein.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Ich bin ein Teamplayer. Das gibt es im Handball heute leider nicht mehr viele.

Was macht Sie glücklich?
Harmonie. Und Erfolg. Das kann auch sein, auf dem Surfbrett eine Welle zu erwischen. Oder sichgemeinsam über ein gelungenes Manöver meines Kollegen zu freuen.

Was ärgert Sie?
Ungerechtigkeit. Und im Handball, wenn Leute nicht kritikfähig sind. Von den jungen Mitspielern höre ich zu oft: Ja, aber . . .

Was ist Ihnen wichtig im Leben?
Glücklich sein. Und wie es Will Smith in einem Video-Post erklärt hat, jeder ist selbst dafür zuständig, dass er glücklich ist.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Dann bin ich hoffentlich Papi. Und ich werde wohl auch noch arbeiten – aber was und wo, steht in den Sternen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 02.03.2018, 11:11 Uhr

Worum gehts?

Im zweiten Seederby der Saison – das erste hatte Stäfa 37:32 gewonnen – steht Horgen mächtig unter Druck. Am vergangenen Wochenende mussten die Linksufrigen, die 2018 noch keinen Punkt geholt haben, die rote Laterne übernehmen. Sieben Niederlagen in Folge haben den HCH in ein prekäre Situation gebracht. Der erste Sieg in einem Derby seit Dezember 2006 käme äusserst gelegen.

Ganz anders ist die Gemütslage bei den Lakers. Zwar mussten sie sich von den ursprünglich gehegten Aufstiegsambitionen verabschieden. Dank zuletzt drei Siegen in Serie haben sie sich aber in der vorderen Tabellenhälfte etabliert. (db)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!