Fussball

Von der Goldküste in die Premier League

Es hätte einfach ein Auslandsjahr in Südostasien werden sollen, jetzt ist Philipp Marda Stammspieler in der höchsten Liga von Taiwan. Mit dem glamourösen Leben eines Profifussballers hat das Abenteuer des Küsnachters aber nur bedingt zu tun.

Im Februar wechselte Philipp «Pippo» Marda vom Royal Blues FC zum Liga-Rivalen Taipeh City Red Lions.

Im Februar wechselte Philipp «Pippo» Marda vom Royal Blues FC zum Liga-Rivalen Taipeh City Red Lions. Bild: PD

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Es könnte eine Tellerwäscherkarriere wie aus dem Bilderbuch sein. Da zieht ein Zweitligafussballer vom rechten Zürichsee­ufer aus in die weite Welt. In Südostasien will er das obligatorische Auslandsjahr seines Studiums verbringen. Und plötzlich läuft er im Nationalstadion in der höchsten Landesliga auf.

Es ist die Geschichte von Philipp Marda. Letzte Saison kickte er noch auf der Küsnachter Sportanlage Heslibach, ehe es ihn von der Goldküste aus in die Taiwan Football Premier League verschlug. «Ich wollte unbedingt Chinesisch lernen. Taiwan ist ein interessantes Land, weil es unterschiedliche Kulturen und Traditionen vereint», sagt der 26-Jährige.

Anschluss gefunden

Das war im vergangenen Sommer. Seither hat Marda viel erlebt auf der Insel im Westpazifik, die etwa um ein Achtel kleiner ist als die Schweiz, dafür aber mehr als das Zweieinhalbfache an Einwohnern zählt. Fussballerisch gesehen ist Taiwan jedoch eher ein Zwerg. Aktuell belegt das Nationalteam Position Nummer 124 der Fifa-Weltrangliste.

«Unser Team verfügt über Spieler aus der ganzen Welt.»Philipp Marda, der 26-Jährige kickt in Taiwan

In der taiwanischen Hauptstadt Taipeh, in deren Grossraum allein etwa sieben Millionen Menschen leben, hat sich Philipp Marda an der renommierten Nationaluniversität eingeschrieben. Seine Fachrichtung ist International Management. Sobald er auf seiner Suche nach einer Studentenwohnung fündig geworden war, kümmerte er sich um sein liebstes Hobby, den Fussball.

Ein Stammplatz für «Pippo»

Ein Bekannter vermittelte ihn an den Präsidenten des Royal Blues FC, bei dem er ein Probetraining absolvieren durfte. «Pippo», wie Marda auch in Taiwan genannt wird, überzeugte auf Anhieb und erhielt einen Stammplatz im Mittelfeld des Premier-League-Vereins. Mit seiner Körpergrösse von 1,81 Metern gilt Marda in Südostasien als gross gewachsen.

Das Niveau in Taiwan sei unterschiedlich, urteilt Marda. «Das obere Feld der Liga würde ich mit der 1. Liga respektive der Challenge League vergleichen. Diese Spieler sind Vollzeitfussballer und trainieren bis zu zweimal täglich.» Generell werde in der Liga stark auf den Ballbesitz geachtet. «Die Teams scheuen das Risiko eher, was wohl auch kulturell bedingt ist.» Statt der individuellen Kreativität stehe mehr das Kollektiv im Zentrum.

Marda mit einem sehenswerten Tor für seine Taipei Red Lions in der Partie gegen Tatung FC.

Willkommener Zustupf

Auch wenn der Fanaufmarsch an den Partien gering ist, wird in grossen Stadien gespielt – etwa im Kaohsiung National Stadium, der grössten Arena der Insel mit 40000 Plätzen. Für Marda war das Einlaufen in diesen Tempel, dessen Dach aus über 8000 Solarmodulen besteht, ein Highlight. Dass dabei nur rund 300 Zuschauer auf der Tribüne Platz nahmen, spielte keine Rolle.

Der Fussball sei in Taiwan zwar auf dem Vormarsch. Nationalsport ist und bleibt aber Baseball. «Fussball ist hier nur etwa die Sportart Nummer drei oder vier», erklärt Marda. Reich wird man als Spieler deshalb nicht. Für den Studenten aus der Schweiz bringt das Kicken aber einen willkommenen Zustupf. Ein Erlebnis ist es allemal.

Ambitionierte Ziele

Dieses Abenteuer geht für den Küsnachter fortan an anderer Wirkungsstätte weiter. Nach dem Abstieg des Royal Blues FC hat Marda zu den Taipeh City Red Lions gewechselt. Sein neuer Verein hat grosse Ambitionen. Längerfristig wollen sich die roten Löwen unter den ToptTeams der acht Mannschaften umfassenden Liga etablieren. Nach sechs Runden liegt Mardas neue Equipe allerdings bloss auf Platz 7. «Unser Team verfügt über Spieler aus der ganzen Welt. Diese Internationalität ist eine Bereicherung», sagt der bisher zweifache Torschütze.

Die Erwartungen in der Hauptstadt sind gross. «Wir wollen den dritten Tabellenplatz anstreben», sagt er. Diese Klassierung würde die Qualifikation für den AFC Cup bedeuten – das asiatische Pendant zur Europa League. Noch dominiert aber Krösus und Titelverteidiger Tatung die Meisterschaft, die Mitte April begonnen hat.

Noch etwas Profiluft

Mit dem Wechsel zu den Red Lions wurde die Freizeit für Philipp Marda noch knapper. Trainiert wird fast jeden Abend. Am Tag lernt er an der Uni. Mehr als ein temporärer Abstecher soll das Taiwan-Abenteuer für ihn aber nicht werden. Nach dem Auslandjahr will Marda in die Schweiz zurückkehren.

Auch aus der Ferne verfolge er, wie sich der FC Küsnacht nach der Relegation in die 3. Liga schlägt. «Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft den zweiten Abstieg in Folge abwenden kann und mit der Gemeinde Küsnacht im Rücken den baldigen Aufstieg in die 2. Liga schafft. Denn dorthin gehört dieser Verein.»

Das Studium hat für den 26-Jährigen weiterhin oberste Priorität. Noch ein paar Wochen darf der Küsnachter Profiluft schnuppern. Über seine fussballerische Zukunft nach der Rückkehr in die Schweiz macht sich Philipp Marda vorerst noch keine Gedanken. «Ich geniesse es, in der höchsten Liga eines Landes mitspielen zu dürfen.»

Erstellt: 05.06.2019, 11:21 Uhr

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