Fussball

Souverän ans erste Ziel

Mit einem verdienten 0:0 gegen Frankreich erreicht die Schweiz die Achtelfinals, ihr Minimalziel an dieser EM. Sie trifft im ersten Spiel der K.o.-Runde am Samstagnachmittag in St-Etienne auf den Verlierer des Duells um den Sieg in der Gruppe C, Deutschland oder Polen ...

Die Schweizer zeigten vor allem im Kollektiv eine starke Leistung: hier wird Frankreichs Paul Pogba umzingelt.

Die Schweizer zeigten vor allem im Kollektiv eine starke Leistung: hier wird Frankreichs Paul Pogba umzingelt. Bild: Albert René Kolb

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Die Franzosen mögen die beiden auffallendsten Torszenen dieses Abend in Lille gehabt haben. Nach einer guten Viertelstunde drosch Paul Pogba, der sehr stark begann, den Ball nach einem Lauf durchs Mittelfeld hart aufs Tor – von der Latte flog er in den Schweizer Fanblock im Publikum. Und in der75. Minute landere Dimitri Payets grossartige Direktabnahme aus vollem Lauf nach einem fulminanten Konter, den Moussa Sissoko übers halbe Feld geführt hatte, an die Lattenunterkante. Diese Aktion der «Bleus» hätte ein Tor verdient gehabt.Und dennoch: Die Franzosen wirkten, je länger das Spiel dauerte, desto mehr zufrieden mit diesem 0:0, das sie zum Gruppensieger machte – und das sie sich erkämpfen mussten gegen Schweizer, die diesen einen Punkt genauso verdienten. In der zweiten Halbzeit war es gar so, dass die Schweiz das Geschehen mehrheitlich kontrollierte. Dass sie es am Ende auf 59:41 Prozent Ballbesitz brachte, war deutlicher Hinweis auf den Spielverlauf.

Kaum eine Torchance

Das Unentschieden war auch deshalb gerecht, weil sich die Schweizer zur besten Leistung des Turniers steigerten – sie sind nun von Match zu Match besser geworden. Was Laufvermögen, defensive Organisation und Spielkultur anbetrifft, boten die Schweizer eine erstklassige Leistung – das einzige, was fehlte, war die allerletzte Phase. Die Schweizer kamen wenig zum Abschluss gegen diese starke Abwehr; wenn der Ansatz schon mal weit gediehen war, fehlte es am letzten Pass.

Von einer klaren Torchance in diesen 90 Minuten ist jedenfalls nicht zu reden; von nicht einer Parade, zu der Frankreichs Captain im Tor, Hugo Lloris, gezwungen worden wäre. Allerdings hätte ein gestrenger Schiedsrichter nach der letzten Aktion des Spiels gar Elfmeter für die Schweiz geben können. Pogba hatte mit einem kurzen Zupfer gegen Dzemaili dazu beigetragen, dass der einen Flankenball nicht erreichte.

Dennoch war das ein guter, ja sehr guter Abend der Nati. Es lag vor allem an ihr, dass die französischen Zuschauer Mitte zweiter Halbzeit zu Pfeifen begannen, weil ihnen ihre Mannschaft offenbar zu passiv geworden war. Erst nach Payets Knaller an die Latte waren die Zuschauer wieder zufrieden. Aber wahrscheinlich werden sie 20 Minuten später nach Hause gegangen sein in der Meinung, diese «Bleus» seien nun wie erwartet und mit sieben Punkten auch durchaus souverän in die Achtelfinals vorgestossen. Aber sie seien noch kaum in der Verfassung eines kommenden Europameisters.

Ihr Trainer Didier Deschamps hatte – mit der Achtelfinal-Qualifikation in der Tasche – wie erwartet rotiert. Er hatte es gar noch ein bisschen mehr getan, weshalb die Hälfte des Feldspielerpersonals anders hiess als noch gegen Albanien. Das hiess allerdings auch, dass mit Pogba und Antoine Griezmann zwei aus der ersten Garnitur in die Startelf zurückkehrte. Griezmann spielte dann ziemlich diskret. Pogba begann – mit drei guten Schüssen – stark, liess dann aber nach.

