«Stehe mehr unter Beobachtung»

Seit Juli trainiert Mike Koller Männedorfs 1. Mannschaft, die in der 2. Liga spielt. Da der 31-Jährige bislang Juniorenteams betreute, ist er nun gefordert. Der zweifache Vater wird jedoch stets bestens von seiner Frau unterstützt.

Männedorfs Coach Mike Koller steht manchmal ruhig und nachdenklich an der Seitenlinie: «Der Trainer muss ja nicht immer der Lauteste sein.»

Männedorfs Coach Mike Koller steht manchmal ruhig und nachdenklich an der Seitenlinie: «Der Trainer muss ja nicht immer der Lauteste sein.» Bild: David Baer

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Was können Sie besser als Ihre Spieler?
Mike Koller: Reden, denn auf dem Platz kommunizieren sie zu wenig. Da können wir noch viel optimieren. Es muss ja nicht immer der Trainer der Lauteste sein. (schmunzelt)

Was können Ihre Spieler besser als Sie?
Fussballspielen. Wer nicht regelmässig im Trainingsprozess ist, bleibt halt stehen. Zudem war ich ja Goalie.

Ihr grösster Erfolg?
Der im Mai abgeschlossene UEFA-A-Diplomkurs. Ich bin stolz und froh, ihn gemeistert zu haben, denn er war zeitaufwändig und intensiv. Die Ausbildung beinhaltete unter anderem ein einwöchiges Praktikum im U19-Staff des SC Freiburg.

Und im Leben?
Die Gründung meiner Familie, die mich sehr unterstützt. Ich habe einen dreijährigen Sohn und seit acht Monaten ein Töchterchen.

Wann werden Sie nervös?
Wenn ich heimkomme und meine Frau nicht so gut drauf ist. Dann frage ich mich, was ich falsch gemacht oder liegen gelassen habe. (lacht) Und am Abend vor einem Match. Am Spieltag selber wandelt sich dies dann aber in positive Anspannung um.

Was macht Sie sprachlos?
Leute, die hinter dem Rücken reden, statt direkt auf einen zuzukommen und gleich alles zu klären. Ein respektvoller Umgang miteinander ist überall wichtig.

Was kochen Sie am liebsten?
Pasta. Mein Vater ist Küchenchef und ich koche auch fürs Leben gern. Meist freestyle, weshalb ich noch nie dieselbe Sauce zweimal gemacht habe.

Ihr erster Berufswunsch?
Als Bub wollte ich Polizist werden. Zwar habe ich dann die kaufmännische Ausbildung absolviert, doch manche sagen mir nach, dass ich zwischendurch wie einer funktioniere. Denn ich gehe oftmals nach dem Motto «Vertrauen ist gut, Kontrolle besser» vor.

«Richtig unter Druck steht, wer wirklich ein Messer am Hals hat.»Mike Koller

Was machen Sie beruflich?
Ich bin als Projektleiter für einen Personaldienstleister tätig.

Bleibt noch Zeit für Hobbys?
Neben Familie, Beruf und Fussball kaum. Mit Frau und Kindern unternehme ich so oft es geht etwas. Der Kleine ist immer mit dem Ball unterwegs.

Wie sind Sie zum Fussball gekommen?
Als Fünfjähriger ging ich mit meinem Nachbarn in Schwanden auf den Fussballplatz und bin dann bei den F-Junioren eingestiegen.

Und danach?
Bis zu den C-Junioren spielte ich im FC Schwanden. Kurz nach der Gründung des Team Glarnerland durfte ich diesem beitreten. Als B-Junior konnte ich dann in der 1. Mannschaft des FC Glarus einsteigen. Darauf folgten ein Jahr im U19-Team des FC Vaduz und drei Saisons in Tuggen, wo ich viel von Goalie Christoph Born lernte. Nach weiteren eineinhalb Jahren in Glarus wechselte ich im Winter 2009 mit Mario Langer zu Stäfa. Ab Sommer 2009 war ich dann Assistenzcoach der FCRJ-Reserven.

Warum sind Sie Trainer geworden?
Schon früh merkte ich, wie gerne ich mit Jungen arbeite. Im Frühling 2010 machte ich das C-Diplom. Urs Wolfensberger gab mir als damaliger Instruktor positive Feedbacks und meinte, dass ich mich als Coach eignen würde. Im gleichen Sommer übernahm ich das U13-Team des FCRJ.

Haben Sie den Entscheid, Trainer zu werden, jemals bereut?
Nein, denn das ist – inzwischen neben der Familie – meine grösste Passion. Zu sehen, wie junge Fussballer Fortschritte erzielen, macht grosse Freude.

