Tennis

«Ich war überfordert»

Nach einer Verletzungspause hat Gian Seiler, 2011 U-12-Schweizer-Meister, wieder Freude am Tennis. Mit dem TC Frohberg spielt der 19-jährige Hombrechtiker in der Nationalliga B. Im Sommer nach der LAP will er sich an Future-Turnieren versuchen.

Auswärts gönnt sich Gian Seiler als Süssgetränk einen Apfelsaft.

Auswärts gönnt sich Gian Seiler als Süssgetränk einen Apfelsaft. Bild: Michael Trost

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Sie haben einen Süssmost bestellt. Was mögen Sie daran?
Gian Seiler: Ich trinke viel Wasser, aber im Restaurant mag ich als Süssgetränk am liebsten einen Apfelsaft.

Ist das auch Ihr Lieblings­getränk?
Im Sommer gibt es nichts Besseres als einen kühlen Most.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?
Ich mag eigentlich alles – am liebsten ein Schnitzel mit Pommes.

Können Sie das auch selbst zubereiten?
Nein, das esse ich nur im Restaurant. Selbst koche ich am ehesten Spaghetti mit einer Tomaten- oder Pestosauce. Und wenn es zu Hause Fleisch im Kühlschrank hat, dann kommt auch das noch dazu.

Inwiefern achten Sie als Sportler auf die Ernährung?
Ich schaue schon darauf. Wenn ich gesund esse, bin ich einfach fitter.

Schnipo passt da aber nicht ins Bild?
Das gönne ich mir auch nur selten oder nach einem Match.

Womit bestreiten Sie Ihren Lebens­unterhalt?
Früher war mein Grossvater mein Sponsor. Jetzt stehe ich auf eigenen Beinen. Ich mache im vierten und letzten Jahr eine KV-Lehre an der United School of Sports. Den praktischen Teil absolviere ich bei der Geberit in Rapperswil-Jona.

«Ich versuche, viel von unseren routinierten Tschechen abzuschauen.»
Gian Seiler

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Als Roger Federer 2007 zum fünften Mal Wimbledon gewann. Ich weiss noch genau, wie ich vor dem Fernseher sass und er nach seinem Fünfsatzsieg über Rafael Nadal zu Boden sank.

Wie sind Sie zum Tennis gekommen?
Mein Vater nahm mich als Dreijährigen im TC Frohberg schon mit auf den Platz.

Vor zwei Wochen haben Sie in der Türkei erstmals ein Future-Turnier bestritten. Sie unter­lagen in der 1. Runde der Qualifikation einem vier Jahre älteren Schweden in drei Sätzen. Was waren Ihre Eindrücke?
Ich hätte das Match gewinnen können. Und mein Gegner stiess danach im Hauptfeld bis in die 2. Runde vor. Das hat mir gezeigt, dass viel mehr möglich gewesen wäre. Und im Doppel hielten wir gegen ein Duo, das im Ranking um Position 1000 klassiert ist, eben­falls gut mit.

Weshalb erfolgte die Premiere bei den Erwachsenen so spät?
Ich war schon früh sehr erfolgreich. Dann hatte ich eine Krise. Meine Eltern trennten sich, ich verlor die Lust am Tennis. Es plagten mich Schulterschmerzen. Es stellte sich heraus, dass die Bizepssehne fast gerissen, das Labrum lose war. Im April 2016 musste ich unters Messer und danach ein halbes Jahr aussetzen.

Bei den Junioren bestritten Sie kaum internationale Turniere, und wenn dann nur in der Schweiz.
Das war eben in jener Phase, als ich nicht 100 Prozent bei der Sache­ war. Da machten Reisen ins Ausland auch keinen Sinn.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Der Gewinn des Schweizer-Meister-Titels U-12 in Lau­sanne 2011 auf Sand. Im Final bezwang ich Gabriel Currlin. (Der Tessiner ist N4.87 und damit im natio­nalen Ranking 63 Positionen vor Seiler klassiert; Red.)

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Die Schulterverletzung, die mich zu einer halbjährigen Pause zwang. Das war – so seltsam es tönt – im Nachhinein betrachtet gut. Seither mache ich auch wieder Fortschritt. Das war in der Zeit als 13- bis 16-Jähriger kaum der Fall. Mir ging es zu früh gut, als es nicht mehr lief, war das für mich ein Drama.

