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«Ich war überrascht» – wie es Salatic in Ufa geht

Der frühere GC-Captain spricht über sein Abenteuer im Ausland – und seinen Irrtum mit Yakin.

Als Mann, der vor der Abwehr für Ordnung sorgt, hat Veroljub Salatic in Ufa seine feste Rolle und Freude. Foto: Getty
Als Mann, der vor der Abwehr für Ordnung sorgt, hat Veroljub Salatic in Ufa seine feste Rolle und Freude. Foto: Getty

Als Veroljub Salatic im vergangenen ­August erstmals davon hörte, dass der FK Ufa an ihm interessiert sei, dachte er spontan: Russland? Ufa, 1400 Kilometer östlich von Moskau, kannte er nicht, aber er stellte sich vor, dass es dort bestimmt grau sein würde, kalt, unangenehm halt. Aber einen Augenschein nehmen wollte er trotzdem. Und es war weder grau noch kalt. «Ich war überrascht», sagt Salatic, «ich hatte ein komplett anderes Bild – ein komplett falsches, wie ich längst weiss.»

Er schob alle anderen Offerten beiseite, solche aus der Türkei und Israel, sagte bei Ufa für eine Saison zu – und seine Eindrücke sind so positiv, dass er sich entschlossen hat, zu bleiben. Mit dem Club einigte er sich auf eine Vertragsverlängerung um ein Jahr.

Es sind Glücksgefühle, die sich bemerkbar machen. 32 ist Salatic, und es scheint, als habe ihn im fortgeschrittenen Fussballeralter eine Abenteuerlust mit anhaltender Wirkung gepackt – nach über zehn Jahren als Profi bei GC, einer Saison auf Zypern und einem zweieinhalbjährigen Gastspiel bei Sion.

Das Privileg des Fussballers

In der Stadt mit mehr als einer Million Einwohnern lernte Salatic viel Neues kennen und vieles wieder neu schätzen. Er hat zwar das Privileg, mit seiner Frau und den vier Kindern schön zu wohnen, den Lohn pünktlich Ende Monat auf dem Konto zu haben und seine ganze ­Familie ins Trainingslager nach Zypern mitnehmen zu dürfen. Aber er bekommt schon mit, dass viele Menschen bescheiden leben und hart im Nehmen sind – im Januar beträgt die durchschnittliche Temperatur minus 14 Grad, oft ist es deutlich kälter. Manchmal schiesst es ­Salatic durch den Kopf: «Wir haben es in der Schweiz einfach gut.»

Er verzichtet auf ein eigenes Auto in Ufa, selber hinters Steuer setzt er sich höchstens, wenn er mit seiner Frau und den Kindern in einem Mietwagen einen Ausflug unternimmt. Ansonsten lässt er sich im Taxi chauffieren oder ist zu Fuss unterwegs. Und gewöhnt hat er sich daran, oft im Flugzeug zu sitzen, wenn es mit seiner Mannschaft zu einem Auswärtsspiel geht.

Ufa stellte er sich kalt und grau vor, unangenehm halt. «Ich hatte ein komplett falsches Bild.»

Der FK Ufa ist ein junges Mitglied der Premier Liga, das Produkt einer Neugründung 2010 und im Mittelfeld der Tabelle etabliert. Die Heimspiele trägt der Club in einem Stadion mit gut 15'000 Plätzen aus, das zwar renoviert worden ist, aber nicht viel mit jenen Hochglanz-Arenen zu tun hat, die für die WM hochgezogen worden sind. Eine Rundbahn liegt zwischen Spielfeld und den Tribünen, und selten sind viel mehr Zuschauer da als bei GC-Auftritten im Letzigrund. «Aber es wirkt meistens, als ­wären mehr da», sagt Salatic.

Im Team ist er unbestritten, ihm ist die Rolle des Abräumers vor der Abwehr zugeteilt worden. Sergei Semak will das so, der Trainer, der die Spiel­intelligenz Salatics hervorhebt: «Ich bin glücklich, dass er bei uns bleibt.» Salatic wiederum schätzt den guten Draht zum Coach. «Er ist eine Legende», sagt Salatic. Semak ist Vater von sechs eigenen Kindern, eines haben er und seine Frau adoptiert – ein gehbehindertes Mädchen. «Semak verfügt nicht nur über enormen Sachverstand, sondern hat auch menschliche Grösse. Eine Persönlichkeit wie er ist mir in diesem ­Geschäft noch nie begegnet.»

Emotionale Verbundenheit

Noch eine Runde, dann ist die Meisterschaft vorbei. Nächste Woche kehrt Salatic in die Schweiz zurück, rechtzeitig, um in dieser Saison noch einmal in einem Super-League-Stadion zu sitzen. Als Möglichkeit bietet sich am 19. Mai ein Ausflug nach Zürich in den Letzigrund an, GC empfängt Meister YB. Seit seinem Abschied ist zwar einige Zeit vergangen, eine emotionale Verbundenheit mit dem Verein ist aber geblieben. Als Murat Yakin neuer Trainer bei GC wurde, dachte Salatic: «Das ist es, das kann ein entscheidendes Puzzleteil sein, um wieder anzugreifen.» Herausgekommen ist es anders. Salatic sagt nur: «Schade.» Nun glaubt er, dass GC mit Thorsten Fink «eine gute Lösung» gefunden habe. Der Deutsche ist jener Trainer, der damals grosses Interesse hatte, Salatic zum FC Basel zu holen.

Die Reise führte den Spieler aber über das Wallis nach Russland. Und nun ist auch klar: Nach den Ferien wird er nach Ufa zurückkehren, um Mitte Juni mit seinen Kollegen in die Vorbereitung auf die neue Saison zu starten.

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