Weshalb verliessen Sie den FCRJ nach so vielen Jahren?
Zwischendurch war ich ab Sommer 2013 noch zwei Jahre im Liechtensteinischen Fussballverband, zuerst als Coach der U14 und später Assistent der U18, engagiert. Da konnte ich auch auf internationaler Ebene meinen Rucksack füllen. Anfang dieses Jahres war für mich klar, dass ich den nächsten Schritt machen und zum ersten Mal eine Aktivmannschaft betreuen will. Als ich erfuhr, dass der FC Männedorf einen neuen Trainer sucht, sind wir gegenseitig in Kontakt getreten.

Was ist im Dorfklub anders als im Stadtverein?
Ein Vergleich ist zwar nur schwer zu ziehen, auch weil ich nun keine Junioren mehr, sondern Aktive trainiere. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Auf dem Widenbad ist es aber ein wenig familiärer und intern sind die Wege kürzer. Die Problemchen bleiben trotzdem die gleichen. (schmunzelt) Und in Männedorf stehe ich nun mehr unter Beobachtung.

Und auch unter Druck, nachdem Ihr Vorgänger Kurt Kobel die Männedörfler direkt zurück in die 2. Liga führte.
Richtig unter Druck steht, wer wirklich ein Messer am Hals oder wie in Texas das Wasser bis zur Hüfte hat. Aber ja, von meiner Mannschaft – und somit auch mir – wird sportlich schon einiges erwartet. Wir wollen unbedingt oben bleiben, wozu wir das Potenzial haben. Und da ich überzeugt bin, dass wir regelmässig punkten werden, ist künstlicher Druck gar nicht erst vorhanden.

Was gab Kobel Ihnen mit auf den Weg?
Wir trafen uns nur einmal, an seinem Abschlussabend. Er wies mich darauf hin, dass ich im Vergleich zum Juniorenfussball mehr mit Absenzen und Organisatorischem zu tun haben werde. Dank ihm wurde ich mir dessen noch mehr bewusst.

Wie haben Sie Ihre Spieler nach der 0:6-Pleite vom letzten Sonntag in Wädenswil mental wieder aufgebaut?
Unsererseits war die Mentalität war in diesem Derby gar nicht vorhanden. Darüber sprachen wir alle direkt nach dem Match und dann auch noch im Training am Montag. Wir müssen die ersten 75 Minuten mitnehmen und unsere Lehren aus der letzten Viertelstunde ziehen, vor allem in Sachen Mentalität.

Was muss Ihr Team im Derby gegen Horgen besser machen?
Unseren Matchplan verrate ich sicher nicht. (schmunzelt) Jeder Einzelne weiss, dass er sich steigern und alles dem Erfolg der Mannschaft unterordnen muss.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Da will ich nicht einen herausheben. Ende Saison Junioren in andere Mannschaften abgeben und Dank von ihnen sowie ihren Eltern entgegen zu nehmen, das waren immer schöne Momente.

Und die grösste Enttäuschung?
Die Aufstiegsspiele zur Challenge League mit Tuggen im Frühjahr 2005. Da wir gegen Etoile Carouge auswärts 0:1 und daheim 1:2 ver-loren, war die Arbeit der ganzen Saison innert 180 Minuten dahin.

Wie vertreiben Sie sich die Zeit auf der Heimfahrt von einem Auswärtsspiel?
Meist fährt meine Frau und gibt mir Feedbacks. Da sie recht fussballaffin (sie ist die Tochter von Österreichs Nationaltrainer Marcel Koller; Red.) ist, lege ich viel Wert auf ihre Beurteilungen.

Was möchten Sie im Fussball unbedingt erreichen ?
Kurzfristig den Ligaerhalt mit Männedorf und mittelfristig will ich einen weiteren Schritt vorwärts machen. Ob dies mit dem FCM sein wird, sei dahingestellt. Der Klub hat jedenfalls das Potenzial zu mehr.

Welches Thema beschäftigt Sie aktuell am meisten?
Mein Zeitmanagement, denn alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach.

Ihr Lebensmotto?
Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden. In jeder Lebenssituation kann man so viel lernen.

Erstellt: 31.08.2017, 16:43 Uhr

Worum gehts?

Die Männedörfler empfangen am Sonntagnachmittag Horgen zum Seederby. Daheim gewannen sie das erste Meisterschaftsspiel unter dem neuen Trainer Mike Koller gegen Seefeld ZH 1:0, worauf eine 0:6-Schlappe in Wädenswil folgte. Darauf wollen die Rechtsufrigen nun reagieren. «Und auf dem Widenbad unsere Heimstärke unter Beweis stellen», fügt Koller an. Der Gegner vom linken Seeufer unterlag den Wädenswilern am Mittwoch auswärts ebenfalls (0:5).

Kollers Vorgänger Kurt Kobel schaffte im Frühjahr mit dem FCM den direkten Wiederaufstieg in die 2. Liga. Dort will sich der Klub nun etablieren. (ddu)

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