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Mit Gier zu Besuch in der Heimat

Mario Gavranovic trifft am Mittwochabend mit Dinamo Zagreb im Playoff zur Champions League auf YB. An das Stade de Suisse hat der Schweizer Nationalspieler schöne Erinnerungen.

Dinamo Zagreb setzt auf Stürmer Mario Gavranovic. Foto: Freshfocus
Dinamo Zagreb setzt auf Stürmer Mario Gavranovic. Foto: Freshfocus

Der kleine Mario Gavranovic schaute liebend gern italienischen Fussball, er interessierte sich für die Schweizer Liga. Und dann gab es da noch diesen Club, mit dem sich jeder aus seiner Familie verbunden fühlte, also auch er: Dinamo Zagreb.

Der Junior aus Lugano, Sohn kroatischer Einwanderer, wurde erwachsen und Profi. Mit 18 zog er fort aus dem Tessin, machte halt in der Romandie bei Yverdon und Xamax, zog weiter zu Schalke, wurde mit 21 Nationalspieler, landete mit 22 beim FC Zürich, verliess Anfang 2016 mit 26 die Schweiz, um in Kroatien bei Rijeka weiterzumachen – und seit Januar dieses Jahres ist er in ­Zagreb. Aus dem Dinamo-Fan ist ein Dinamo-Spieler geworden.

«Du musst Erfolg haben»

Gavranovic ist Teil eines stolzen Vereins, der in diesem Sommer bereits zum 19. Mal Meister und zum 15. Mal Cupsieger wurde. Eine Saison ohne Pokal wie 2016/17 wird da nicht als Fehltritt verbucht, «es ist eine sportliche Katastrophe», sagt der Stürmer. Und: «Wenn du dieses Trikot trägst, kennst du deinen Auftrag: Du musst Erfolg haben.» Erfolg haben heisst aber nicht nur, national zu überragen, sondern vor allem auch: sich in Europa zu zeigen. In der Champions League.

Jetzt bietet sich diese Möglichkeit wieder, vorausgesetzt, dass im Playoff die Young Boys eliminiert werden. Wenn Gavranovic vom Gegner spricht, sprudeln drei Namen aus ihm heraus: «Hoarau, Von Bergen, Sulejmani – ihre Erfahrung ist riesig.» Es folgen ein Hinweis auf den Kunstrasen («ein Vorteil für YB») und die Bemerkung, dass in Zagreb sehr wohl registriert ­worden ist, wie souverän die ­Berner vergangene Saison den Titel geholt haben: «Wer mit 15 Punkten Vorsprung auf Basel Meister wird, verdient grossen Respekt.»

Aber die Kroaten, bei denen auch der ehemalige GC-Spieler Izet Hajrovic unter Vertrag steht, kennen im Gegensatz zu YB die Champions League, und Gavranovic hat in seiner Karriere an einem anderen Ort einmal in diesem Wettbewerb geschnuppert. Im März 2011 wars, als er an der Seite des grossen Raúl bei Schalke stürmen durfte und bei seiner Premiere in der Königsklasse ein Tor zum 3:1 im Achtelfinal gegen Valencia beitrug. Natürlich ist diese Erinnerung präsent, aber sie stillt seinen Champions-League-Hunger bei weitem nicht.

Gavranovic will bei seinem Heimatbesuch gierig sein, gierig nach einem erfolgreichen Abend im Stade de Suisse, in dem er 2014 den FCZ mit zwei Treffern gegen den FC Basel zum Cupsieg führte: «Wenn ich die Chance bekomme, werde ich bereit sein.» Dafür nimmt er in Kauf, dass temporär Funkstille herrschen wird zwischen ihm und YB-­Verteidiger Loris Benito, mit dem er seit gemeinsamen Zeiten in Zürich eine Freundschaft pflegt.

Einige Spieler, die Berühmtheit im Weltfussball erlangten, haben eine Vergangenheit in Zagreb, ein Davor Suker, ein Luka Modric oder ein Mario Mandzukic. Das zeigt Gavranovic, dass Dinamo ein ideales Sprungbrett sein kann, selbst für ihn, den 28-Jährigen mit Vertrag bis 2021. Er gibt heute ein anderes Bild ab als noch zu Zeiten beim FCZ, so jedenfalls nimmt ihn sein damaliger Trainer Urs Meier wahr: «Mario ist in jeder Hinsicht stärker geworden. Seine fussballerischen Qualitäten waren schon immer unbestritten, aber ihm ist gerade durch seinen Kreuzbandriss vor vier Jahren bewusst geworden, wie wichtig die Athletik ist. Heute ist er physisch in einer tadellosen Verfassung und robust genug, um sich auch als alleiniger Stürmer behaupten zu können.»

Kroatien als Inspiration

Beim HNK Rijeka, mit dem er 2017 ebenfalls das Double gewann, brachte er es in zwei Jahren auf 80 Wettbewerbsspiele und 40 Tore; in Zagreb hat er seit Februar in bislang 24 Partien 12 Tore erzielt. Getroffen hat er seit Sommer zweimal in der Liga und einmal in der Qualifikation zur Champions League gegen Astana. Ihm geben seine Bilanz und der Meisterschaftsstart von Dinamo mit zehn Punkten aus vier Runden zwar ein gutes, aber kein euphorisches Gefühl. Vor diesem Mittwoch sagt er: «Das Niveau in der kroatischen Liga ist mit dem in der Schweiz vergleichbar. Darum erwarte ich ein sehr ausgeglichenes Duell.»

Allerdings haben sie in Zagreb die Hoffnung, dass sich das Abschneiden der Kroaten an der WM auch auf den Clubfussball auswirkt. «Ihr Finaleinzug muss für uns eine Inspiration sein», sagt Gavranovic, «Kroatien hat gezeigt, was möglich ist, wenn man an sich glaubt.»

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