Handball

Abgebrühtheit schlägt Tempo

Dank einem 8:1-Lauf zur Spielmitte gewannen die Lakers Stäfa das emotionsgeladene Seederby gegen die SG Wädenswil/Horgen zum Abschluss der Vorrunde 37:33.

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Am Ende wiesen zwar beide Teams die gleiche Wurfquote von 69 Prozent aus. Die Linksufrigen verfügten mit 27 Prozent abgewehrten Bällen sogar über das bessere Goalieduo als die Gäste (21 %). Doch die SG Wädenswil/Horgen leistete sich auch deutlich mehr technische Fehler (12:4) als die Gelbschwarzen.

«Wenn der Gegner routiniert ist, haben wir Mühe, das war schon gegen Altdorf so», musste Beat Rellstab feststellen. Der Sport­chef der SG sprach dabei auf Stäfas Spielmacher Philipp Seitle an, der vor drei Jahren noch den Horgner Dress getragen hatte. Der Deutsche war Dreh- und Angelpunkt im Spiel des Tabellenzweiten und erzielte elf Treffer. Nur als Penaltyschütze offen­barte er ungewohnte Schwächen und scheiterte zweimal.

Überzahlspiel ungenügend

Und in der hektischen Schlussphase – die SG Wädenswil/Horgen versuchte ihr Heil in den letzten drei Minuten mit einer offenen Manndeckung – ging Seitle nach einer Attacke von Simon Gant­ner zu Boden. «Er hat mich auf die Brust geschlagen», versicherte der 33-Jährige hernach. Die Unparteiischen sahen dies anders und schickten ihn wegen Simulierens für zwei Minuten auf die Bank. Die Gastgeber konnten daraus kein Kapital schlagen – im Gegenteil: Sie kassierten sogar ein Tor mehr, als sie erzielten. «Unser Überzahlspiel war ungenügend», konstatierte Rellstab.

«Mich überrascht, dass Wädenswil/Horgen in der Vorrunde nur neun Punkte geholt hat.»Ferenc Panczel

Den Hänger kurz vor und nach der Pause bezeichnete Jonas Affen­tranger als matchentscheidend. Innert sieben Minuten sahen sich die Gastgeber nach einer 15:13-Führung mit 16:21 im Hintertreffen. «Gegen den Tabellenzweiten mag es so etwas nicht leiden», sagte der 29-Jährige. Die Stäfner hätten in den wichtigen Momenten die kleinen Sachen richtig gemacht. «Unsere überhasteten Abschlüsse nutzten sie eiskalt aus», ergänzte der Rückraumspieler, der vier NLA-Saisons im Dress der Stäfner bestritten hatte. Unter der Woche war er zusammen mit Daniel Gantner für die Matchvorbereitung zuständig gewesen, weil Trainer Pedja Milicic am EHF-Master­coach-Kurs im Rahmen der ­Frauen-EM in Paris weilte. Da er am Finalwochenende nicht frei bekam, amtete gestern Martin «Schnibi» Kälin als Coach.

Stäfner Flügelzange

Affentranger war auch massgeblich dafür verantwortlich, dass Wädens­wil/Horgen nochmals ins Spiel zurückfand. Drei seiner sechs Tore in der zweiten Halbzeit bedeuteten einen Anschlusstreffer. Letztmals verkürzte der zwölffache Torschütze Sandro Gant­ner in der 46. Minute zum 26:27 den Rückstand auf eine Länge. Dann war es nicht nur die grössere Abgeklärtheit, sondern auch der längere Atem, der das Seederby zugunsten der Rechtsufrigen entschied, die mit Ramon Schlumpf und Francesco Ardielli über eine überragende Flügelzange verfügten.

«Ich habe mit ihnen in den indivi­duellen Trainings viel an der Ballsicherheit gearbeitet. Das beginnt sich auszuzahlen», sagte Ferenc Panczel über die beiden U-21-Nationalspieler, die gestern zusammen ein Dutzend Tore war­fen. Als Schlüssel zum Erfolg nannte der Lakers-Trainer die bessere Kontrolle der zweiten und dritten Gegenstosswelle der schnellen Gastgeber. «Zehn ihrer 16 Treffer in der ersten Halbzeit hatten darin ihren Ursprung», meinte Panczel.

Trügerischer Mittelfeldplatz

«Mich überrascht, dass Wädens­wil/Hor­gen in der Vorrunde nur neun Punkte geholt hat», sagt der Lakers-Trainer mit Vergangenheit in Wädens­wil. Damit liegen die Linksufrigen zwar auf Rang 9. Das Polster auf die Abstiegs­plätze beträgt jedoch bloss drei Zähler. «Wir können uns nicht auf dem bisher Geleisteten ausruhen», warnt deshalb Jonas Affentranger. Vor Jahresfrist hatte der Rückraumspieler mit Horgen sogar­ noch einen Punkt mehr auf dem Konto gehabt und stieg dennoch ab. Solche Sorgen kennt man in Stäfa nach einem Dutzend Siegen derzeit nicht. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.12.2018, 09:00 Uhr

Nationalliga B

Wädenswil/Horgen - Stäfa 33:37 (16:19)

Waldegg, Horgen. 450 Zuschauer. SR Keiser/Rottmeier.
Torfolge: 0:2, 2:2, 3:4, 5:5, 6:7, 8:7, 11:11, 13:11, 13:13, 15:13 (25.), 15:16, 16:16, 16:19; 16:21, 21:22, 23:25, 26:27, 26:29, 28:31, 29:33, 31:36, 33:37.
Strafen: 2×2 gegen Wädens­wil/Horgen, 7×2 gegen Stäfa.
Wädens­wil/Horgen: Schäfer/Steiner; Simon Gant­ner (8/1), Affentranger (6), Sandro Gant­ner (12/2), Daniel Gantner (2), Pascal Gant­ner (2), Kälin (1), Kummer (1), Christian Gant­ner (1), Wolfer, Karlen, Koller.
Stäfa: Frei/Dürr; Ponca, Bächtiger, Olafsson (6), Ardielli (5), Schlumpf (7), Vernier (1), Koyasu (1), Brunner (3/2), Seitle (11), Maag (3), Zimmermann, ­Hara.
Bemerkungen: Wädenswil/Horgen ohne­ Santoro, Zuber (beide verletzt) und Mili­cic (Trainerkurs); Stäfa ohne Barth, Felder, Murbach (alle verletzt) und Schwander (krank). NLB-Debüt von Severin Dürr (18).
Time-outs: Wädenswil/Horgen (20./11:11, 47./26:28, 57./30:35); Stäfa (15./9:8, 53./ 29:31). 4. Schäfer hält Penalty von Seitle (0:2). 9. Brunner übertritt Penalty (3:4). 29. Frei hält Penalty von Sandro Gantner (16:18). 36. Seitle wirft Penalty darüber (17:21).

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