Fussball

«Mein fussballerisch bestes Jahr»

Weil er noch etwas anderes erleben wollte, verliess Jérôme­ Thiesson im Februar den FC Luzern. Beim Minnesota United FC ist der Abwehrspieler aus Hombrechtikon eine feste Grösse. Auch privat blickt der 30-Jährige auf ein spezielles Jahr zurück, im Sommer wurde er Vater eines Sohnes.

Auch offensiv erfolgreich: Der Hombrechtiker Jérôme Thiesson schoss in seiner ersten MLS-Saison zwei Tore für den Minnesota United FC.

Auch offensiv erfolgreich: Der Hombrechtiker Jérôme Thiesson schoss in seiner ersten MLS-Saison zwei Tore für den Minnesota United FC. Bild: Jeremy Olson / EQ Images

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In der Major League Soccer (MLS) stehen in der zweiten Wochenhälfte die Rückspiele der Playoff-Halbfinals an. Thiesson kehrte aber schon vor drei Wochen in der Heimat zurück. Für sein Team aus Minnesota endete die Regular Season am 22. Oktober mit einer 2:3-Niederlage gegen die San Jose Earth­quakes. In ihrer Premierensaison holte die Equipe in 34 Partien 36 Punkte und verpasste die Playoffs um zehn Zähler. Bei der Derniere erzielte der Abwehrspieler, der meist als Rechtsverteidiger zum Einsatz kam, seinen zweiten Saisontreffer.

«Das ist mir in zehn Jahren in der Super League nie gelungen», sagt Thiesson. Nicht nur deswegen spricht er vom fussballerisch besten Jahr seiner Karriere. Zwar seien die Spieler in Europa taktisch besser ausgebildet als jene in der MLS, aber die Liga als ­Ganzes sei stärker. «Fünf, sechs Teams würden in der Schweiz um den Titel mitspielen», ist der 30-Jährige überzeugt. Dazu zählt auch Halbfinalist Toronto. Dieses Team hatte sich 2016 die Disco­very Rights am Verteidiger gesichert. Thiesson ist aber froh, dass er beim gut 1000 km weiter westlich domizilierten MLS-Expan­sions­team untergekommen ist. Seine Einsatzchancen im Spitzenklub aus Kanada schätzte er als gering ein. Beim Liganeuling spielte der Hombrechtiker hingegen eine tragende Rolle in der Defen­sive. Das erste Spiel Minnesotas hatte er noch in der Schweiz am TV verfolgt; danach stand der ehemalige Nachwuchs-Inter­na­tio­nale in jeder der 33 Partien in der Startformation.

Tapetenwechsel

Aber weshalb verliess er nach fünfeinhalb Jahren beim FC Luzern die Heimat? «Ich wollte noch etwas anderes sehen», erklärt Thiesson. Er war realistisch genug, um zu wissen, dass es mit einem Wechsel zu Basel oder YB nicht klappen würde. «Und bei allen­ anderen Klubs in der Super League wäre es die gleiche Pasta einfach mit einer anderen Sauce gewesen.»

«Es wäre die gleiche Pasta mit einer anderen Sauce gewesen.»Jérôme Thiesson

Und für eine europäische Spitzenliga hätte es wohl auch nicht gereicht. Die 2. Bundesliga in Deutschland oder die zweithöchste Liga Spaniens seien ein Thema gewesen. «Dann kam die MLS auf mich zu, und das ist immer­hin eine erste Liga», verrät Jérôme Thiesson. Der FCL legte ihm für den vorzeitigen Ausstieg aus dem Vertrag keine Steine in den Weg. «Dafür bin ich dankbar», sagt der polyvalent ein­setzbare Verteidiger, der für die Zentralschweizer 169-mal in der Super League auflief.

Debüt im Schneesturm

Keine 70 Stunden nach seiner Landung in Minneapolis stand Thiesson am 12. März erstmals für sein neues Team im Einsatz. Gegen Atlanta setzte es eine 1:6-Schlappe ab. Dabei sei das Resultat nicht einmal das Schlimmste gewesen, meint er. Während der Partie tobte ein veritabler Schneesturm. «Zum Spielen war es echt schlimm, in der Schweiz wäre der Match wohl abgesagt worden.» Weil es jedoch das erste Heimspiel in der Geschichte des Minnesota United FC im mit 35 043 Zuschauern ausverkauften TCF Bank Stadium war, mussten die Akteure da durch. «Die Fans hatten ein Riesenfest», erinnert Thiesson sich schmunzelnd an seine Premiere.

Er sei mit offenen Armen empfan­gen worden, berichtet der Hombrechtiker. Und als die Spieler zu einer Einheit zusammenfanden, stellten sich auch Erfolge ein. «Es war schon speziell, beim ersten Punktgewinn oder gar Sieg der Franchise dabei zu sein», sagt der 30-Jährige. Am 24. Juni erzielte er beim 2:2 gegen Vancouver sein erstes Tor.

Einen Monat später hatte der Fussballer einen ganz anderen Grund zur Freude, er wurde erstmals Vater. Seine Familie fühle sich in Minneapolis wohl. «Das Klima ist ähnlich wie in der Schweiz. Ich brauche nur 25 Minuten bis ins Training – weniger als zuletzt in Luzern.» Während der Zeit in der alten Heimat wohnt Thiesson mit seiner jungen Familie abwechslungs­weise bei den Eltern in Hombrechtikon oder den Schwiegereltern in Rudolfstetten.

Für den Kindergarten zurück

Am Mittwoch fährt das Trio allerdings nach Montenegro in die Heimat von Thiessons Frau für eine Woche in die Ferien. Fit hält der De­fen­sivspieler sich beim FC Rapperswil-Jona. Der Kontakt zum Challenge-League-Klub kam über Sportchef Stefan Flühmann zustande. «Ihn kenne ich schon lange», verrät Thiesson, der eine KV-Lehre absolviert hat und im März ein Studium in Sportmanagement aufnehmen wird.

In der zweiten Januar­hälfte wird der 30-Jährige in die USA zurückkehren. Bei Minnesota besitzt er einen Vertrag für 2018, der sich je nach Einsatzzeiten automatisch um ein Jahr verlängert. Klar ist für Jérôme Thiesson: «Spätestens wenn unser Sohn in den Kindergarten kommt, kehren wir in die Schweiz zurück.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.11.2017, 11:31 Uhr

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