Fussball

«Jeder Einzelne war auf der Höhe»

Stefan Flühmann hat den FC Rapperswil-Jona in die Challenge League geführt. Der abtretende Erfolgstrainer blickt auf die letzten Monate zurück und in die Zukunft. «Der FCRJ wird für die Liga eine Bereicherung sein», ist der 45-Jährige überzeugt.

FCRJ-Trainer Stefan Flühmann vergiesst bei der Aufstiegsfeier im Grünfeld mit Carlos Da Silva (links) und Dennis Salanovic (rechts) Freudentränen.

FCRJ-Trainer Stefan Flühmann vergiesst bei der Aufstiegsfeier im Grünfeld mit Carlos Da Silva (links) und Dennis Salanovic (rechts) Freudentränen. Bild: Michael Trost

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sind Sie schon aus Ihrem Traum aufgewacht?
Stefan Flühmann: Jein. Um wirklich zu realisieren, was wir erreichten, braucht es noch Zeit.

Welches war das Highlight der Aufstiegsfeier?
Der Moment auf dem Rasen war am Schönsten. Auf einen Schlag war der Druck weg, was zu Freudentränen und vielen Emotionen führte. Natürlich war dann auch das Fest auf dem Fischmarktplatz mit hunderten Leuten sehr toll.

Wie müde sind Sie?
Ich bin schon sehr erschöpft. Nicht vom Feiern, aber von der Anspannung, die sich während der Rückrunde aufbaute und bis zum Höhepunkt steigerte.

Wie haben Sie all die Emotionen und Erlebnisse verarbeitet?
Primär mit meinen Liebsten. Vor allem meine Familie unterstützte mich immer sehr und musste auch viele Opfer bringen.

Bestimmt erhielten Sie viele Gratulationen. Womit haben Sie nicht gerechnet?
Die Reaktionen waren gewaltig und sehr erfreulich. Über 200 SMS gingen auf meinem Handy ein, darunter eine von Martin Andermatt aus Hannover. Am Montagmorgen rief mich Kriens-Coach Marinko Jurendic an, um zu gratulieren. Ich habe grosse Achtung vor ihm.

Wie reagierte Ihr Nachfolger Urs Meier auf den Aufstieg?
Natürlich ist er sehr glücklich. Eine Liga höher zu spielen, ist immer schön. Er wurde dafür belohnt, dass er uns schon im Februar – auch für die Promotion League – zugesagt hat. Und es war die beste Entscheidung, dies bereits damals zu kommunizieren.

Was hat er Ihnen in den letzten Monaten eingeflüstert?
Er beobachtete und analysierte jeweils die nächsten Gegner genau. Der regelmässige Informationsaustausch und Kontakt brachte uns alle weiter.

Was werden Sie Meier mit auf den Weg geben?
Jeder Trainer vertritt seine eigene Philosophie. Urs Meier weiss, dass wir eine starke, intakte Mannschaft haben und wird wohl nicht alles auf den Kopf stellen. Ratschläge erübrigen sich.

Welches waren die wichtigsten Mosaiksteinchen, die zum Aufstiegserfolg führten?
Es mussten ganz viele Mosaiksteinchen geschliffen und zusammengefügt werden. Etwa kleine taktische Anpassungen auf die Rückrunde hin. Wir wuchsen zu einem unglaublich homogenen Team zusammen. Ebenso wichtig waren die 22 Tore von Mychell Da Silva Chagas, aber jeder Einzelne war auf der Höhe. Der positive, interne Konkurrenzkampf trug dazu bei. Ich hätte mindestens fünf Wechsel an der Startelf vornehmen können, ohne einen Leistungsabfall zu riskieren. Letztlich war auch wichtig, dass wir stets Ruhe bewahrten. Zudem will ich den ganzen Staff hervorheben, der einen super Job geleistet hat.

Der FCRJ entwickelte sich in den letzten Jahren enorm. Wo musste der Hebel angesetzt werden?
Um die Vereinsstrukturen kümmerte sich primär der Präsident. Wichtig war vor allem die Disziplin und Professionalisierung des Trainingsbetriebs. Auch die Menschlichkeit war uns wichtig. Um auf die individuellen Bedürfnisse jedes Spielers einzugehen, brauchte es viel Sozialkompetenz und Fingerspitzengefühl.

