Vollstrecker Kempes siegt noch immer – auch in Arosa

1978 machte Mario Kempes mit seinen Toren Argentinien zum Weltmeister. Für die 10. Schneefussball-WM in Arosa kam er erstmals in die Schweiz. Und hatte wieder Erfolg.

Weltmeisterlicher Jubel: Kempes trifft bei Argentiniens 3:1 im Final gegen die Niederlande zweimal. (Foto: dpa)

Weltmeisterlicher Jubel: Kempes trifft bei Argentiniens 3:1 im Final gegen die Niederlande zweimal. (Foto: dpa)

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Als Mario Alberto Kempes in Arosa zur Schneefussball-WM aufläuft, muss er sich fast vorkommen wie in seiner grössten Stunde. Damals, im Sommer 1978, als er im WM-Final im Estadio Monumental von Buenos Aires die Niederlande mit zwei Toren und einem Assist fast im Alleingang bezwang, war der Boden von unzähligen Konfettifetzen übersät, fast so weiss wie am Freitag die Unterlage im Schanfigg.

Zwei Tore im Endspiel einer Heim-WM – das gelang ausser ihm in der Neuzeit nur Zinédine Zidane. Kein Wunder, sagt Kempes auch noch mehr als vier Jahrzehnte danach: «Das war der mit Abstand grösste Moment meiner Karriere, es gibt nichts Vergleichbares zu einer WM, schon gar nicht, wenn sie im eigenen Land stattfindet.»

Kempes – Maradona – Messi

Noch heute ist er unzähligen Fussballfans ein Begriff: Wie er sich mit wehendem, langem Haar durch die gegnerischen Abwehrreihen pflügte, technisch zwar stark, aber für eine Nummer 10 auch mit aussergewöhnlich viel Kraft gesegnet. Die Haarpracht ist heute einem Kurzhaarschnitt gewichen, der 65-Jährige ist zwar noch immer eine Lichtgestalt in der Heimat. Mittlerweile kann er sich dort aber gut bewegen: «Es gibt heute andere Idole.» Zwei mit der gleichen Rückennummer lassen grüssen: Diego Armando Maradona und Lionel Messi.

«Das war der mit Abstand grösste Moment meiner Karriere. Nichts lässt sich mit einer WM vergleichen.»

Südamerikanische Fussballer und Schnee? In der Mehrheit der Fälle ist das so kompatibel wie Schweizer Skifahrer und die Pampa. Wenn die lateinischen Ballzauberer also nach Arosa kommen, stehen sie oft vor einem Kampf gegen die ungewohnten Witterungsbedingungen. Kempes lacht, als er darauf angesprochen wird: «Ich habe sechseinhalb Jahre in Österreich gespielt, auch auf eisigen Böden und auf Schnee.» Er fügt aber an: «Das ist auch schon 30 Jahre her, ein wenig Angewöhnungszeit brauche ich.» Für die Vienna hatte er gespielt, dann für St. Pölten und schliesslich für Krems, ehe er 1992 mit 38 Jahren in die Heimat zurückkehrte.

Trotz der mehrjährigen geographischen Nähe zur Schweiz sei er nun das erste Mal im Nachbarland Österreichs. «Irgendwie hat es sich nie für Kurzferien ergeben, und auch im Europacup spielte ich nie gegen ein Schweizer Team», erinnert er sich. 1980 hatte er den Cup der Cupsieger gewonnen, damals in Diensten des FC Valencia. Er wurde mit neun Treffern auch Torschützenkönig des Wettbewerbes.

Fernsehexperte und Autor

So war er nun letzte Woche erstmals überhaupt in der Schweiz: Zuerst im Fifa-Museum in Zürich, dann gings auf der Autobahn in Richtung Graubünden, zuletzt die kurvige Strasse nach Arosa hinauf. «Ich habe noch nicht viel gesehen, aber es ist schön, und das Bergpanorama wunderbar», fasste er die ersten Eindrücke zusammen. Für die Jubiläumsaustragung der Schneefussball-WM, die er mit den vom früheren FCZ- und GC-Spieler Wynton Rufer gecoachten All-Stars bestritt, hatte er zwei Ziele: «Ich will Spass, und wir wollen erstmals den Titel gewinnen.»

«El Matador»: Mario Kempes. (Foto: Getty)

Kempes, der nach seiner Karriere auch in exotischen Ländern wie Indonesien als Trainer wirkte, lebt längst in den USA. Dem Fussball ist er immer noch stark verbunden, mittlerweile hat er aber die Seiten gewechselt und ist hauptberuflich als Experte für ESPN tätig. Daneben hat er unlängst eine Biografie veröffentlicht, mit dem sinnigen Namen «El Matador». In wie vielen Sprachen die Lebensgeschichte vom «Vollstrecker» schon erschienen ist, weiss er nicht, er ist aber zufrieden: «Sie verkauft sich gut.»

Feiern mit Kovac und Petric

Selber kicken tut er nicht mehr regelmässig, dafür lässt er die Fans auf seiner Website und auf Instagram an anderen sportlichen Aktivitäten teilhaben. In diesem Jahr hat er sich besonders ausgedehnte Laufeinheiten vorgenommen: «Es ist wichtig, dass man in meinem Alter aktiv bleibt.»

In Arosa ist er mit seinen 65 Jahren der Doyen und hat zu seiner Aktivzeit nie gegen einen der anderen Teilnehmer gespielt: «Logisch, ich bin ja der mit Abstand Älteste.» Alter aber schützt nicht vor Erfolg: Im Final resultiert ein 4:2, und für Kempes gibt es nochmals ein Déjà-vu – Gegner ist die Niederlande, wie an jenem unvergesslichen Abend 1978. Der Argentinier liegt nach Spielschluss in den Armen von Niko Kovac, Roberto Di Matteo, Zé Roberto, Dede und Mladen Petric und lacht. Er hat beide Ziele erreicht.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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Erstellt: 21.01.2020, 11:14 Uhr

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