Petkovics kleine Überraschung

Vom Schweizer Coach Vladimir Petkovic hatte man keinen Wechsel erwartet – und dann wechselte er doch. Das mag seine Art sein. Aber es war nach den ersten 180 Minuten doch nachvollziehbar, dass er «Chancentod» Haris Seferovic durch Breel Embolo ersetzte. Das Ergebnis war nicht auffallend: Auch Embolo arbeitete viel, aber auch mit ihm erreichte die Schweiz nicht die gewünschte Effizienz oder eben auch hohe internationale Klasse. Allerdings war es gegen die Franzosen auch schwierig, nur schon zu Chancen zu kommen.

Dasselbe werden sich – trotz der Lattenschüsse – auch die Franzosen sagen. Sie trafen auf eine Schweizer Mannschaft, deren Ballsicherheit in der Spielentwicklung hervorragend war. Mit zwei erstklassigen Innenverteidigern, zwei erstklassigen zentralen Mittelfeldspielern und auch guten Spielern drumherum. Es war die Leistung einer Mannschaft, die nun endlich mal schaffen könnte, was ihr seit Jahrzehnten nicht gelang: Nicht nur über die erste Runde hinauszukommen, sondern auch mal ein K.o.-Spiel zu gewinnen. Zuletzt in einer K.o.-Runde gewonnen hat die Schweiz noch vor dem Zweiten Weltkrieg, aber immerhin ebenfalls in Frankreich: Das war an der Weltmeisterschaft 1938 in Paris das 4:2 in einem Wiederholungsspiel gegen das Deutsche Reich – nach einem 0:2-Rückstand.

Xhakas grossartige Zahlen

«Wir haben heute gezeigt, dass wir Fussball spielen können,» sagte der zu Recht zufriedene Petkovic am Ende. Was er teilweise gesehen hatte, durfte ihn auch zufriedenstellen. Beispielsweise die Leistung Granit Xhakas, der den Tribünengast Arsène Wenger sicher mindestens so erfreut haben dürfte wie seine französischen Landsleute. Wenger sah als Manager des FC Arsenal einen Neueinkauf, der von allen Spielern am meisten lief und von allen auch die grösste Passsicherheit erreichte. 95 Prozent aller Bälle Xhakas kamen beim Mitspieler an – und weil er sehr viele Bälle spielte, ist diese Zahl umso beeindruckender.

Die Schweiz hat gestern nicht aus Zufall nicht verloren. Sie hat noch viel weniger aus Zufall, sondern absolut logisch die Achtelfinals erreicht. Und sie hat jetzt eine Woche Zeit einen Match vorzubereiten, der zu einer grossen Stunde für den Schweizer Fussball werden könnte. Gut genug kann die Mannschaft sein, vor allem, wenn sie in der allerletzten Zone doch noch etwas zusetzen kann.

Erstellt: 19.06.2016, 23:53 Uhr

Stimmen zum Spiel

Granit Xhaka: «Die Gruppe war nicht so leicht, Albanien und Rumänien waren sehr schwere Gegner. Und Frankreich hat individuell viel Klasse. Es war eine grossartige Leistung dieser Mannschaft, endlich haben wir auch einmal gegen eine grosse Mannschaft gezeigt, dass wir mithalten können. Wir wollten einen oder drei Punkte mitnehmen. Das Ziel Nummer 1 war aber die Qualifikation für die Achtelfinals, das haben wir erreicht.»
Yann Sommer: «Gegen Frankreich ist es normal, dass der Gegner zu Chancen kommt. Die Qualität der Franzosen offensiv ist unglaublich, manchmal braucht man auch das Quäntchen Glück. Wir sind unglaublich glücklich, dass wir in den Achtelfinals sind. Wir haben eine gute Gruppenphase gespielt und uns das verdient, es ist toll für uns und für das Land. Wir haben ein paar Chancen zugelassen.»
Didier Deschamps: «Wir hatten ein paar gute Gelegenheiten, aber es war ein Gegner mit guter Qualität. Wir haben nicht alles nach vorne geworfen. Das Ziel war, Gruppensieger zu werden, das Zwischenziel haben wir erreicht.»sda

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