«Ein lachendes und weinendes Auge gehört dazu.»Stefan Flühmann

Nach vier Jahren geben Sie Ihr Traineramt ab. Wie schwer fällt Ihnen das Kürzertreten?
Momentan ist es befreiend. Ein lachendes und weinendes Auge gehört dazu. Aber ich habe mich bewusst zu diesem Schritt entschieden und werde ja dem Team weiterhin nah bleiben.

Stimmt es Sie trotzdem wehmütig, den FCRJ in der Challenge League nicht zu coachen?
Keineswegs, denn diese Aufgabe wäre nicht mit meinem Geschäft vereinbar gewesen. Ich hätte mein Arbeitspensum reduzieren müssen. Nun bin ich klubintern halt für anderes zuständig und verhelfe dem FCRJ so zu nächsten Erfolgen.

Welches Potenzial hat die aktuelle Mannschaft in der zweithöchsten Schweizer Liga?
Die Voraussetzungen sind ganz klar anders. Wir werden nicht mehr so dominant wie in der Promotion League sein, mehr verteidigen und um den Ligaerhalt kämpfen müssen.

Obwohl viele Leistungsträger bleiben, stehen sicher auch Kaderveränderungen an. Wer wird das Team verlassen?
Jetzt kann ich das noch nicht sagen. Die Saison endet nächste Woche mit dem Abschlusstraining. Anfang Juni wird sich dann weisen, wer bleibt und wer geht. Die noch professionelleren Strukturen in der Challenge League werden aber bestimmt Neuerungen mit sich bringen.

Auf welchen Positionen ist Verstärkung notwendig?
Damit wird sich die Sportkommission zusammen mit Urs Meier befassen. Punktuell werden wir uns aber sicher verstärken müssen.

Ist auch denkbar, vom Partnerklub GC einige Spieler auszuleihen?
Denkbar ist alles. Vielleicht kommen auch Spieler vom FC St. Gallen oder vom FCZ. Derzeit kann ich nicht beurteilen, wie sich das entwickelt. GC hat uns Manuel Kubli geliehen, St. Gallen Simon Rohrbach und vom FCZ erhielten wir Egzon Kllokoqi. Da kann sich also noch viel ergeben.

Was trauen Sie dem FCRJ in der Challenge League zu?
Ich hoffe, dass wir uns sportlich behaupten können. Wir müssen kleine Brötchen backen und uns zuerst beweisen. Rapperswil-Jona wird für die Liga aber sicher eine Bereicherung sein.

Sie bleiben dem Verein als neuer Sportdirektor erhalten. Welches sind Ihre Aufgaben?
Ich werde der 1. Mannschaft sicher nahe bleiben und sehe mich als Bindeglied zwischen ihr und dem Nachwuchs. Als Vorgesetzter des Staffs und der Spieler liegt mir viel an einem homogenen Auftritt der gesamten Equipe. Natürlich werde ich auch zwischendurch die Trainings besuchen und dann an den Spielen dabei sein.

Werden Sie in der Challenge League denn auf der Bank oder auf der Tribüne sitzen?
Das wird Urs Meier entscheiden. Mir ist nicht so wichtig, an der Seitenlinie zu sein. Ich werde aber wohl die Mannschaft auf Reisen begleiten und betreuen. Und klar ist jetzt schon, dass ich trotz des Meisterschaftsbetriebs Herbst- oder Frühlingsferien machen werde. Das konnte ich vor 15 Jahren zum letzten Mal.

Was wünschen Sie sich für Ihr Abschlussspiel als FCRJ-Trainer am Samstag in Basel?
Eine wunderbare letzte Reise mit dem ganzen Kader und Staff. Ich werde sicher den einen oder anderen Wechsel an der Aufstellung vornehmen. Und nach der Rückkehr aus Basel werden wir in Rapperswil ein gemeinsames Nachtessen und nochmals eine gute Party im Kreis der Mannschaft geniessen.

Erstellt: 23.05.2017, 17:21 Uhr

Artikel zum Thema

Die Krönung der Meisterleistung

Fussball Mit einem starken Auftritt im letzten Heimspiel der Saison schaffte Rapperswil-Jona den Aufstieg in die Challenge League. Dennis Salanovic und Manuel Kubli trafen gegen die U21-Equipe des FCZ – und in Kriens leistete Breitenrain Schützenhilfe. Mehr...

Der FCRJ-Aufstieg stellt den Bauchef vor Herausforderungen

Rapperswil-Jona Das Stadion Grünfeld muss nach dem Aufstieg des FCRJ saniert werden. 550 000 Franken haben die Stimmbürger dafür schon bewilligt. Nach dem Aufstieg wird klar: Der Betrag reicht nicht. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!