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Maradona, in Gottes Hand

Ein Stürmer vom FC Tavanasa, ein Fan von Eintracht Braunschweig – und ein Zuspiel von Diego Armando Maradona junior.

Der neue Dokumentarfilm von Asif Kapadia über das Leben von Diego Maradona läuft zurzeit in den Kinos.
Der neue Dokumentarfilm von Asif Kapadia über das Leben von Diego Maradona läuft zurzeit in den Kinos.

Zwei Bücher, ein Film, zufällig hintereinander gelesen und gesehen. Es sind verschiedene Themen, ein Monolog, eine Erzählung, ein Porträt, und eines haben sie gemeinsam: Es geht um die Vergänglichkeit, um das Ende, um das, was war, früher. Und noch etwas: Der Fussball verbindet sie.

Arno Camenisch, der Schriftsteller aus der Surselva, hat als 16-Jähriger in der 3. Liga für den FC Tavanasa gespielt. Er klingelte als kleiner Bub in seinem Dorf bei der Mutter von Pauli Friberg an der Haustür und hängte dann das Poster ihres Sohnes, der später Meister mit Luzern wurde und «schnell wie ein Blitz» war, über sein Bett.

«Herr Anselm» heisst sein neues Buch. Anselm ist der Abwart eines Schulhauses in den Bündner Bergen, er steht auf dem Friedhof am Grab seiner verstorbenen Frau und erzählt ihr, dass sie in einem Jahr sein Schulhaus schliessen wollen, weil es den «Globis mit ihren Cravattas» nur ums Sparen gehe. Es ist ein Buch über den Blick auf eine Welt, die verschwindet.

Axel Hacke, der deutsche Autor und Kolumnist, hat als Kind einst mit Quitten oder zusammengeknüllten Butterbrotpapieren gespielt, Moll, Maas oder Bäse hiessen seine Idole, sie wurden 1967 deutsche Meister mit Eintracht Braunschweig. Der Fussball sei für ihn seither nie mehr so etwas Grosses gewesen, sagt er.

«Wozu wir da sind», heisst sein neues Buch. Er, der seit 30 Jahren Nachrufe für eine Zeitung schreibt, nicht nur über Tote mit berühmten Namen, sinniert über die grossen Fragen unserer Existenz, sieht das Leben von seinem Ende her und fragt sich immer wieder: Wann ist ein Leben gelungen, wer entscheidet das?

Asif Kapadia aus London, Sohn indischer Eltern, hat Porträts über Ayrton Senna und die Sängerin Amy Winehouse gedreht und jetzt den Dokumentarfilm «Diego Maradona».

In Kapadias Film gibt es ganz am Schluss diese Szene. Diego Maradona, rund wie ein Ballon, er kann kaum gehen, steht auf einem Platz in Buenos Aires, um ihn herum spielen sie, einer gibt ihm den Ball, er dribbelt, schiesst, strahlt, für einen Augenblick ist er ein glücklicher Fussballer. Es sind Aufnahmen von 2016, den Ball hat ihm Diego Armando Maradona junior zugespielt, sein unehelicher Sohn aus Neapel, den er so lange verleugnete.

Die Sequenz wirkt wie einer der Nachrufe, die in Maradonas Leben schon mehrmals voreilig verfasst worden sind, weil er dem Tod in die Augen gesehen hatte. Ist sein Leben gelungen?

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