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Luzern-Coach Celestini auf heikler Mission

Der 44-jährige Romand wagt sich als Trainer des FC Luzern an eine schwierige Aufgabe heran. Er nennt sie «ein Privileg».

Er bringt «das Lateinische» mit in die Innerschweiz: Fabio Celestini. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
Er bringt «das Lateinische» mit in die Innerschweiz: Fabio Celestini. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Zuerst sagt Fabio Celestini: «Grüezi mitenand.» Und strahlt zufrieden. Vor sich hat er ein Blatt Papier mit ein paar Sätzen, die er auf Deutsch vorträgt. Er will das so: auf Deutsch begrüssen, den Willen demonstrieren, sich als Romand in einer Sprache auszudrücken, die ihm noch etwas fremd ist. Es sei «eine Ehre und ein Privileg, in Luzern Trainer sein zu dürfen», sagt der 44-jährige, bevor er den Sportchef und den Präsidenten lobt: «Mein Gefühl nach dem ersten Treffen war überragend. Für mich war klar: Das mache ich.»

Celestini sitzt an diesem Freitag im Medienraum des Stadions, er ist der Nächste, der sich an eine nicht ganz unkomplizierte Aufgabe heranwagt. Erwartet wird von ihm, dass er aus der Mannschaft deutlich mehr herausholt als sein Vorgänger Thomas Häberli – Sportchef Remo Meyer vertritt hartnäckig die Meinung, dass im Kader ausreichend Substanz steckt. Und zurechtfinden muss er sich in einem traditionell nervösen Umfeld, in dem schon mancher Trainer gescheitert ist.

Celestini hat den Vorteil, dass er sein Amt unvoreingenommen antreten kann. Als Spieler stand er in der Schweiz nur in Lausanne unter Vertrag, ehe er nach Frankreich und später nach Spanien zog. Als Trainer begann er 2013 in Malaga, er war der Assistent von Bernd Schuster, gab in Italien ein kurzes Gastspiel beim viertklassigen Terracina und kehrte 2015 in die Westschweiz zurück. Er stieg mit Lausanne auf, wurde zum Trainer des Jahres gekürt, aber im April 2018 entlassen. Ein paar Monate später stieg er bei Lugano ein, führte die Tessiner in die Europa League – aber im vergangenen Oktober war Schluss.

Der frühere Nationalspieler hat klare Ideen vom Fussball und glaubt, dass sich die überall umsetzen lassen, ob in Lausanne, Lugano oder in Luzern: «Den Ball möglichst oft haben, mutig sein, offensiv ausgerichtet.» Sein Denken geprägt hat zum einen der Deutsche Bernd Schuster, weil er einen guten Umgang mit den Spielern pflegte. Einfluss hatte aber auch der frühere dänische Weltklassespieler Michael Laudrup, 2007 sein Trainer bei Getafe: «Bei ihm drang die Barcelona-Schule durch: viel Ballbesitz, Kreativität, Abwechslung.»

Hoffen auf den «super Mix»

Ende Juli sagte er der «SonntagsZeitung», dass ihn ein Job in der Deutschschweiz ziemlich reizen würde. «Diese Mannschaften lassen den Gegner kaum einmal durchatmen. Die Spieler sind sehr arbeitsam und diszipliniert. Die Westschweizer können zwar sehr guten Fussball spielen, aber eben auch schneller die Lust verlieren.» Nun also ist er beim FC Luzern angekommen und sagt: «Ich bringe das lateinische Element mit. Das kann ein super Mix werden.»

Neben ihm hört Remo Meyer aufmerksam zu, ihm gefällt es, wie Celestini auftritt. Er nennt den Neuen «eine Führungspersönlichkeit», ist überzeugt, dass der FCL «einen absoluten Fussball-Fachmann» verpflichtet hat, einen, «dessen Mannschaften seine Handschrift tragen und der in der Lage ist, bei uns spektakulären Fussball spielen zu lassen».

Celestini, dessen Familie in Panama lebt, erfuhr am 17. Dezember vom Interesse aus der Zentralschweiz, kurz nach Neujahr unterschrieb er einen Vertrag bis 2021. Die erste Trainingseinheit hat er hinter, die grossen Herausforderungen aber noch vor sich. Ende Monat will er schon in der Lage sein, ohne Spickzettel auf Deutsch Auskunft zu geben, was bedeutet, dass er einen intensiven Sprachkurs belegt. Und er will den Beweis antreten, der richtige Trainer für Luzern zu sein – «aber das geht nicht mit Worten, sondern nur mit Resultaten».

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