Fussball

Lange top – zum Schluss flop

Mit Rang 6 hat Thalwil in der abgelaufenen Saison seine beste Klassierung seit dem Aufstieg in die 1. Liga erreicht. Dies dank einer tollen Vorrunde, im Frühjahr dagegen lief es bei den Grün-Weissen nicht mehr rund.

Nach sehr guter Herbstrunde tat sich Thalwil (in der Mitte Simon Mesonero) im Frühjahr zusehends schwerer.

Nach sehr guter Herbstrunde tat sich Thalwil (in der Mitte Simon Mesonero) im Frühjahr zusehends schwerer. Bild: Archiv André Springer

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Vergleicht man die Ausbeute der Thalwiler Mannschaft von vor der Winterpause mit jener danach, ist das Ergebnis wie Tag und Nacht. Im Herbst resultierten aus 14 Partien 23 Zähler (bei einem Torverhältnis von 23:18), im Frühjahr waren es gerade einmal noch 11 Punkte aus 12 Spielen (11:21). Der Schnitt sank also von 1,64 auf 0,92 – und in der Tabelle rutschte das Team von Platz 4 auf den 6. Schlussrang ab.

Zwar resultierte letztlich dennoch die beste Klassierung seit dem Aufstieg 2013 (zuvor war es Rang 8 von 2016), doch es bleibt ein schaler Nachgeschmack zurück – umso mehr, als die Meisterschaft mit einer Serie von 5 Niederlagen abgeschlossen wurde.

Insgesamt ein Erfolg

Wenig überraschend spricht auch Roger Leutwyler, der dem Verein seit August 2014 als Präsident vorsteht, von einer Saison mit Höhen und Tiefen. Er betont aber: «Insgesamt ist dieser 6. Platz für den FC Thalwil sicher ein toller Erfolg. Denn wir bewegen uns vom Finanziellen her im hinteren Bereich.»

Daran gemessen hätten sie in der Vorrunde eher zu gut abgeschnitten, sprich etwas über den Verhältnissen gespielt. «Weil wir überzeugend auftraten und sicher im einen oder anderen Spiel auch das nötige Quäntchen Glück auf unserer Seite hatten.» Im Frühjahr sei dies dann nicht mehr der Fall gewesen. «Ich erinnere mich an zwei Partien, in denen wir jeweils kurz vor Schluss einen Penalty vergaben. Das sind Momente, die ein Team knicken können. Kam hinzu, dass wir gegen Saisonende doch einige Absenzen zu beklagen hatten durch Verletzungen und Sperren.»

Unruhe durch Wechselabsicht

Über weitere Gründe für die letztlich enttäuschende Rückrunde kann der Präsident nur mutmassen: «Vielleicht träumte der eine oder andere von den Aufstiegsspielen. Die lagen ja bei Halbzeit in Reichweite und wären vor dem Hintergrund, dass der Verein heuer sein 100-Jahr-Jubiläum feiert, natürlich ein Highlight gewesen.»

Zweifellos eine Rolle dürfte aber auch gespielt haben, dass Trainer Ergün Dogru Anfang Mai darum bat, seinen rund einen Monat zuvor bis ins Jahr 2019 verlängerten Vertrag per Ende Saison aufzulösen (um zum Erstligisten Zug 94 wechseln zu können). «So etwas kann schon Unruhe in eine Mannschaft bringen», sagt Marco Bolli, der als Nachfolger von Dogru verpflichtet wurde und dann schon zwei Runden vor Saisonschluss das Zepter übernehmen durfte. Dogru sei ja auch Sportchef gewesen, habe viele Spieler selber an Board geholt. Speziell diese dürften sich dann ihre Gedanken gemacht haben, wie es für sie unter dem neuen Trainer weitergehen würde.

Die ganze Situation sei schon speziell gewesen, sagt auch Roger Leutwyler. «Aber so ist das Fussballgeschäft.» Dogru habe in den drei Jahren sehr gute Arbeit ­geleistet. «Das war auch der Grund, weshalb der Verein seinem Wunsch entsprach.» Dogrus Freistellung erfolgte dann aus dem einfachen Grund, weil der Verein Bolli möglichst früh die Gelegenheit geben wollte, sich aus nächster Nähe ein Bild von der Mannschaft zu machen, die Spieler kennen zu lernen. «Das Resultat war deshalb in diesen zwei letzten Partien zweitrangig», erklärt Leutwyler.

Die Phase des ersten Beschnupperns läuft noch bis Ende nächster Woche. So lange trainiert der FCT weiter. Danach folgt eine gut zweiwöchige Pause, ehe in der letzten Juniwoche die Vorbereitung auf die neue Saison so richtig beginnt.

Bolli will sich Zeit lassen

Wie die Mannschaft dann aussieht, wird sich zeigen. Vier Abgänge stehen bereits fest. Toptorjäger Mirco Coduti wechselt aus beruflichen Gründen zum Zweitligisten Horgen, Ersatzgoalie Benjamin Büchel zu Vaduz in die Challenge League, Fabian Simic kehrt zum FC Luzern zurück, und Raphael Mollet verlässt den FCT mit unbestimmtem Ziel. Den anderen will Bolli eine faire Chance geben, sich für einen Verbleib zu empfehlen; er sagt aber wie auch Präsident Leutwyler: «Auf einigen Positionen besteht sicher Handlungsbedarf.»

Unter Zeitdruck sehen sich die Verantwortlichen aber nicht. Es gebe genug Interessenten. Und oftmals würden noch Spieler verfügbar, die sich bei Oberklassigen nicht aufdrängen könnten. «Gut möglich, dass es Ende Juli wird, ehe das Kader wirklich steht», sagt Bolli. Ziel sei, am Schluss eine homogene, disziplinierte und spielstarke Truppe zu haben, die in der Lage ist, sich im Bereich der Ränge 5 bis 8 zu bewegen. «Mehr ist nicht realistisch – ausser, es würde sich spontan ein Mäzen bei uns melden», schmunzelt Leutwyler. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 31.05.2018, 10:51 Uhr

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