«Mein Vater hat mich lange gepusht.»
Gian Seiler

Jetzt sind Sie wieder motiviert?
Ich trainiere jetzt bewusst und mit Freude. Einen Privattrainer kann ich mir nicht leisten. Aber ich hole mir da und dort Tipps und weiss, woran ich arbeiten muss.

Mit welchen Erwartungen nehmen Sie am Samstag das erste Heimspiel im NLB-Interclub gegen Lugano in Angriff?
Ich will meine Partien gewinnen, für das Team punkten. Mir wird aber sicher ein guter Gegner gegenüberstehen.

Welche Bedeutung hatfür Sie der Interclub, in welchem Sie als Einzelsportler in einer Mannschaft antreten?
Das ist schon einmalig. Wir sind sechs oder sieben Spieler, die gemein­sam unterwegs sind, ein­an­der unter­stützen.

Was können Sie von den drei tschechischen Routiniers im Team – Jan Hernych war vor neun Jahren immerhin die Nummer 59 der Welt und stand 2011 am Australian Open in der 3. Runde – lernen?
Ich versuche, viel von ihnen abzuschauen. Hoffentlich können wir am Freitag (heute; Red.) zusammen einige Bälle schlagen. Sie kommen leider nur für die Spiele nach Stäfa und trainieren auch nicht mehr so viel.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
Nicht lange, ich probiere mich kurz zu halten. Ich bin kein Morgen­mensch.

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Mit Roger Fede­rer. Ich würde dann den ganzen Tag auf dem Platz stehen und versuchen, von seinem enormen Talent so viel wie möglich für mich abzuschauen.

Welche Person bewundern Sie?
Im Tennis David Goffin oder Diego Schwartzmann. Sie sind wie ich eher kleinere, feine Spieler­. Dafür sind sie schnell auf den Beinen und spielen mit Köpfchen.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
Im Sommer nach der LAP werde ich mit Tenniskollegen Future-Turniere im Ausland bestreiten.

Wo wird das sein?
An Orten, wo wie in Antalya Flug und Unter­kunft günstig, die Hotels dennoch sauber sind.

Ihr Lieblingssong?
«River» von Eminem featuring Ed Sheeran.

Ihr Lieblingsfilm?
«I, Robot» mit Will Smith, der dort ein super Schauspieler ist.

Ihr Lieblingsbuch?
«Askir», ein Fantasy-Roman. Frü­her las ich nie, jetzt schätze ich es sehr zum Abschalten im Flugzeug oder im Zug.

Ihr Lebensmotto?
Probiere jeden Tag dein Bestes zu geben, zu lernen und dich zu verbessern. Das habe ich lange nicht begriffen. Der Trainer sagte mir ja, was ich zu tun habe. Mein Vater hat mich lange gepusht. Als ich mich selber motivieren musste, war ich überfordert und geriet in eine Krise.

Was ist Ihr grösstes Laster?
Süssigkeiten, die ich nach einem schlechten Match verschlinge.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Im Sport konnte ich schon immer gut umsetzen, was die Trainer von mir verlangten. Zudem bin ich ehrgeizig und motiviert.

Was macht Sie glücklich?
Ein Sieg im Tennis. Und wenn man hart arbeitet und das Resultat davon sieht.

Was ärgert Sie?
Wenn ich etwas vergesse, mein Handy, oder mein Portemonnaie liegen lasse.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Keine Ahnung. Im Sommer ­habe ich die Lehrabschlussprüfung. Dann möchte ich 50 Prozent arbeiten und daneben aufs Tennis setzen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.05.2018, 11:06 Uhr

Worum gehts?

Im ersten Heimspiel des NLB- Interclubs empfängt der TC Froh­berg am Samstag Lugano. Die Stäfner starteten vor Wochenfrist mit einer 2:7-Nieder­lage bei Aufstiegsaspirant Nyon. Die von zwei Italienern aus den Top 700 des ATP-Rankings angeführten Tessiner bezwangen Aufsteiger Courrendlin-La Croisée mit demselben Resultat. Die Stäfner, bei welchen Laurin Aerne­ wegen einer Fussverletzung weiterhin passen muss, sind erneut Aussenseiter. Immer­hin sollte Pascal Mosberger wieder mittun können. db

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